Mit einem Satz I

Für den Auftritt von Cataract of Dreams Ende Juli habe ich ein neues Konzept Ansagen versucht. Gegen meinen Widerwillen habe ich versucht, den Inhalt unserer Stücke in jeweils einem Satz zusammenzufassen. Dies habe ich insbesondere getan, ohne mir meine Behind the Lyrics Interpretationen noch einmal durchzulesen. Da sich die Bedeutungen von gedichtartigen Texten aber nicht nur je nach Mensch, sondern auch je nach Tagesform unterscheiden können, würde ich diese Sätze gern der Behind the Lyrics Reihe hinzufügen. Vielleicht eröffnen sie noch den einen oder anderen neuen Aspekt dieser Texte. Außerdem sind natürlich einige Songs dabei, für die es noch keine ausführliche Interpretation gibt.
Bitte umblättern 😉

Pictures of Me

Ausnahmsweise einmal, habe ich die Fotos in diesem Beitrag nicht selbst gemacht. Stattdessen bin ich mit einem Freund und Fotographen unterwegs gewesen. Das Lob für die schönen Fotos mit mir als Motiv geht an Severin Frank. Danke dafür 🙂

Hier einmal die Kurzübersicht, auf der zweiten Seite die Bilder in groß. 😉

Versteckte Tropfeissäule (29.12.2017)

Versteckte TropfeissäuleDas Fotografieren hat meine Wahrnehmung meiner Umgebung, insbesondere der Natur, zu einer permanenten Wachsamkeit hin verändert.
In beinahe jeder noch so langweiligen, tristen oder grauen Landschaft oder Stadt können diese kleinen Ausschnitte gefunden werden, in denen die Welt auf einmal vollkommen anders aussieht.

Glaskugel

Mitte dieser Woche war ich eingeladen, in einem Uniseminar des Zeicheninstituts ein Gedicht vorzutragen. Die Seminarteilnehmer sollten dann du diesem Text ein Bild entwickeln und zu Papier bringen. Herausgekommen sind viele wundervolle Werke, von denen jedes einzelne seinen eigenen Blickwinkel zu dem Gedicht ergänzt. Einige davon durfte ich fotografieren und sie hier mit euch teilen:

Spiegelglas~Glaskugel

Von: Katharina Turba

Von: Katharina Turba

Grelle Punkte
tanzen, flimmern
über ihre Oberfläche.

Beleuchten
goldene Tropfen,
eingeschmolzen
in ihrem Inneren.

Von: Marta Provenzano

Von: Marta Provenzano

Ein Blick,
in unendliche Tiefen.
Kein Sinn
für die nahe Wand.

Von: Viviane Berger

Von: Viviane Berger

Lädt ein
sich hinter ihrer Endlichkeit
unendlich
zu verirren.

Ein Diamant
aus Sternenstaub
in stiller Dunkelheit.

Fängt den Blick.
Fängt die Sinne.
Gib Acht!

Was du glaubst,
Was du denkst,
Was du bist,
wird nimmer
dir gehören.

Von: Karin Martini

Von: Karin Martini

Von: Dr. Johannes Wertz

Von: Dr. Johannes Wertz

Heb den Blick!
Heb die Sinne!
Sieh wer du bist!
Wisse, dass du lebst
und du allein
kannst sehen

in stiller Dunkelheit,
laden sie ein
dich zu verirren
zwischen den Lichtern,
zwischen den Zeiten,
zwischen dem Wissen.

Von: Christa Maria Burr

Von: Christa Maria Burr

Von: Annalena Sieß

Von: Annalena Sieß

Weil sie es besser wissen,
und glockenhell lachen
wenn ihre Lichter
grelle Punkte
über die Oberfläche
flimmern und tanzen lassen.
Verirren lassen.

Sieh, das ist!
Dein Traum.
Den du liebtest.
Den du lebtest.
Den du alle Zeit verehrtest.

Von: Anne-J. Koller

Von: Anne-J. Koller

Nun heb den Blick,
Nun heb die Sinne,
Sieh deinen Traum,
deine Kugel aus Glas.

Von: Justina Berns

Von: Justina Berns

Jetzt hältst du sie in Händen.
Eine Kugel aus Glas.
Gebunden an die Zeit.
Niemals für die Ewigkeit.
Zerbrich sie!

Warum diese Texte und Bilder?

Über mich – aktualisiert II

Ich möchte gerne aus einem Gespräch mit einem Arbeitskollegen zitieren, das in gewisser Weise bezeichnend für viele Begegnungen mit meinen Werken ist: „Wenn ich zuerst deinen Blog gekannt hätte, dann hätte ich einen großen Bogen um dich gemacht.“
Ich weiß und hatte Gelegenheit mich daran zu gewöhnen, dass die Farbe Schwarz bei vielen Menschen eine instinktive Abneigung hervorruft. Trotzdem finde ich es immer wieder schade, wie schnell manchmal zur Seite gelegt wird, was uns auf den ersten Blick unbequem erscheint.
Als ehemalige Schülerin bin ich kein Freund davon, den Lesern Interpretationen aufzuzwingen. Aber ich möchte eine Einladung aussprechen. „Auch ein Himmel voller Sterne ist schwarz“ und oft lohnt es sich, länger und genauer hinzusehen.
Wenn man sich an die Dunkelheit bei Nacht gewöhnt hat, dann sieht man nicht nur mehr Sterne, man sieht auch, dass sie Farben haben. Hast du es schon versucht?

Das Wesen des Unklaren

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Ohne Titel (1895)

Durch dieses Land streifte er
Wie ein Geist von Tür zu Tür;
Seine Hände umklammerten eine Laute
Und ließen süß sie klingen;

In seinen verträumten Melodien
Konntest du wie einen Sonnenstrahl
Die Wahrheit selber spüren
Und auch himmlische Liebe.

Die Stimme ließ manches Herz schlagen,
Das zu Stein geworden war;
Sie erleuchtete manchen Geist
In entlegenster Dunkelheit.

Doch statt Verherrlichung,
Wo immer die Harfe gespielt wurde,
Bot der Pöbel dem Geächteten
Ein mit Gift gefülltes Gefäß…

Und sprach zu ihm: >>Trink, o Verfluchter,
Dies ist deine Bestimmung!
Wir wollen deine Wahrheit nicht,
Noch deine himmlischen Melodien!<<

Quelle: Niemals eine Atempause – Handbuch der politischen Poesie im 20. Jahrhundert; von Joachim Sartorius; Autor des Gedichts: Josef Stalin (1878-1953).