Erinnerung an England

1. Die endlose See
Der Wind reißt an mir,
reist mit mir.
Siehst du sie fliegen,
alle über die Unendlichkeit
in die endlose Freiheit.
Bin oft hier gewesen.
Habe Kühle unter den Fingern gespürt.
Doch dieses Mal ist es anders.
Trägt an neue Ufer.
Trägt den Teil zum neuen Leben.
Ein Anfang von vielen.

2. Der Strand aus Stein
Da ist dieses unbekannte Licht,
bedeckt von grauen Wolken.
Eine Sehnsucht,
die nach Unendlichkeit strebt.
Doch verstehen kann ich sie nicht.
Sie lebt nicht ohne zu sterben.

3. Die steinernen Begleiter
Durch graue Gassen.
Unter grauem Himmel.
Graue Wegweise.
Graue Augen.
Folgen mir.
Ein wenig Enttäuschung.
Die Freiheit, so eng.
Doch das Gold leuchtet,
an Orten,
an denen ich es niemals erwartete.

4. Der Garten in Stein
Durch das Tor aus Stein,
tritt ein mein Freund.
Sieh die Grenze die es nicht gibt.
Ein Ort aus Leben im Tod aus Stein.
Niemals will ich ihn verlassen.
Die reine Schönheit liegt vor mir.
Doch noch immer gefangen,
man will den Vogel nicht fliegen lassen.
Er sieht den Artgenossen im Wasser zu.
Das Glück liegt in Ketten aus Stein.
Es ist die reinste Schönheit.

5. Der Garten aus Licht
Hier ist die Freiheit.
Hier ist das Licht.
Alle Bedrängnis gefallen.
Hier sind die Höhepunkte von allem.
Dein ganzes Leben, hat hierauf gewartet.
Schau nicht in die Sonne,
schau auf die Freiheit.
Die offensichtlichen Dinge,
spürst du von allein.
Erinnre dich daran
und tu es nicht zu spät.

6. Die Sehnsucht
So schön, doch so allein.
Kann dein Herz
nicht mit mir reisen?
Fliegen, mit Wind
und Möwen übers Meer?
Sich setzen an
den Strand aus Stein?
Ich ließ es niemals dort allein.

Segelgedanken VIII

Die Bilder von heute sind wohl (bis auf das Regenwetter) eher auf flache Art und Weise idyllisch. Das passt aber auch garnicht schlecht zu dem Thema, das mich heute den Tag über beschäftigt. Es beginnt, als wir mitten am Tag in einer Stadt anlegen. Beim Durchfahren sah sie nicht nach etwas besonderem aus. Auch haben wir nur wenig Zeit, da wir vor dem Feierabend der Hebebrücken noch ein Stück weiterkommen müssen. Die Stadt jetzt kurz anzuschauen, wird ziemlich sicher stressig. Trotzdem halten wir an. Und zwar weil in einem Reiseführer steht, dass es sich um ein wirklich nettes Städchen handelt. Mir kommt das ein wenig vor, als würden wir Briefmarken oder Klebebildchen sammeln. Nur das wir Städtchen sammeln, bei denen wir dann vor unseren Freunden sagen können: “Da war ich auch schonmal, ein wirklich nettes Städtchen”.
Dabei finde ich es wirklich beeindruckend, dass Menschen scheinbar Erinnerungen an gute Restaurants oder besonders schöne Orte mit dem Namen der zugehörigen Stadt verbinden können. Für mich ist ein Urlaub, wie eigentlich das ganze Leben, eine Ansammlung schöner Einzelbilder. Dazwischen liegen mehr oder weniger lange Strecken nicht so sehenswerter Episoden. Aus diesem Urlaub werde ich unter anderem das Gefühl mitnehmen, durch enge Gässchen zu wandern. Rechts und links stehen alte, sehr gemütlich wirkende Häuser aus rotem Stein mit wunderschönen Gärten vor der Haustür. Es ist traumhaft keine Frage. Doch ob ich dieses Gefühl aus drei oder fünf verschiedenen Dörfern mitnehme, spielt für mich keine Rolle. Und wie diese spezielle Stadt dann heißt, die im Reiseführer als nett beschrieben wird, ist mir eigentlich egal.

(Das Bild unten ist übrigens während dem Fahren entstanden. Solange andere innerhalb einer Stunde die Stadt besichtigt und Kaffee getrunken haben, saß ich entspannt mit einem Buch auf unserem Schiff).

Bild einer Stadt – Lyrics

Zwei kleine Anmerkungen vorweg: 1) Der deutsche Liedtext ist auf der zweiten Seite
2) Falls ihr den Beitrag über die #Behind_the_Lyrics Seite aufruft und euch die Schrift zu klein ist: Wenn ihr auf den Titel des Beitrags klickt wird die Schrift größer. 😉

LINK zum Lied

Ein Text für einen Traum

Bild einer Stadt ist nicht nur das erste Stück der Reihe. Es fällt auch aus einem anderen Grund auf. 15 Lieder hat Cataract of Dreams bisher geschrieben. Bild einer Stadt ist aber noch immer das einzige, das einen deutschen Text hat. Woran liegt das?

Es ist kein Geheimnis, dass ich keine gut ausgebildete Sängerin bin. Ich spiele Trompete seit ich acht oder neun bin. Mit vierzehn schrieb ich meine ersten Gedichte. Doch ich habe nie Gitarre oder Klavier gelernt und gesungen habe ich, wenn überhaupt, im Schulchor.
Gegen Ende der Mittelstufe entdeckte ich dann, dass singen für mich doch mehr ist, als nur ein Hobby. Im Abiturjahr lernte ich den Schlagzeuger kennen, der heute noch mit mir auf der Bühne steht. Und als ich nach einem Auslandsjahr nach Deutschland zurückkam, stand für uns beide fest, dass wir eine Band brauchen.

Kein Instrument zu beherrschen, das mehr als einen Ton gleichzeitig spielen kann, ist für meinen Zugang zur Musik Segen und Fluch zugleich. Ein Segen, weil ich nie in Versuchung kam, mich beim Melodienschreiben auf bekannte Akkordmuster zu verlassen. Ein Fluch, weil es mir den Zugang zum Songwriting allgemein erschwerte. Daher besuchte ich schon vor der Bandgründung ein sogenanntes Songwriting-Seminar. Dauer: Ein Wochenende. Ich erhoffte mir kreative Ideen, wie man ohne den typischen Singer-Songwriter-Ansatz ein Lied schreiben könnte. Tatsächlich fragte ich extra nach, ob es nötig wäre, Gitarre spielen zu können. – Angeblich war es nicht nötig. Hochmotiviert und einigermaßen naiv kam ich dort an. Doch schon in der ersten Theoriestunde war klar, dass mich das nicht weiterbringen würde. Wir lernten die Standard-Theorie der Akkorde fürs Liederschreiben. Danach zogen sich alle anderen mit ihren Gitarren oder ans Klavier zurück und schrieben Stücke. Ich fühlte mich… irgendwie überflüssig.
Zu sagen ich wäre enttäuscht gewesen, trifft es nicht ganz. Bodenlos frustriert wäre eine bessere Beschreibung. Aber ich wollte unbedingt auch ein Lied schreiben. Also tat ich das einzige, von dem ich wusste, dass ich es halbwegs konnte: Ich schrieb ein Gedicht. Auf Deutsch, denn so war ich es gewohnt. Allerdings hatte dieses Gedicht Strophen und man konnte es auf einen Vier-Vierteltakt sprechen.

In Bild einer Stadt finden sich daher einige Thematiken wieder, die ich damals für mich mit Frustration verknüpft waren und mir in dieser Stimmung also automatisch in den Sinn kamen. Sie sind kurz und prägnant, wenig elegant ausgeführt. Die Metapher mit den Schildern in der Stadt hatte ich schon vor dem Seminar geschrieben. Sie war motiviert von meiner Lebenssituation nach dem Abitur: Alle Türen standen offen. Aber niemand konnte mir sagen, was mich am Ende glücklich machen würde.
In der Schule fiel ich dadurch auf, dass ich schon recht früh wusste, was ich später studieren möchte. Zu Beginn der elften Klasse sagte ich meinem Physiklehrer, er dürfe mir den Spaß an diesem Fach nicht verderben, weil ich später Physik studieren würde. Und genau das hab ich auch getan. Allerdings hatte ich auch das Gefühl, dass die glatten Übergange, von der Schule ins Studium und dann in den Beruf, kreativere Werdegänge etwas auf der Strecke lassen. Damit meinte ich damals gar nicht unbedingt künstlerische Berufe, sondern eher das Ausleben von kleinen Träumen und Hobbys.

Weil unser Blick immer vorwärts strebt
und jeder Traum einfach untergeht.

Viel schlimmer aber fand ich die Einstellung mancher Erwachsenen zum Thema Glück. Oder wenigstens meinen damaligen Eindruck ihrer Einstellung: Nämlich alle schönen Dinge im Leben aufzuschieben. Im Beruf ist keine Zeit, Karriere ist wichtiger. Aber wenn die Arbeit mal vorbei ist, hat man endlich Zeit für all das, was man sein ganzes Leben schon tun wollte… Vorausgesetzt, dass man so lange lebt.

Weil unser Glück in der Zukunft liegt.
Weil für uns „Jetzt“ keinen Sinn ergibt.

In der zweiten Strophe kommt dann noch die allgemeine Kritik daran, dass Kreativität nur anerkannt wird, wenn sie einem produktiven Zweck dient.

Weil Fantasie strukturiert sein muss
und jeder lebt – völlig unbewusst.

Der letzte Abschnitt der zweiten Strophe liest sich nicht besonders elegant. Mit der Formulierung „weil nette Worte so selten sind“, war ich nie wirklich zufrieden. Sie klingt etwas naiv. Damals fiel mir, ehrlich gesagt, einfach keine bessere Variante ein. Der Satz drückt aber zwei Meinungen aus, die ich bis heute im Wesentlichen genauso vertrete:

Weil niemand sich noch selbst erkennt
und nette Worte so selten sind.

Manchmal haben Menschen eine geradezu absurde Angst, sich einander zu öffnen. Als müssten wir uns für unsere Persönlichkeit schämen und sie deshalb hinter Konventionen verstecken. Wir alle wissen auch wie schön es sein kann, überraschend etwas nettes gesagt zu bekommen. Es mag komisch sein, wenn es von einem Fremden kommt, aber wir freuen uns darüber. Trotzdem lassen wir andauernd gute Gelegenheiten verstreichen, um einander ehrliche Komplimente zu machen oder unseren Beistand auszudrücken. Warum eigentlich?

Bild einer Stadt wurde auf dem Seminar dann doch noch vertont. Mit der Hilfe einer jungen Frau, der ich, glaube ich, vor allem leidgetan habe. Unsere erste Besetzung von Cataract of Dreams spielte dann eine leicht geänderte Version mit Gitarren. Danach wurde das Stück noch zweimal umgeschrieben. Einmal für die Besetzung nur mit Gesang und Klavier und dann noch einmal für Klavier und Trompete. So hat mein erster richtiger Liedtext die ganze Entstehungsgeschichte von CatoD begleitet. Würde man für den Achtzehnten Geburtstag dieser Band ein Bilderalbum anfertigen wollen, so wären die Liveaufnahmen dieses Stückes über die Jahre ein guter Anfang.