Behind the Lyrics II

Hallo 😊
Im vergangenen Monat habe ich meine #Behind_the_Lyrics Serie begonnen, in der ich meine persönliche Interpretation der Liedtexte von Cataract of Dreams „zu Papier“ bringe.
Für den ersten Teil hatte ich mir vier Stücke ausgesucht, die für mich auf verschiedene Arten mit der Entstehungszeit unserer Band verknüpft sind.
Der zweite Teil ist nun überschrieben mit EinBlick auf Beziehung. Er konzentriert sich auf vier Lieder, die Freundschaften und Liebesbeziehungen aus unterschiedlichsten Perspektiven behandeln. Den ersten der Beiträge gibt es nächsten Montag.
Die Beiträge gibt es wieder unter dem #Behind_the_Lyrics:

http://www.kath-east.de/tag/behind-the-lyrics/

Viel Spaß beim Lesen! 😊

P.s: Veröffentlicht werden die Beiträge nacheinander, immer montags um 19:00 Uhr.

Aufnahmen vom Wüste Welle Auftritt

Es hat mal wieder länger gedauert als gedacht ;), aber jetzt ist es soweit: Meine Band Cataract of Dreams teilt mit euch die schönsten Aufnahmen unseres Live Auftritts beim Tübinger Lokalradio “Wüste Welle”.
Ab heute gibt es jeden zweiten Tag einen neuen Song auf YouTube. Darunter auch einige, die noch nicht auf unserem Demoalbum waren. 😉

Zu der YouTube Playlist der Live Aufnahmen

Nochmal als Erinnerung: Die ganzen Links zu unserer Musik gibts auch ganz oben auf dieser Seite unter der Seitenbeschreibung 😉

Emperor of the Sun – Lyrics

LINK zum Lied
LINK zum englischen Text

Ich halte ein Versprechen

Am Beginn jeder Bandgeschichte steht eine, in dem Moment gefühlt sehr prägende, Entscheidung: Die Suche nach dem richtigen Namen. Welche Kriterien muss ein guter Name erfüllen? Wie kommt man an geeignete Vorschläge und wer darf am Ende aussuchen? Als für uns diese Entscheidung anstand bestanden wir noch aus Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang. Wir alle hörten Metal in verschiedenen Variationen und Abstufungen und es war klar, dass wir einen Namen für eine Metalband suchten. Was mich persönlich betrifft, so war und bin ich noch immer ein halbwegs romantisch veranlagter Mensch. Hätte ich die Band im Alleingang benennen dürfen, so wäre vermutlich etwas furchtbar Kitschiges dabei herausgekommen. Insofern war es ganz gut, dass wir ein durchgehend demokratisches Verfahren zur Namensfindung verwendeten.
Im ersten Schritt sammelten wir Vorschläge. Ich weiß nicht mehr, wie lang die Liste war, die wir zusammenbekamen, aber sie war lang. Dann durfte jeder die Namen streichen, mit denen er überhaupt nicht leben konnte. Was übrig blieb waren noch zwei getippte A4 Seiten, die wir anschließend in mehreren Abstimmungsrunden auf drei Vorschläge reduzierten. (Ein Name auf der langen Liste war übrigens auch eine Variation von „River’s End“). Unter diesen dreien wurde dann ein letztes Mal abgestimmt. Wir sind uns nicht mehr sicher, welches der dritte Vorschlag war. Doch am Ende der letzten Abstimmung hatten „Emperor of the Sun“ und „Cataract of Dreams“ die meisten Stimmen. „Emperor of the Sun“ lag vorne. Ich allerdings fühlte mich mit dem Namen nicht richtig wohl. Er schien mir etwas zu viel Macht auszustrahlen oder anders gesagt: Er klang für mich nicht sanft genug. Die anderen Bandmitglieder haben mir dann ein Veto gestattet und so wurde „Cataract of Dreams“ zu unserem Bandnamen. Einem unserer Gitarristen hatte „Emperor of the Sun“ damals besonders gut gefallen. Sozusagen als Entschuldigung dafür, dass ich den Namen abgelehnt hatte, versprach ich ihm, dass ich ein Lied mit „Emperor of the Sun“ als Titel schreiben würde. Darum war in dem Stück ursprünglich ein längeres Gitarrensolo eingeplant zwischen vorletztem und letztem Refrain eingeplant. Ich habe mein Versprechen zwar gehalten. Aber zu spät. Als Emperor of the Sun fertig war, hatte sich unsere Metalbesetzung bereits aufgelöst und der Gitarrist die Band verlassen.

Ein Gedicht zu einem vorgeschriebenen Thema zu schreiben, finde ich extrem schwierig. Ein Lied zu einem existierenden Titel zu schreiben ist leichter, aber immer noch nicht einfach. Mein erster Ansatz war zu überlegen, wer der Herrscher der Sonne überhaupt sein könnte. Letztendlich habe ich beide Gedanken, die ich dazu hatte, verbunden.
In der ersten Strophe geht es um einen wörtlichen Herrscher der Sonne: Einen Gott. Er hat eine Welt erschaffen. Doch als die Zeit vergeht und kein Mensch sich als würdiger Gesellschafter erweist, beginnt der Gott Einsamkeit zu spüren.

Er weiß, dass er für alle Zeit allein bleiben wird.
Nicht ein einziger Engel wurde geboren.

Je mehr Zeit vergeht, desto gleichgültiger wird er. Nicht nur gegenüber seiner Schöpfung, sondern auch gegenüber sich selbst.

Blut fließt durch sein Herz, Gleichgültigkeit zerreißt ihn.

Er weiß: Wenn er die Welt vernachlässigt wird selbst die Sonne, die er als endlos leuchtend erdachte hatte, irgendwann ausgehen und nicht nur das Universum, sondern auch den Herrscher selbst in Dunkelheit zurücklassen.

Er weiß, dass die Dunkelheit kommen wird.
Seine Stille Hoffnung – Sie ist schon fort.

Doch am Ende gibt er trotzdem auf und seine Macht verschwindet mit der verlöschenden Sonne.

Da gab es einst ein junges Licht, einen Gedanken
und den Herrscher der Sonne.
Doch nun ist die Ewigkeit gekommen.

Den Herrscher in der zweiten Strophe muss man etwas länger suchen. Tatsächlich ist Herrscher der Sonne hier eher eine Beschönigung. Der Text erzählt hier von einem Soldaten, doch der glorreiche Teil der Geschichte wird nicht erzählt. In meiner Vorstellung zog er als Teil einer großen Weltmacht in den Krieg. Doch das Lied berichtet nur von seinem Fall in den Abgrund des Krieges, in dem er alles verloren hat.

Er wusste, der Krieg würde seinen Verstand brechen.
Sein Letzter Wille war schon unterschrieben.

Er wusste, er würde für alle Zeiten allein bleiben.
Seine Liebe starb im Feuersturm.

All die Sorgen, die er verursachte…

Doch all die Schrecken liegen bereits in der Vergangenheit. Die Schlacht verläuft nicht, wie es gedacht war und um nicht besiegt zu werden, wird eine Militäraktion geführt, die für diesen Soldaten die letzte werden soll.

Um der Hölle eine weitere Nacht zu entkommen,
wurden Truppen entsendet und ein weiterer Kampf erzwungen.
Blut floss durch seine Hände,
Angst schwächte ihn, er konnte es nicht ertragen.

Im Moment seines Todes taucht eine Erinnerung auf, die er verdrängt hat:

Es ist die letzte verborgene Erinnerung:
Junges Kind liegt tot unter den Bäumen.

Da gab es einst ein junges Licht, ein Leben

Es bleibt offen, ob es sein Kind ist, das tot unter dem Baum liegt und/oder ob er es getötet hat. Und auch das verlöschende Leben, um das im Refrain getrauert wird bleibt etwas im Unklaren. Das „jung“ könnte darauf hindeuten, dass es das des Kindes ist. Doch ebenso gut könnte es sein eigenes sein.

Der letzte Refrain steht in diesem Kontext etwas allein. Der Text entfernt sich immer weiter von einem konkreten Herrscher der Sonne. Am Ende geht es um das Gefühl, das ich mit „Emperor of the Sun“ verbinde: Auf einem Berg stehen und sehen wie die Sonne in nebelertränkten Tälern aufgeht, während ein warmer Wind weht. Anders gesagt: Einfach das Gefühl haben, dass die Welt nur für uns ganz allein wunderschön ist. Im letzten Refrain steht der Gedanke, wie viel länger ein solches Hochgefühl andauern kann, wenn nicht versucht wird, es mit Gewalt zu vergrößern oder für einen allein zu beanspruchen.

Wir wissen, dass die Ewigkeit kommen wird.

River’s End – Lyrics

LINK zum Lied
LINK zum englischen Text

Eine schwierige Ballade

Zu River’s End sei zunächst gesagt, dass ich nach Bild einer Stadt eigentlich keinen Liedtext mehr allein geschrieben habe. Unser Schlagzeuger und ich schreiben gemeinsam, sodass jeder Text am Ende wenigstens zwei Leuten gefällt. Diese Art zu schreiben ist unglaublich hilfreich, um andauernde Wiederholungen von Stilen und Bildern zu vermeiden. Außerdem bewahrt sie mich davor, allzu sehr ins kitschige abzudriften. Hier zeigt sich auch eine grundlegende Charakteristik von Gedichten und verwandten Textarten: Obwohl wir gemeinsam schreiben und über verwendete Metaphern diskutieren, sind wir am Ende nicht immer ganz einer Meinung, was das gewählte Bild nun bedeutet. Aber das nur als Randnotiz.
River’s End zu schreiben war deutlich weniger spontan, als dies bei vielen anderen meiner Texte der Fall ist. Mit der Flüchtlingsdebatte überall um uns herum, hatten wir den naheliegenden Gedanken, ein Lied zum Thema Flucht zu schreiben. Es sollte aber kein politisch geprägtes Stück werden. Stattdessen wollten wir die emotionale Perspektive eines Fliehenden einnehmen. Mit der Umsetzung dieser Idee haben wir es uns nicht leicht gemacht. Uns war bewusst, dass wir nicht in der Position sind, die Situation eines Flüchtlings wirklich zu verstehen. Wir versuchten, eine Geschichte über etwas zu schreiben, von dem wir nur Geschichten kannten. Dabei wollten wir unter keinen Umständen respektlos gegenüber denen sein, die diese Realität erleben und erlebt haben, indem wir Geschehnisse in unserem Unwissen über- oder unterdramatisieren.
Im Ergebnis ist River’s End dadurch weniger emotional, als ich es mir am Anfang vorgestellt hatte. Es hat sich von der Komplexität der Erlebnisse ein wenig gelöst und konzentriert sich auf Erfahrungen, die jeder von uns wahrscheinlich schon gemacht hat: Loslassen müssen und hoffen. Und trotz unserer anfänglichen Absicht neutral zu bleiben, enthält es am Ende doch noch eine Aufforderung an uns alle.

Flammen entzünden die Tage.
Sie waren blind für die Funken.

Es sind stellvertretende Flammen für alles, was ein Leben so sehr aufrütteln kann, dass es aus den Fugen gerät. Es sind nicht nur Kriege und Naturkatastrophen, manchmal reicht schon der Verlust einen Arbeitsplatzes. Überraschend und zur falschen Zeit. Es kann überall passieren. Auch hier.
Die Menschen, die die Funken nicht sehen, sind nicht die Betroffenen, sondern diejenigen, die das Feuer gelegt haben. Unwissentlich oder mit geschlossenen Augen.

Dürrer Mann, der uns Traurigkeit und Angst anbot
bringt uns dazu, nach einem neuen Zuhause zu suchen,
forderte alles für seinen Thron.
Da gab es nichts mitzunehmen, zu den Wellen,
außer einem hoffnungsvollen Abschied und meinem Leben.

In der ersten Fassung des Textes hieß es nicht „dünner Mann“ (Thin man), sondern einfach „seltsamer Mann“ beziehungsweise Fremder (Strange man). Diese Textstelle wurde so spät geändert, dass ich mich bis heute auf der Bühne regelmäßig dabei erwische, dass ich „strange“ singe, während ich den Rest des Liedes eigentlich fehlerfrei auswendig kann. Dieser Mann ist das Gefühl, wenn einem plötzlich alles entrissen wird, was man aufgebaut und erarbeitet hat, sodass außer einem Neuanfang nichts übrigbleibt. In diesem Sinne löst sich River’s End von dem Gedanken der Flucht und begleitet jeden, der im Leben viel verloren hat.

Ich werde Briefe und Tränen meiner Kinder und Freunde mitnehmen,
zu dem Ort, an dem der Fluss endet.

Briefe und Tränen oder auch Erinnerungen und das Wissen, vermisst zu werden.

Eines Tages wünscht es sich, zurückzukehren,
zu dem Ort, an dem es alle seine Liebe zurückließ,
in einem Moment aus Hoffnung und Abschied.

Egal wie es dazu kommt: Was kann schlimmer sein, als geliebte Menschen zurücklassen zu müssen? Sie zurückzulassen, weil man sie liebt?

Nun haben wir eine Zukunft zu bauen.
Hätten wir keine übereinstimmenden Narben gefunden…
unsere Welten würden getrennt bleiben.

Es ist kein einfacher Zugang zu einem Menschen. Doch wenn er gelingt, kann er sehr tragfähige Verbindungen bauen: Gemeinsam erlebte oder gegenseitig verstandene schmerzhafte Erlebnisse. So unterschiedlich Kulturen und die einzelnen Menschen darin auch sind: Unsere Antriebe, Ängste und unsere Verletzlichkeit sind einander sehr viel ähnlicher, als wir uns oft eingestehen wollen.
Die Menschheit hat nicht nur in der Natur, sondern auch in der weltweiten Gesellschaft Entwicklungen angestoßen, die wir nicht einfach zurücknehmen können. Ich halte es für möglich, dass wir auch von manchen der uns vertrauten Strukturen und Gewohnheiten Abschied nehmen müssen. In der Hoffnung, dass unser Weg beinahe ein Rundgang ist, der uns wieder zu diesen Strukturen zurückführt. Sobald wir gelernt haben, wie wir sie verbessern können. Je früher wir anfangen darüber nachzudenken und uns bewusst zu ändern, desto schneller und schmerzloser könnte diese „Reise zum Ende des Flusses“ wieder vorbeigehen.
Das ist die Hoffnung, die uns oft weitermachen lässt: Dass wir zum Guten zurückkommen, wenn wir nur weit genug vorwärts gehen. River’s End hingegen endet mit einer der größten Ängste: Irgendwann anzukommen und festzustellen, dass der Weg nicht im Kreis geführt hat und dass ein Neubeginn nur möglich ist, wenn wir unsere Vergangenheit zurücklassen.

Nur Briefe und Tränen von meinen Kindern und Freunden
finden den Ort, an dem der Fluss endet.

Song of Sorrow – Lyrics

LINK zum Lied
LINK zum englischen Text

Erinnerung an Metal

Bei beinahe jedem Auftritt erzähle ich die Geschichte von den Anfängen von CatoD als Metalband. Die meisten von euch wissen inzwischen, wie unsere Band anfing: Schlagzeug, zwei Gitarren, ein Bass, Gesang und der Traum, irgendwann eine Metalband zu haben. Im Nachhinein bezweifle ich, dass wir uns jemals auf eine Sorte Metal hätten einigen können. Schon meine Vorliebe für Nightwish und Verwandte, hätte sich auf Dauer nur schwer mit folgender scherzhaften Aussage eines meiner Kollegen in Einklang bringen lassen: „Mit einem Keyboard spiel ich aber nicht in der Band!“ Ihr alle wisst, dass es mit der Metal Band dann auch nicht lang gehalten hat.
Wieso erzähle ich das jedes Mal bevor wir Song of Sorrow spielen? Dafür gibt es zwei Gründe:
1) Ich bin nicht besonders gut darin, mir Ansagen auszudenken. Lustige Texte passen nicht zur Musik und ohnehin könnte ich auf der Bühne niemals überzeugend Witze erzählen. Spontan irgendwas zu reden, das sich anfühlt, als würde es lohnen gehört zu werden, ist aber auch nicht mein Fall.
2) Song of Sorrow fällt selbst in unserer Musik ziemlich auf und ich glaube, ich habe aus irgendwelchen Gründen das Gefühl, mich dafür rechtfertigen zu müssen. Übertrieben gesprochen habe ich Albträume davon, dass wir Song of Sorrow spielen und währenddessen das Publikum den Saal verlässt. Denn obwohl Song of Sorrow aus unseren Metalband-Zeiten stammt, ist auch vielen Metalfans die Kombination aus hohem Beinahe-Sprechgesang und harten Riffs auf dem Keyboard etwas zu abwegig. Wieso spielen wir das Stück trotzdem?

Song of Sorrow wurde zwar in der alten CatoD Besetzung begonnen, dort aber nie vollständig zu Ende geschrieben. Dann waren wir plötzlich nur noch zu dritt (Keyboard, Schlagzeug, Gesang). Wir begannen, uns aneinander und an das gemeinsame Liederschreiben heranzutasten. Was schien da naheliegender, als erstmal das umzuschreiben (Bild einer Stadt) und fertig zu schreiben (Song of Sorrow), was es schon gab? Und es hat Spaß gemacht. Song of Sorrow zu singen macht mir Spaß. Trotzdem gebe ich gern zu, dass es sich von einem Mann und mit gutturalem Gesang sicher deutlich beeindruckender anhören würde. Sollte unser Programm jemals zu lang für unsere Auftritte werden, so wird Song of Sorrow wohl als eines der ersten Stücke auf die Ersatzbank rutschen müssen. Ein Grund mehr, es bis dahin jedes Mal zu genießen. 😀

Kommen wir zum Text.
Er beginnt mit Dunkelheit und Licht (natürlich nicht ganz so viel Licht wie Dunkelheit) und Drama. Wirklich interessant wird es in der dritten Zeile:

Jetzt wünsche ich mir, eine Antwort darauf zu finden, weshalb wir alle sterben müssen.

Gemeint ist hier gar nicht so sehr das Sterben im körperlichen Sinne. Es bezieht sich eher auf das vergessen werden nach dem Tod. Also auf das Verschwinden jeder Erinnerung an das Leben, das man geführt hat.
In der vierten Zeile verwirrt wohl vor allem die Wahl der Pflanze. Wieso Ringelblumen?

Unsere Ringelblumen verwelken noch während wir am Leben sind.

Was mir auch erst bei der Recherche für das Lied klar wurde: Ringelblumen (engl. Marigold – Mariengold) haben eine Vielzahl symbolischer Bedeutungen und sind unter anderem auch Friedhofsblumen.

Alles was wir immer hören wollen ist, wie schön wir sind,
während die Grazie der Welt in stummen Ängsten verloren geht.

Auch sehr blumig ausgedrückt, aber die Botschaft ist klar: Anstatt uns darum zu kümmern, dass wir in unserem gesellschaftlichen Umfeld gut dastehen, sollten wir uns etwas mehr darum kümmern, was diese Gesellschaft eigentlich belastet. Und dabei besonders achtgeben auf das, was uns nicht sofort ins Auge springt.

Nun sind wir an die Erwartung gebunden, dass ein Erbe gemacht ist, um zu überdauern
und weinen uns selbst in den Schlaf, während wir Träume in der Ferne verstecken.

Oder anders ausgedrückt: Wir sollten unsere Träume leben, solange wir sie haben, anstatt Besitz anzuhäufen, der uns irgendwann nichts nützen wird. Ja, das klingt ein wenig nach einem
Bibelgleichnis. Und ein bisschen nach Bild einer Stadt. 😉

Wir schlafen ein…
und im Spiegel meiner Träume sehe ich, dass Geschichten immer enden.
In mir selbst verloren hoffe ich, dass ich heute in deinen Augen sehe,
dass du kommst, um mein Leben zu verschonen.
Komm und bewahre mein Leben tief in deinen leeren Augen.

Am Ende müssen wir ja doch alle sterben. Und ich hoffe, dass du dich an mich erinnern wirst.
Ein guter Freund von mir hat vor Jahren in der Schülerzeitung unserer Schule ein Gedicht veröffentlicht, an das er sich wahrscheinlich schon fast selbst nicht mehr erinnert. Darin, wenn ich mich richtig erinnere, lautete eine Zeile etwa: „Ich warte auf Interesse an mir“. Das trifft für mich die Metapher der leeren Augen sehr gut und erklärt auch den nächsten Satz:

Was wir niemals verstehen werden: Höflichkeit wird immer lügen.
Die Worte eines Fremden überdauern nur so lange, wie die Wahrheit sie an Herzen bindet.

Oder etwa, als lyrisches Ich gesprochen: Es ist nett, dass ihr höflich und nett zu mir seid. Doch ich warte auf jemand, der echtes Interesse an mir hat.

Nun kennst du des Rätsels Ende, weshalb wir alle sterben müssen.

Aber:

Du wirst kommen und mein Leben bewahren. Noch einen weiteren Tag.

Bild einer Stadt – Lyrics

Zwei kleine Anmerkungen vorweg: 1) Der deutsche Liedtext ist auf der zweiten Seite
2) Falls ihr den Beitrag über die #Behind_the_Lyrics Seite aufruft und euch die Schrift zu klein ist: Wenn ihr auf den Titel des Beitrags klickt wird die Schrift größer. 😉

LINK zum Lied

Ein Text für einen Traum

Bild einer Stadt ist nicht nur das erste Stück der Reihe. Es fällt auch aus einem anderen Grund auf. 15 Lieder hat Cataract of Dreams bisher geschrieben. Bild einer Stadt ist aber noch immer das einzige, das einen deutschen Text hat. Woran liegt das?

Es ist kein Geheimnis, dass ich keine gut ausgebildete Sängerin bin. Ich spiele Trompete seit ich acht oder neun bin. Mit vierzehn schrieb ich meine ersten Gedichte. Doch ich habe nie Gitarre oder Klavier gelernt und gesungen habe ich, wenn überhaupt, im Schulchor.
Gegen Ende der Mittelstufe entdeckte ich dann, dass singen für mich doch mehr ist, als nur ein Hobby. Im Abiturjahr lernte ich den Schlagzeuger kennen, der heute noch mit mir auf der Bühne steht. Und als ich nach einem Auslandsjahr nach Deutschland zurückkam, stand für uns beide fest, dass wir eine Band brauchen.

Kein Instrument zu beherrschen, das mehr als einen Ton gleichzeitig spielen kann, ist für meinen Zugang zur Musik Segen und Fluch zugleich. Ein Segen, weil ich nie in Versuchung kam, mich beim Melodienschreiben auf bekannte Akkordmuster zu verlassen. Ein Fluch, weil es mir den Zugang zum Songwriting allgemein erschwerte. Daher besuchte ich schon vor der Bandgründung ein sogenanntes Songwriting-Seminar. Dauer: Ein Wochenende. Ich erhoffte mir kreative Ideen, wie man ohne den typischen Singer-Songwriter-Ansatz ein Lied schreiben könnte. Tatsächlich fragte ich extra nach, ob es nötig wäre, Gitarre spielen zu können. – Angeblich war es nicht nötig. Hochmotiviert und einigermaßen naiv kam ich dort an. Doch schon in der ersten Theoriestunde war klar, dass mich das nicht weiterbringen würde. Wir lernten die Standard-Theorie der Akkorde fürs Liederschreiben. Danach zogen sich alle anderen mit ihren Gitarren oder ans Klavier zurück und schrieben Stücke. Ich fühlte mich… irgendwie überflüssig.
Zu sagen ich wäre enttäuscht gewesen, trifft es nicht ganz. Bodenlos frustriert wäre eine bessere Beschreibung. Aber ich wollte unbedingt auch ein Lied schreiben. Also tat ich das einzige, von dem ich wusste, dass ich es halbwegs konnte: Ich schrieb ein Gedicht. Auf Deutsch, denn so war ich es gewohnt. Allerdings hatte dieses Gedicht Strophen und man konnte es auf einen Vier-Vierteltakt sprechen.

In Bild einer Stadt finden sich daher einige Thematiken wieder, die ich damals für mich mit Frustration verknüpft waren und mir in dieser Stimmung also automatisch in den Sinn kamen. Sie sind kurz und prägnant, wenig elegant ausgeführt. Die Metapher mit den Schildern in der Stadt hatte ich schon vor dem Seminar geschrieben. Sie war motiviert von meiner Lebenssituation nach dem Abitur: Alle Türen standen offen. Aber niemand konnte mir sagen, was mich am Ende glücklich machen würde.
In der Schule fiel ich dadurch auf, dass ich schon recht früh wusste, was ich später studieren möchte. Zu Beginn der elften Klasse sagte ich meinem Physiklehrer, er dürfe mir den Spaß an diesem Fach nicht verderben, weil ich später Physik studieren würde. Und genau das hab ich auch getan. Allerdings hatte ich auch das Gefühl, dass die glatten Übergange, von der Schule ins Studium und dann in den Beruf, kreativere Werdegänge etwas auf der Strecke lassen. Damit meinte ich damals gar nicht unbedingt künstlerische Berufe, sondern eher das Ausleben von kleinen Träumen und Hobbys.

Weil unser Blick immer vorwärts strebt
und jeder Traum einfach untergeht.

Viel schlimmer aber fand ich die Einstellung mancher Erwachsenen zum Thema Glück. Oder wenigstens meinen damaligen Eindruck ihrer Einstellung: Nämlich alle schönen Dinge im Leben aufzuschieben. Im Beruf ist keine Zeit, Karriere ist wichtiger. Aber wenn die Arbeit mal vorbei ist, hat man endlich Zeit für all das, was man sein ganzes Leben schon tun wollte… Vorausgesetzt, dass man so lange lebt.

Weil unser Glück in der Zukunft liegt.
Weil für uns „Jetzt“ keinen Sinn ergibt.

In der zweiten Strophe kommt dann noch die allgemeine Kritik daran, dass Kreativität nur anerkannt wird, wenn sie einem produktiven Zweck dient.

Weil Fantasie strukturiert sein muss
und jeder lebt – völlig unbewusst.

Der letzte Abschnitt der zweiten Strophe liest sich nicht besonders elegant. Mit der Formulierung „weil nette Worte so selten sind“, war ich nie wirklich zufrieden. Sie klingt etwas naiv. Damals fiel mir, ehrlich gesagt, einfach keine bessere Variante ein. Der Satz drückt aber zwei Meinungen aus, die ich bis heute im Wesentlichen genauso vertrete:

Weil niemand sich noch selbst erkennt
und nette Worte so selten sind.

Manchmal haben Menschen eine geradezu absurde Angst, sich einander zu öffnen. Als müssten wir uns für unsere Persönlichkeit schämen und sie deshalb hinter Konventionen verstecken. Wir alle wissen auch wie schön es sein kann, überraschend etwas nettes gesagt zu bekommen. Es mag komisch sein, wenn es von einem Fremden kommt, aber wir freuen uns darüber. Trotzdem lassen wir andauernd gute Gelegenheiten verstreichen, um einander ehrliche Komplimente zu machen oder unseren Beistand auszudrücken. Warum eigentlich?

Bild einer Stadt wurde auf dem Seminar dann doch noch vertont. Mit der Hilfe einer jungen Frau, der ich, glaube ich, vor allem leidgetan habe. Unsere erste Besetzung von Cataract of Dreams spielte dann eine leicht geänderte Version mit Gitarren. Danach wurde das Stück noch zweimal umgeschrieben. Einmal für die Besetzung nur mit Gesang und Klavier und dann noch einmal für Klavier und Trompete. So hat mein erster richtiger Liedtext die ganze Entstehungsgeschichte von CatoD begleitet. Würde man für den Achtzehnten Geburtstag dieser Band ein Bilderalbum anfertigen wollen, so wären die Liveaufnahmen dieses Stückes über die Jahre ein guter Anfang.

Behind the Lyrics

Hallo an Alle 😊

Als Sängerin von CatoD wurde ich privat schon mehrfach aufgefordert, in meinen Ansagen auch etwas zum Hintergrund unserer Liedtexte zu sagen. Allerdings finde ich, dass sich solche Textinterpretationen oft nur schwer in drei Sätzen unterbringen lassen. Von langen Ansagen wird erwartet, dass sie unterhaltsam sind. Wer abends weggeht, um Musik zu hören, hat verständlicherweise keine Lust, sich drei Minuten Vortrag zu Songtexten anzuhören.
Trotzdem will ich euch die Hintergrundgedanken zu unseren Texten natürlich nicht vorenthalten.

“Behind the Lyrics” soll eine Reihe von Blogbeiträgen werden – einen für jedes Lied, das wir bisher geschrieben haben. Darin werde ich meine persönliche Übersetzung des Liedtextes liefern. Ich werde euch erzählen, wie der Text entstanden ist und was wir uns dabei gedacht haben.
Die Posts werde ich unter #Behind_the_Lyrics veröffentlichen:

http://www.kath-east.de/tag/behind-the-lyrics/

Ich schreibe diesen Post nicht umsonst auf meinem privaten Blog. Was ich euch vorstellen möchte, ist meine persönliche Interpretation. Zwar bin ich von beinahe allen unserer Texte der Hauptautor, trotzdem entspricht meine Meinung in den Texten, als auch meine Meinung über die Texte nicht unbedingt der Meinung der anderen Bandmitglieder. Falls ihr also Fragen oder Diskussionspunkte bezüglich der Interpretationen habt: Schreibt mir gern. Aber schreibt mir als Privatperson. 😉
Für den ersten Abschnitt habe ich die vier Stücke ausgewählt, die am dichtesten mit der Anfangszeit von CatoD verknüpft sind. Einen neuen Beitrag gibt es jeden Montagabend nach unserer Bandprobe.
Viel Spaß beim Lesen!

(15.01.2018)

The first time ever she saw him
Carried away by a moonlight shadow
He passed on worried and warning
Carried away by a moonlight shadow
Lost in a riddle that Saturday night
Far away on the other side
He was caught in the middle of a desperate fight
And she couldn’t find how to push through

 

The trees that whisper in the evening
Carried away by a moonlight shadow
Sing a song of sorrow and grieving
Carried away by a moonlight shadow
All she saw was a silhouette of a gun
Far away on the other side
He was shot six times by a man on the run
And she couldn’t find how to push through

 

I stay, I pray
See you in heaven far away
I stay, I pray
See you in heaven one day

 

Four a.m. in the morning
Carried away by a moonlight shadow
I watched your vision forming
Carried away by a moonlight shadow
Stars roll slowly in a silvery night
Far away on the other side
Will you come to terms with me this night
But she couldn’t find how to push through

 

I stay, I pray
See you in heaven far away
I stay, I pray
See you in heaven one day

 

Far away on the other side
Caught in the middle of a hundred and five
The night was heavy and the air was alive
But she couldn’t find how to push through
Carried away by a moonlight shadow
Carried away by a moonlight shadow
Far away on the other side
But she couldn’t find how to push through

 

(Mike Oldfield – Moonlight Shadow.)