Büchernetze

Wir spinnen ein Netz
aus geschriebenen Worten
Fangen den Sinn
Fangen uns selbst

Leben in Träumen
aus Erinnerung
Fangen das Leben
Fangen die Träume
in Netzen
aus geschriebenen Worten
sperren sie ein

Gefangenes Denken
Gefangenes Fühlen
in Netzen
aus Worten
Gefangen und doch frei
Flüchtig gebunden
ewig gehalten
in Büchern

Pictures of Me

Ausnahmsweise einmal, habe ich die Fotos in diesem Beitrag nicht selbst gemacht. Stattdessen bin ich mit einem Freund und Fotographen unterwegs gewesen. Das Lob für die schönen Fotos mit mir als Motiv geht an Severin Frank. Danke dafür 🙂

Hier einmal die Kurzübersicht, auf der zweiten Seite die Bilder in groß. 😉

Atme im Leben

Dies ist das Gefühl
dass alles schon gewesen ist
und wir nur noch leben müssen
neu erleben dürfen

Die ganze Nacht daliegen
nicht schlafen
Der quälende Hunger
nach Frühstück
nach Aufstehn
nach Mehr
nach Singen!

Adrenalin in den Adern
Vorfreude zittert in den Fingern
Die Uhr bleibt stehen
und ich warte auf den Morgen
auf Gesang!
auf Musik!

Stehe Mittags auf dem Gang
Da mischen sich Klänge
aus fünf verschiedenen Zimmern
zu fünfzig verschiedenen Liedern
Schaffen unsere eigene Welt

Hier will ich bleiben
Hier bin ich glücklich
Musik in den Adern
Gesang zittert in den Fingern

Weil hier alles vibriert
Weil man hier noch spürt
dass die Welt am Leben ist

Moondance – Lyrics

LINK zum Lied
LINK zum englischen Text

Verträumt, naiv und glücklich

Inzwischen weiß ich nicht mehr genau, wie wir eigentlich darauf kamen, doch vor einiger Zeit beschlossen wird als Band, einen Cha-Cha-Cha zu schreiben. Es war eines dieser Stücke, bei denen Johannes und Axel eine großartige Idee hatten. Doch bei keinem anderen Stück bisher fiel es mir so schwer, Text und Melodie dafür zu entwickeln. Beim Hören der Musik fixierte ich mich automatisch auf den typischen Cha-Cha-Cha Rhythmus und war dann nicht mehr in der Lage, mir einen halbwegs flüssigen Gesang dazu vorzustellen. Ich fing an, mir bekannte Stücke dieser Tanzmusik anzuhören, um Ideen zu bekommen, aber es half nicht viel. Am Ende schrieben wir den Gesang gemeinsam.
Was den Text angeht, baute ich auf der Grundlage einer etwas älteren Idee von mir, die sich jetzt im Refrain wiederfindet. „This is a world for gods and for angels“ (Dies ist eine Welt für Götter und Engel). Einer dieser Sätze, die einem irgendwann unterwegs mal einfallen und sich in dem Moment wirklich gut anhören. Ich schreibe sowas meistens auf, falls es irgendwo mal dazu passt.

Moondance ist einer meiner seltenen Versuche einen Text zu schreiben, der sich selbst nicht ganz ernst nimmt. Oder vielleicht sollte ich besser sagen: Der die Realität nicht ganz ernst nimmt. Moondance ist ein bis ins Surreale überspitzter Wunschtraum. Man kann das sicher anders sehen, doch für mich soll das Stück keine Bitterkeit darüber ausdrücken, dass dieser Traum nicht real sein kann. Ich sehe es eher als eine Motivation so schön zu träumen, dass das Bedürfnis entsteht, die Realität an diesen Traum anzunähern.
Als Motiv habe ich mir das Gefühl eines spontanen und intensiven Verliebtseins gesucht. Ein Gefühl, das einfach nur den Moment genießen möchte und sich keine Sorgen darüber macht, was als Nächstes passiert. Eine Nacht, in der ein Mensch einfach entscheidet, dass er jetzt ein paar Stunden einfach nur glücklich sein wird.

Einmal umgab das Blau meinen Weg.
Ich ging aus, mit meinen Freunden, doch ich fühlte mich noch immer allein.
Unsicher wohin ich gehen sollte, endete ich an einer Bar,
wo mir ein Fremder zulächelte.
Doch ich war mir sicher, dass er betrunken war.

Vielleicht ist die erste Strophe in diesem Stück diejenige, die die meiste Erklärung braucht, denn an einer Stelle ergibt der Text möglicherweise mehr Sinn mit meinem Einstellungshintergrund, der erfahrungsgemäß den meisten anderen in dieser Form fremd ist. Ich spreche hier von dem letzten Satz.
Es ist kein Geheimnis, dass ich oft Stücke schreibe, in denen ich mich mit den Protagonisten identifizieren kann. Da ich selbst keinen Alkohol trinke, stelle ich mir in diesem Fall auch das lyrische Ich an dieser Stelle nüchtern vor. Dann, nach einem enttäuschenden Abend mit Freunden, trifft sie diesen Mann, der sie anzieht und fasziniert:

Kennst du das Gefühl jemanden zu lieben,
den du nicht einmal kennst?

Doch er war betrunken. Dieses „Aber“ steht dort nicht zufällig. Bei Menschen, die mit etwas bedeuten, versuche ich meistens Situationen zu vermeiden, in denen sie Alkohol trinken. Gegenüber Angetrunkenen und Betrunkenen fühle ich mich oft verunsichert. Ich habe das Gefühl, nicht einschätzen zu können, was ihres Verhaltens ehrlich und was nur durch den Drogenkonsum motiviert ist. Daher ist Moondance ein ungewöhnliches Stück in dem Sinne, dass sich das Verhalten des lyrischen Ichs sehr von meinem eigenen unterscheidet: Der Zustand ihres Gegenübers stört sie im ersten Moment, aber dann geht sie darüber hinweg und beginnt, mit ihm durch die Nacht zu wandern. Eine Entscheidung, die ich so vermutlich nicht getroffen hätte.

Wir schlenderten durch das Dunkel, unser Weg führte uns höher.
Bald ließen wir die Gehwege zurück, um uns zu verstecken.
Wenn die Welt sich zur Ruhe legt direkt vor unseren Augen
und du mir einen Wunsch versprichst,
fällt die Sternschnuppe bereits vom Himmel
um mir zu garantieren, dass mein Wunsch wahr werden wird.

Wir saßen dort bis zum Morgen. Unser Lachen wurde müde.
Wir beobachteten beide den Stern, der den Horizont erkletterte.
Als die Welt von der Ruhe erwachte, direkt vor unseren Augen,
wünsche ich mir, dass du niemals gehst.
Du versprachst, mir die Erde und den Himmel zu zeigen
und mit mir um die Welt zu reisen.

Dies ist die von uns gewählt Variante, geradezu klischeehaft schöne Bilder zu beschreiben: Die beiden sitzen auf einem Aussichtspunkt oder einem Dach und sehen zu, unbeobachtet von allen anderen, wie über der Stadt die Sonne aufgeht. Sie haben stundenlang geredet und gelacht. Jetzt gibt es nichts mehr zu sagen, beide sind müde, doch es ist nicht schlimm.

Manchmal entwickeln Kunstwerke eine Art Eigenleben. Gerade dachte ich, dass es spannend wäre, die Perspektive des Mannes in diesem Stück zu kennen. Aber weniger in dem Sinne, dass ich diese Perspektive schreiben sollte. Ich würde seine Sichtweise gerne lesen. Vielleicht geschrieben von jemandem, der ihn besser versteht als ich.

Er versprach mir Sterne, versprach mir Wunder.
Dies ist eine Welt für Götter und Engel.
Heute glaube ich, dass was immer er sagt,
schon am nächsten Tag wahr werden wird.

Er versprach den Mond. Dann schien der Mond.
Er versprach mir Sterne. Die Sterne werden beginnen zu fallen,
weil ich glaube, dass was immer er sagt
schon am nächsten Tag wahr werden wird.

Dieser letzte Refrain ist für mich der wichtigste. Der Glaube (nicht zwangsweise im Sinne einer Religion) und unsere Träume können die Welt und die Menschen verändern. Die beiden stärken sich gegenseitig. Indem sie an ihn glaubt macht sie es ihm leichter, tatsächlich perfekt zu sein. Andererseits kommen wir hier auch wieder zu der Überschrift dieser Interpretation zurück. Anstatt in diesen letzten Sätzen eine Machtzuweisung in unsere Träume zu sehen, können wir sie auch als absoluten Höhepunkt der Surrealität betrachten. Dann wird unsere ganze Geschichte zu einer, in der wir bewusst naiv und realitätsfern sind. Anstatt sie zu verändern, können wir die Welt auch schön träumen. Und seien wir ehrlich: Letzteres ist der leichtere Weg.

Erinnert ihr euch an das Ende der Interpretation von Origami Heart letzte Woche? Dort habe ich gesagt, dass ich glaube, dass positive Begegnungen Menschen heilen können. Die Geschichte in Moondance könnte eine solche Begegnung sein.

Der eine Ring

Wir einander – kaum gespürt
unsre Träume – unberührt
wohin hat uns das geführt?
Gedanken wild und ungeniert
Tränen wo der Tanz regiert
fallen bis sie jemand fängt

Doch ich hab mich an dich verschenkt
hab mich in deinem Wunsch ertränkt
dich um Zärtlichkeiten und Wahrheit bedrängt
mein Blick war durch ferne Ziele beschränkt
doch du hast mich befreit

Wir dafür – noch nicht bereit
unsre Leben – so viel Zeit
und das geträumte Hochzeitskleid?
Manche Pläne zeichnen Leid
Tränen geben wir Geleit
sie wandern bis jemand sie weint

Du hat es doch nicht so gemeint
auch wenn es hoffnungslos erscheint:
der Trotz der uns noch immer eint
die Leidenschaft, die weiter keimt
und Hoffnung hat uns neu verführt

Obwohl wir uns – zu oft gespürt
sind unsre Träume unberührt
und wohin haben sie geführt?
Gedanken frei und ungeniert
doch jetzt ist alles kompliziert.

 

Der Mann vom Silbersee (eine Traumgeschichte)

Licht und SchattenAn manchen seltsamen Tagen… fällt einem die Müdigkeit wie weiße Schleier vor die Augen und während man sich in der Gewissheit wähnt, dass man wach und den Umständen entsprechend einigermaßen konzentriert ist, treibt der Geist weiter und lässt einen zurück … wo auch immer man dann ist … um sein uraltes Recht einzufordern, immer in unserer Wahrheit zu leben, egal was wir denken.
Als der Schleier sich erhob, war ich nicht dort, wo ich dachte zuvor gewesen zu sein…

Ich spürte das Chaos lange bevor es mich, bevor ich es, erreichte.
Es war eine von Farben durchsetzte Schwärze, ein Strudel, der nicht das ganze Blickfeld ausfüllte und doch alles andere verdeckte, obwohl ohnehin nichts dagewesen war. In einer Ecke steht ein Haus. Ohne Wand. Mit einem Dach, das von vier dünnen Stäben getragen wird und sich beinahe auflöst. Es ist bewohnt von Geistern. Sie kommunizieren mit mir und tun, als wären sie Menschen, doch die zweite Dimension der Wahrnehmung verrät sie. Alles was ich tat war erfüllt von einer furchtvollen, freudigen Erregung und meine Sinne wurden vom beständigen Rauschen des Chaos durchströmt, das durch die Fenster hereinfloss und jede Parallelschicht meiner Aufmerksamkeit anzog, die nicht auf anderes gerichtet war.
Aufblühend versank ich in der Angst meiner Wahrnehmung, während ich durch die Tür trat, der Tresen zog an mir vorbei, meine Fantasie malte die Stühle und Tische einer kleinen Bar in den Augenwinkel des einzigen Raumes und auf der anderen Seite trat ich zwischen goldgeschnitzten Säulen und prachtvollen Flügeltüren hinein in eine wundervolle Landschaft.
Direkt neben mir, das Wasser berührte beinahe meine Füße als käme es ebenso aus dem Haus wie ich, was es nicht tut, fließt ein kleiner Fluss bergab.  Hoch oben in den Bergen an seiner Quelle, da weint er silberne Tränen und sperrt sich in die Felswand.  Voller Verzweiflung stürzt er sich danach hinab ins Tal und schäumt in einer kleinen schlammigen Pfütze den Dreck von Jahrhunderten auf, bis er zu diesem Bach wird, der unter meinen wachsamen Blicken ins Meer mündet, ja, ich kenne diesen Fluss. Ich habe ihn erschaffen, er floss vor beinahe drei Jahren aus der Feder meines Lieblingsfüllers. Nur das Meer kenne ich nicht. Es ist kleiner geworden seitdem. Nun ist es ein See. An seinem Ufer grasen schwarze Rösser. Sie fressen den Goldregen, dessen Äste wie Trauerweiden über die Wasseroberfläche streifen. In meinem Herzen sammelte sich die Ruhe, als könne sie jeden Moment überlaufen.
„Seit dieser Geldsegen hier wächst werden auch die schwarzen Rösser immer mehr. Sie sind beinahe eine Plage, doch irgendwie scheinen sie hier die Bestätigung ihrer wissenschaftlichen Existenz zu finden. Früher haben sie nur die Trauerweisen gefressen, aber die sterben langsam aus“,  dachte der Silber. Er stand neben mir und sah aufs Wasser hinaus. „Hast du mir ein Geschenk mitgebracht?“.
Meine Verwirrung flimmerte wie Geisterhauch um mich herum und folgte meinem ebenso irren Blick. „Ich habe kein Silber für deinen See“. Der See war nicht silbern. Woher er diesen Namen hat war mir bis zum damaligen Jetzt ein vollkommenes Rätsel gewesen. Er schimmerte grau und der Mond spiegelte sich darin, während alles um uns herum in grellem Tageslicht versank. „Der See braucht kein Silber“, sagte der Silber. „Er braucht Wörter.“ Leises Bedauern darüber, dass ich nur sehen kann, was ich selbst erschaffen habe verriet mir, dass es mehr als einen Zufluss zum Silbersee gibt.
„‘Am Wasser‘ war ein guter Anfang, auch wenn er leider nur für einen Bach gereicht hat. Allerdings ist es noch etwas wenig.“ „Aber ich schreibe doch so viel… allein den ganzen Tag in der Uni…!“ Doch das reicht nicht, das weiß ich. Der Silber will kein Brackwasser.
Neben dem Flussdelta meines Baches stand ein schwarzes Ross und blickte zum Trauerregen auf.
Durch die offenen Salontüren in meinem Rücken streckte das Chaos den Kopf zu uns herein. „Du solltest mal besser auf deine Bar achtgeben…“ „Das ist nur in sehr übertragener Weise meine Bar“, wies mich der Silber lachend zurecht. „Da drin wohnen die Geister. Die haben alle zu viel von dem Goldregen getrunken. Irgendwann verliert man das Maß. Jeder der kommt und kein Geschenk hat, der kommt mit einem Ross und anschließend geht er in die Bar. Sie verlieren sich…“
Meine Ruhe schwappte über und ein dunkles Rauschen umgab mich, wie eine von Farben durchsetzte Schwärze.

Als der Schleier sich erhob und ich in dem Saal, der, gefüllt mit Menschen und Konzentration, solange in der Zeit stehen geblieben war und auf mich gewartet hatte, auch meine inneren Blicke wieder meinem Blatt zuwandte, da war mein Stift nicht dort, wo ich dachte zuvor gewesen zu sein und die Worte kannte ich nicht.