Auf der falschen seite der Haustür

Hab mich heute schick gemacht
Wofür?
Weiß ich nicht mehr…

Mir gegenüber
zwei Männer
Einer 20
Einer 40

Beide gleich
voneinander abgerückt

Beide mit Mützen
mit Kapuzen an den Westen
Leichten Windjacken
Einer mit Brille
Einer mit Kopfhörern
Beide mit Handy
Einer mit Bier
Ich mit meinem Salamibrot
Totes Tier
zwischen langkettigen,
verzweigten,
fest verknoteten
Kohlenhydraten…
…interessante Strukturen…
…Nahrungsketten

Hab mich heute schön gemacht
Für wen?
Weiß ich nicht mehr…

Mir gegenüber
zwei Männer

Beide gleich
abwesend

Der Eine gechillt
träumend
Musik hörend
leise singend
besoffen
schräg lächelnd
Füße auf dem Sitz
Schluck aus der Flasche
Stöhnen
Nase hochziehn
Augen zu

Bin heute lange Zug gefahren
Wohin?
Weiß ich nicht mehr…

Mir gegenüber
zwei Männer

Beide gleich
abgeschottet

Der Andere angespannt
arbeitend
aufs Handy tippend
leise fluchend
müde
Stirn in Falten
Hände verkrampft
Tasche an sich gepresst
Stöhnend
Böse Blicke
Augen weg vom Fenster
aufs Display

Noch ein Bissen
totes Tier
zwischen den Zähnen
Schau aus dem Fenster

Der Andere
wie ein Wiesel
nicht Bio
nicht artgerecht gehalten

Der Eine
unbeschreiblich
wie unter Drogen

Hab heute viel gedacht
Woran?
Weiß ich nicht mehr…

Mir gegenüber
zwei Männer
nebeneinander
steigen aus
gleichzeitig

Ich denke nach
welcher glücklicher ist
der Abgestürzte?
der Erfolgreiche?

Noch ein Bissen
ich sollte mich schämen
Denke an die Schule
ziehe die Nase hoch
lächle
und schreibe:
Schau aus dem Fenster
denke nach
und träume

Atme im Leben

Dies ist das Gefühl
dass alles schon gewesen ist
und wir nur noch leben müssen
neu erleben dürfen

Die ganze Nacht daliegen
nicht schlafen
Der quälende Hunger
nach Frühstück
nach Aufstehn
nach Mehr
nach Singen!

Adrenalin in den Adern
Vorfreude zittert in den Fingern
Die Uhr bleibt stehen
und ich warte auf den Morgen
auf Gesang!
auf Musik!

Stehe Mittags auf dem Gang
Da mischen sich Klänge
aus fünf verschiedenen Zimmern
zu fünfzig verschiedenen Liedern
Schaffen unsere eigene Welt

Hier will ich bleiben
Hier bin ich glücklich
Musik in den Adern
Gesang zittert in den Fingern

Weil hier alles vibriert
Weil man hier noch spürt
dass die Welt am Leben ist

Atem im Wind

Ausatmen
und die Luft
streicht durch die Glöckchen
fliegt zwischen ihnen hindurch
tönt wie ein Lufthauch
im fernen Wald.
nichts regt sich.

Einatmen
und der Lufthauch
im fernen Wald
warm und eisig
unmerklich auf der Haut
tönt in den Blättern
wie eine ferne Straße
fegt sie hinab in mein Haar.
nichts regt sich mehr.
kahle Bäume,
rote Blätter.
strahlend vor einem schwarzen Himmel.

Ausatmen
und über die ferne Straße
tobt der Wind wie ein Sturm
umfliegt die Brückenpfeiler
steigt in schwarzer Nacht
eine Treppe empor
um dort oben auf der Straße
mit Ästen und Steinen zu spielen.
er schlägt sie ans Metallgeländer.
die letzte Stütze
vor dem Abgrund
singt klagend
wie ein ferner Glockenschlag.

Einatmen
und irgendwo in der Ferne
streicht der Wind durch Glöckchen
fliegt zwischen ihnen
und durch sie hindurch.
dann klingt
ein Windspiel im Wind.
und mein Herz regt sich.

Ausatmen.

7 Jahre später

Die Gedichte aus Mein schwarzes Herz

Es ist inzwischen, ich kann es selbst kaum glauben, 7 Jahre her. 2012 (mit 16) schrieb ich das letzte der Gedichte, die in meinem ersten Sammelband unter dem Titel Mein schwarzes Herz veröffentlicht wurden. Das Buch erschien 2016 und schon damals waren es Gedichte aus meiner Vergangenheit. Doch gerade auch das Alter dieser Texte ist es, weshalb ich sie manchmal noch immer gern zur Hand nehme, um ein wenig über mich selbst zu lernen und zu beobachten, was sich seitdem verändert hat und was nicht.
Anlässlich der Veröffentlichung meines zweiten Gedichtbands habe ich mich entschieden, die Gedichte von damals nun nacheinander hier auf dem Blog zu veröffentlichen. Jeden Freitag Abend um 19:00 Uhr wird es eines davon geben. In alphabetischer Reihenfolge, wie sie auch im Buch stehen.
Diese Veröffentlichung wird dauern, fast zwei Jahre. Denn wenn ich mich richtig entsinne enthielt Mein schwarzes Herz zwischen 80 und 90 Gedichte und ein Jahr hat schließlich (nur?) 52 Wochen. Ich bin gespannt, was sich in dieser Zeit noch alles ändern wird. Starten wir also mit allerbesten Vorsätzen in den #Mein_schwarzes_Herz .