Segelgedanken VII

Das Internet hat mir doch noch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Daher kommen die Beiträge ab jetzt nicht mehr live, sondern um ein paar Tage versetzt, weil ich nicht alles auf einmal hochladen möchte.

Das Thema des Tages wird ausgelöst durch eine seltsame Skulptur auf einem Marktplatz und den Gedenkbaum eines Märtyrers, dessen zertretene rote Früchte auf dem Boden sicher nicht zufällig wie Blut aussehen. Auf den ersten Blick scheint es eine typische Frage für und von Künstlern zu sein, doch ich glaube am Ende betrifft sie uns zu viel mehr Gelegenheiten: Was treibt uns eigentlich an, wenn wir etwas erschaffen? Wenn wir überhaupt ewas produktives tun? Geht es um unser persönliches Glück? Ich denke, meistens wird das eine Rolle spielen. Doch wodurch wird es ausgelöst? Für mich selbst geht es bei dieser Überlegung oft darum, ob ich etwas für mich und sozusagen als Selbstzweck tue. Oder ob es um die Berührungspunkte geht, die andere mit meinen Werken haben. Wenn es zweiteres ist: Wollen wir dann nur erreichen, dass andere etwas davon haben? Brauchen wir die ausgesprochene Anerkennung für das, was wir getan haben? Oder ist es am Ende etwas ganz anderes?

Segelgedanken V

Nicht jede Tätigkeit, die entspannt und / oder glücklich macht, tut dies für unbegrenzte Zeit. Und nicht alles was entspannt macht auch glücklich. Ich kann mich gut an Ferien erinnern, in denen ich nach wochenlangem Bücherlesen zwar erholt und nicht unglücklich, aber auch nicht explizit glücklich war. Stattdessen hatte sich eine eigenartige Betäubung in mich geschlichen, die eher daran hinderte, glücklichen Beschäftigungen nachzugehen. Aus einem solchen Tief wieder aufzutauchen braucht manchmal viel Kraft. Besonders dann, wenn der immer gleiche Ablauf zur Gewohnheit geworden ist.
Beim Segeln über das Wasser zu blicken und den ganzen Tag nichts zu tun, kann für mich eine solche entspannende aber lähmende Gewohnheit sein, die sich zum Glück spätestens am Ende des Urlaubs von selbst unterbricht. Aber ich glaube auch ein funktionierender Alltag kann eine solche Trance hervorrufen… was an sich nichts Schlechtes ist, da wir in ihr nicht unglücklich sind. Aber sie ist eben auch nichts explizit Gutes, weil sie uns in gewisser Weise die Chance nimmt, intensiveres Glück zu erleben.
Sobald ich eine längere Zeit in immer demselben Rhythmus vor mir habe, versuche ich daher, sehr wachsam zu sein. Ich will dem Auf und Ab der Tage folgen. Allerdings nur so lange, wie ich das Gefühl habe, dass ich die Entspannung nötig habe. Oder so lange, wie diese Tage Inspiration bereithalten. Dann möchte ich alle Kraft zusammennehmen und für etwas anderes, manchmal etwas neues, unterbrechen.