Lange Tage

Die ganze letzte Woche ging die Krankheit um, in unserer kleinen Rumänien-WG.
Gestern beschlossen meine beiden Kolleginnen (in meiner Abwesenheit), dass sie doch bei einem Ausflug mitgehen könnten, bei dem nur noch zwei Plätze frei sind. Gemeinsam hierzubleiben war aufgrund mangelnder Unternehmungsmöglichkeiten für heute keine Alternative. Also bin ich heute den ganzen Tag allein.
Um wenigstens irgendwas zu tun, bin ich heute zum Sonnenaufgang an den Fluss gegangen und habe Fotos gemacht. Das ist das Ergebnis:

Das Leben ist hart…

…aber davon, dass man das weiß, wird es auch nicht besser

Oder: Aber alles wird gut

Das sind so die Lebensmottos die in unserer WG unterwegs sind.
Es ergeben sich ja, wenn man eine Weile an interessanten Orten unterwegs ist, immer mal wieder interessante Zitate, die manchmal einer Erklärung bedürfen und manchmal eher nicht. Eine kleine Sammlung davon:

Politiker? Eigentlich kann man niemanden wählen, sie sind alle korrupt und jeder wirtschaftet in die eigene Tasche. (Arbeitskollegin auf die Frage, ob bei den nächsten Wahlen jemand gutes dabei ist)

 

Wir hätten die Dinge korrigieren müssen, die im Kommunismus schlecht waren, aber manche Dinge waren auch sehr gut organisiert und die Politiker haben alles kaputt gemacht. Jetzt sind wir nicht bei Null sondern im Minus. (Arbeitskollegin)

 

Es ist schade, dass die heutige Jugend nicht mehr so ein Leben haben kann, wie wir eines hatten. (Mein Besuchsdienst beim Wandern)

 

Hier sieht es aus, als sei ein Kind mit seiner Stadt aus Lego nicht zufrieden gewesen und habe statt zu korrigieren einfach alles eingerissen, damit es nochmal neu bauen kann. (Mein Eindruck der Innenstadt)

 

Wenn wir halt im Winter feststellen, dass wir gerne warmes Wasser hätten und es funktioniert nicht, können wir halt so viel Geld haben wie wir wollen, es nützt uns gar nichts. (WG-Kollegin als das Warmwasser ausfiel)

 

Timisoara war die erste europäische Stadt mit einer elektrischen Straßenbahn. (Mein Besuchsdienst auf die Bebachtung hin, dass die Straßenbahnen alle alt und aus Deutschland sind)

“Das Leben ist hart” stammt übrigens auch von einer WG-Kollegin und meint im Zusammenhang mit “Alles wird gut” nicht, dass alles sofort gut wird, sondern dass alles irgendwann in der Zukunft einmal gut wird… aber das mit Sicherheit.

Woche 1 – Donnerstag

(Do.) Donnerstagabend klingelt es mal wieder in meinem Kopf „Übererlebt”. Dieses Wort hat unsere rumänische, deutschsprechende Betreuerin A.G.  von der Caritas ausversehen für meinen Zustand gefunden und er trifft es ziemlich genau. In meinem Kopf tanzen Bilder: Mehr…

Woche 1 – Mittwoch

(Mi.) Am Mittwoch sind wir im Hospiz, das nebenbei bemerkt einen wunderschönen Garten hat.
Die Schwestern dort scheinen nach allem was wir so mitkriegen, unbedingt einen Freiwilligen zu wollen und haben scheinbar die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie doch noch einen bekommen, obwohl dieses Jahr keiner für sie vorgesehen ist.
Da ich am Montag als kleines unwichtiges Detail erfahren habe, dass mein Projekt Carani nächste Woche ohnehin erstmal Urlaub hat (und eigentlich will ich ja sowieso nicht nach Carani), frage ich schon mal testweise an, ob ich denn nicht mal eine Woche schnuppern kommen könnte. Das JA ist trotz der Sprachbarrieren eindeutig zu verstehen. Mehr…

Woche 1 – Dienstag

Unser Kloster klein(Di.) Es ist Dienstag. Ich habe das Gefühl, schon seit mindestens einem Monat hier zu sein, so erschöpft fühle ich mich. Das Adrenalin wirkt momentan allerdings noch ganz gut. Ich werde mit meiner Vorgängerin in das Projekt fahren, in dem ich theoretisch ein Jahr lang arbeiten soll.
Als ich am Telefon erfahren habe, dass ich mein Jahr in ausgerechnet diesem Projekt  verbringen werde, hab ich erstmal einen Weinkrampf bekommen. Mehr…