User-Voting Eine Welt Song

Das User-Voting für den Wettbewerb “Dein Song für eine Welt” läuft noch bis zum 26. August um 12:00 Uhr. Jugendliche und junge Erwachsene haben dort Musikstücke zum Thema “Eine Welt” eingereicht. Aktuell können Zuschauer noch für ihre Lieblingslieder abstimmen. Die Adresse dafür ist: www.eineweltsong.de/voting
Abgestimmen könnt ihr per e-Mail oder übers Handy für beliebig viele Stücke. Um die Songs meiner Band Cataract of Dreams zu finden, einfach nach Cataract suchen.

Mit einem Satz I

Für den Auftritt von Cataract of Dreams Ende Juli habe ich ein neues Konzept Ansagen versucht. Gegen meinen Widerwillen habe ich versucht, den Inhalt unserer Stücke in jeweils einem Satz zusammenzufassen. Dies habe ich insbesondere getan, ohne mir meine Behind the Lyrics Interpretationen noch einmal durchzulesen. Da sich die Bedeutungen von gedichtartigen Texten aber nicht nur je nach Mensch, sondern auch je nach Tagesform unterscheiden können, würde ich diese Sätze gern der Behind the Lyrics Reihe hinzufügen. Vielleicht eröffnen sie noch den einen oder anderen neuen Aspekt dieser Texte. Außerdem sind natürlich einige Songs dabei, für die es noch keine ausführliche Interpretation gibt.
Bitte umblättern 😉

Atme im Leben

Dies ist das Gefühl
dass alles schon gewesen ist
und wir nur noch leben müssen
neu erleben dürfen

Die ganze Nacht daliegen
nicht schlafen
Der quälende Hunger
nach Frühstück
nach Aufstehn
nach Mehr
nach Singen!

Adrenalin in den Adern
Vorfreude zittert in den Fingern
Die Uhr bleibt stehen
und ich warte auf den Morgen
auf Gesang!
auf Musik!

Stehe Mittags auf dem Gang
Da mischen sich Klänge
aus fünf verschiedenen Zimmern
zu fünfzig verschiedenen Liedern
Schaffen unsere eigene Welt

Hier will ich bleiben
Hier bin ich glücklich
Musik in den Adern
Gesang zittert in den Fingern

Weil hier alles vibriert
Weil man hier noch spürt
dass die Welt am Leben ist

Moondance – Lyrics

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Verträumt, naiv und glücklich

Inzwischen weiß ich nicht mehr genau, wie wir eigentlich darauf kamen, doch vor einiger Zeit beschlossen wird als Band, einen Cha-Cha-Cha zu schreiben. Es war eines dieser Stücke, bei denen Johannes und Axel eine großartige Idee hatten. Doch bei keinem anderen Stück bisher fiel es mir so schwer, Text und Melodie dafür zu entwickeln. Beim Hören der Musik fixierte ich mich automatisch auf den typischen Cha-Cha-Cha Rhythmus und war dann nicht mehr in der Lage, mir einen halbwegs flüssigen Gesang dazu vorzustellen. Ich fing an, mir bekannte Stücke dieser Tanzmusik anzuhören, um Ideen zu bekommen, aber es half nicht viel. Am Ende schrieben wir den Gesang gemeinsam.
Was den Text angeht, baute ich auf der Grundlage einer etwas älteren Idee von mir, die sich jetzt im Refrain wiederfindet. „This is a world for gods and for angels“ (Dies ist eine Welt für Götter und Engel). Einer dieser Sätze, die einem irgendwann unterwegs mal einfallen und sich in dem Moment wirklich gut anhören. Ich schreibe sowas meistens auf, falls es irgendwo mal dazu passt.

Moondance ist einer meiner seltenen Versuche einen Text zu schreiben, der sich selbst nicht ganz ernst nimmt. Oder vielleicht sollte ich besser sagen: Der die Realität nicht ganz ernst nimmt. Moondance ist ein bis ins Surreale überspitzter Wunschtraum. Man kann das sicher anders sehen, doch für mich soll das Stück keine Bitterkeit darüber ausdrücken, dass dieser Traum nicht real sein kann. Ich sehe es eher als eine Motivation so schön zu träumen, dass das Bedürfnis entsteht, die Realität an diesen Traum anzunähern.
Als Motiv habe ich mir das Gefühl eines spontanen und intensiven Verliebtseins gesucht. Ein Gefühl, das einfach nur den Moment genießen möchte und sich keine Sorgen darüber macht, was als Nächstes passiert. Eine Nacht, in der ein Mensch einfach entscheidet, dass er jetzt ein paar Stunden einfach nur glücklich sein wird.

Einmal umgab das Blau meinen Weg.
Ich ging aus, mit meinen Freunden, doch ich fühlte mich noch immer allein.
Unsicher wohin ich gehen sollte, endete ich an einer Bar,
wo mir ein Fremder zulächelte.
Doch ich war mir sicher, dass er betrunken war.

Vielleicht ist die erste Strophe in diesem Stück diejenige, die die meiste Erklärung braucht, denn an einer Stelle ergibt der Text möglicherweise mehr Sinn mit meinem Einstellungshintergrund, der erfahrungsgemäß den meisten anderen in dieser Form fremd ist. Ich spreche hier von dem letzten Satz.
Es ist kein Geheimnis, dass ich oft Stücke schreibe, in denen ich mich mit den Protagonisten identifizieren kann. Da ich selbst keinen Alkohol trinke, stelle ich mir in diesem Fall auch das lyrische Ich an dieser Stelle nüchtern vor. Dann, nach einem enttäuschenden Abend mit Freunden, trifft sie diesen Mann, der sie anzieht und fasziniert:

Kennst du das Gefühl jemanden zu lieben,
den du nicht einmal kennst?

Doch er war betrunken. Dieses „Aber“ steht dort nicht zufällig. Bei Menschen, die mit etwas bedeuten, versuche ich meistens Situationen zu vermeiden, in denen sie Alkohol trinken. Gegenüber Angetrunkenen und Betrunkenen fühle ich mich oft verunsichert. Ich habe das Gefühl, nicht einschätzen zu können, was ihres Verhaltens ehrlich und was nur durch den Drogenkonsum motiviert ist. Daher ist Moondance ein ungewöhnliches Stück in dem Sinne, dass sich das Verhalten des lyrischen Ichs sehr von meinem eigenen unterscheidet: Der Zustand ihres Gegenübers stört sie im ersten Moment, aber dann geht sie darüber hinweg und beginnt, mit ihm durch die Nacht zu wandern. Eine Entscheidung, die ich so vermutlich nicht getroffen hätte.

Wir schlenderten durch das Dunkel, unser Weg führte uns höher.
Bald ließen wir die Gehwege zurück, um uns zu verstecken.
Wenn die Welt sich zur Ruhe legt direkt vor unseren Augen
und du mir einen Wunsch versprichst,
fällt die Sternschnuppe bereits vom Himmel
um mir zu garantieren, dass mein Wunsch wahr werden wird.

Wir saßen dort bis zum Morgen. Unser Lachen wurde müde.
Wir beobachteten beide den Stern, der den Horizont erkletterte.
Als die Welt von der Ruhe erwachte, direkt vor unseren Augen,
wünsche ich mir, dass du niemals gehst.
Du versprachst, mir die Erde und den Himmel zu zeigen
und mit mir um die Welt zu reisen.

Dies ist die von uns gewählt Variante, geradezu klischeehaft schöne Bilder zu beschreiben: Die beiden sitzen auf einem Aussichtspunkt oder einem Dach und sehen zu, unbeobachtet von allen anderen, wie über der Stadt die Sonne aufgeht. Sie haben stundenlang geredet und gelacht. Jetzt gibt es nichts mehr zu sagen, beide sind müde, doch es ist nicht schlimm.

Manchmal entwickeln Kunstwerke eine Art Eigenleben. Gerade dachte ich, dass es spannend wäre, die Perspektive des Mannes in diesem Stück zu kennen. Aber weniger in dem Sinne, dass ich diese Perspektive schreiben sollte. Ich würde seine Sichtweise gerne lesen. Vielleicht geschrieben von jemandem, der ihn besser versteht als ich.

Er versprach mir Sterne, versprach mir Wunder.
Dies ist eine Welt für Götter und Engel.
Heute glaube ich, dass was immer er sagt,
schon am nächsten Tag wahr werden wird.

Er versprach den Mond. Dann schien der Mond.
Er versprach mir Sterne. Die Sterne werden beginnen zu fallen,
weil ich glaube, dass was immer er sagt
schon am nächsten Tag wahr werden wird.

Dieser letzte Refrain ist für mich der wichtigste. Der Glaube (nicht zwangsweise im Sinne einer Religion) und unsere Träume können die Welt und die Menschen verändern. Die beiden stärken sich gegenseitig. Indem sie an ihn glaubt macht sie es ihm leichter, tatsächlich perfekt zu sein. Andererseits kommen wir hier auch wieder zu der Überschrift dieser Interpretation zurück. Anstatt in diesen letzten Sätzen eine Machtzuweisung in unsere Träume zu sehen, können wir sie auch als absoluten Höhepunkt der Surrealität betrachten. Dann wird unsere ganze Geschichte zu einer, in der wir bewusst naiv und realitätsfern sind. Anstatt sie zu verändern, können wir die Welt auch schön träumen. Und seien wir ehrlich: Letzteres ist der leichtere Weg.

Erinnert ihr euch an das Ende der Interpretation von Origami Heart letzte Woche? Dort habe ich gesagt, dass ich glaube, dass positive Begegnungen Menschen heilen können. Die Geschichte in Moondance könnte eine solche Begegnung sein.

Origami Heart – Lyrics

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Zerbrochen, noch nicht zerrissen?

Die Idee zu Origami Heart entstand nach einem Abschied. Das Ende der Freundschaft war absehbar gewesen, aber zu wissen, was auf einen zukommt, schützt nicht immer vor den Folgen. Trotzdem handelt das Stück für mich nur auf der ersten Ebene von der Trennung an sich. Es geht vielmehr auch um die menschliche Fähigkeit, sich selbst zu heilen. Diese Heilung beginnt oft unmerklich und vieles davon läuft von allein, getreu dem Ausspruch: „Zeit heilt alle Wunden“.
Doch Zeit kann nur heilen, wenn wir es auch zulassen. Nach schmerzvollen Erfahrungen bemerke ich häufig, dass ich gar nicht möchte, dass sich die Lücke wieder schließt und alles wie früher wird. Schließlich ist in meinem Leben etwas geschehen, das mich verändert hat. Und diese Veränderung möchte ich zulassen. Einfach weitermachen und so tun als wäre alles wie immer, kommt dann für mich nicht in Frage. Davon möchte Origami Heart erzählen: Von den Veränderungen, die ein Mensch in sich zulassen muss, bevor er schließlich heilen kann.

Tatsächlich ist die Kunst in jeder ihrer Formen etwas, das mir immer wieder hilft, solche Heilungsprozesse abzuschließen. In Texten und Musik kann ich erkennen, manchmal erst im Nachhinein, was ein Erlebnis mit mir gemacht hat. Bin ich an einem Punkt angelangt, an dem mir das Ergebnis dieser Veränderung gefällt, kann ich es zur Seite legen und zulassen, dass der Platz von etwas Neuem eingenommen wird.

Das Stück beginnt zwar mit dem Refrain, dieser ist jedoch eigentlich ein Vorgriff auf das Ende der Geschichte, sodass es mir sinnvoller erschien, die Betrachtung des Textes in der ersten Strophe zu beginnen:

Als ich mich das erste Mal verliebte
opferte ich ein besonderes Geschenk:
Mein Herz, gemacht aus solidem Stein
und besetzt mit Edelsteinen aus meinem Stolz.
Nun ist alles, was im Inneren zurückgeblieben ist,
das Papier, das um das Herz gewickelt war,
das einst mir gehörte.

Die Geschichte beginnt mit der Trennung und einer Erinnerung: In dem Willen, sich tief auf diese Beziehung einzulassen, hat sich unsere Protagonistin geöffnet und wurde enttäuscht. Die Ideale, dass Liebe etwas Perfektes und Unangreifbares ist, das über alles hinwegtragen kann, sind verschwunden. Zurückgeblieben ist das Gefühl absoluter Leere.

Jahrelang sagte ich zu mir:
Niemand auf dieser Welt darf jemals wissen,
dass ich das einzige verloren habe,
was ein anderer Mann lieben würde.
So versteckte ich Tag für Tag
das Geschenkpapier, das zu
einer herzförmigen Box gefaltet wurde.

Allzu oft habe ich den Eindruck, dass ein ehrlicher Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit in unserer Gesellschaft nicht gewünscht ist. Darauf unter anderem spielt der Beginn der zweiten Strophe an: Für ihre erste Beziehung hat unsere Protagonistin ihre aufgesetzte Stärke geopfert. Doch jetzt, wo ihre Liebe fort ist, weiß sie nicht wohin, mit dieser gerade entdeckten Zerbrechlichkeit.
Währenddessen hat in ihr der Heilungsprozess längst begonnen. Etwas in ihr versucht die Lücke zu schließen und imitiert das verlorene Steinherz.

Zeit kann nicht heilen was andauert,
aber wir schreiten voran, bevor wir brennen.
Die Papierschachtel in mir,
hat begonnen sich auszudehnen.
Nun weiß ich, eines Tages
wird sie ein Papierherz geformt haben,
gefärbt mit meiner Stärke.

Doch die Heilung kann nicht abgeschlossen werden. Die Geschehnisse werden für immer ein Teil unserer Protagonistin sein und ein zurückkehren zu ihrem Zustand vor der Beziehung wäre nichts als eine Illusion. Auf den ersten Blick ist vielleicht nicht eindeutig, was genau sich ändert. Noch immer ist in ihrem Herzen nichts als das Papier. Aber es versucht nicht länger eine leere Schachtel zu bilden. Es imitiert nicht länger den Zustand, in dem das Steinherz noch da war. Stattdessen wird es nun selbst zum Herz. An dieser Stelle schließt sich der Kreis und wir erreichen den Refrain zu Beginn des Liedes:

Eines Tages nahm ich ein Stück aus meiner Seele.
Ich faltete die linksseitige Rationalität
direkt hinein ins Unbewusste,
stellte es auf den Kopf.
Heute, wann immer ich am Abgrund bin,
breite ich meine Papierflügel aus und schreibe:
Solange du mich nicht zerreißt
habe ich ein Origami-Herz.

Das Origami Herz kann sich verändern und anpassen. Es wird sich verändern, mit jeder neuen (schmerzhaften) Erfahrung. Doch es wird bestehen.

Vor Kurzem machte mich ein Freund darauf aufmerksam, dass meine Vorstellung an diesem Punkt nicht ganz funktioniert. Er erinnerte mich daran, dass Origami, das einmal gefaltet wurde, in der Regel nicht umgefaltet werden kann. Es sieht furchtbar aus, lässt sich nicht mehr richtig neu falten und reißt irgendwann. Vielleicht müsste ich an dieser Stelle also ein Origami Heart II schreiben. Ein Lied, das davon erzählt, wie das Herzpapier durch Begegnungen erneuert werden kann. Im Moment ist kein solches Lied geplant, aber das Thema ist eines, das mich oft beschäftigt. Wir werden bestimmt irgendwann noch einmal darauf zurückkommen.