Blaues Licht – Anbetung

Einzelne Flocken
so winzig und klein
vom Wind getragen
wollen zum Fenster herein
Doch wir lassen sie nicht
wir fürchten sie

Sie setzen sich auf unsere Finger
Sie tanzen in unserem Haar
Legen sich auf grüne Berge
und überschatten die Welt
mit dunklen Wolken
und silbernem Glitzer
Sie kämpfen mit der Sonne
und verlieren zu schnell

Hauchzarte Tropfen
so zerbrechlich und klein
vom Wind verweht
wollen sie zum Fenster herein
Doch wir lassen sie nicht
wir mögen sie nicht

Sie vermischen sich
mit dem Weiß auf den Bergen
Füllen die Flüsse und Seen
Stürzen in unsere Staudämme
und fließen durch unsere Wasserhähne
Sammeln sich auf den Straßen
und überschatten die Welt
mit dunklen Wolken
und silbernem Glitzer

Auf den Feldern
kilometerweit
Treten die Flüsse
über die Ufer
überschwemmen die Straßen
die Wege und Wiesen
Aus einem Fluss werden drei
Und während die Schwäne fliehen
und die Menschen
hinter die Fenster flüchten
werden die Bäume überleben
Weil sie starr und fest verwurzelt
stark und stolz
in Richtung Himmel stehen

Einzelne Flocken
so winzig und klein
vom Wind getragen
wollen zum Fenster herein
Doch wir lassen sie nicht
wir fürchten sie
Zu Recht

Atme im Leben

Dies ist das Gefühl
dass alles schon gewesen ist
und wir nur noch leben müssen
neu erleben dürfen

Die ganze Nacht daliegen
nicht schlafen
Der quälende Hunger
nach Frühstück
nach Aufstehn
nach Mehr
nach Singen!

Adrenalin in den Adern
Vorfreude zittert in den Fingern
Die Uhr bleibt stehen
und ich warte auf den Morgen
auf Gesang!
auf Musik!

Stehe Mittags auf dem Gang
Da mischen sich Klänge
aus fünf verschiedenen Zimmern
zu fünfzig verschiedenen Liedern
Schaffen unsere eigene Welt

Hier will ich bleiben
Hier bin ich glücklich
Musik in den Adern
Gesang zittert in den Fingern

Weil hier alles vibriert
Weil man hier noch spürt
dass die Welt am Leben ist

7 Jahre später

Die Gedichte aus Mein schwarzes Herz

Es ist inzwischen, ich kann es selbst kaum glauben, 7 Jahre her. 2012 (mit 16) schrieb ich das letzte der Gedichte, die in meinem ersten Sammelband unter dem Titel Mein schwarzes Herz veröffentlicht wurden. Das Buch erschien 2016 und schon damals waren es Gedichte aus meiner Vergangenheit. Doch gerade auch das Alter dieser Texte ist es, weshalb ich sie manchmal noch immer gern zur Hand nehme, um ein wenig über mich selbst zu lernen und zu beobachten, was sich seitdem verändert hat und was nicht.
Anlässlich der Veröffentlichung meines zweiten Gedichtbands habe ich mich entschieden, die Gedichte von damals nun nacheinander hier auf dem Blog zu veröffentlichen. Jeden Freitag Abend um 19:00 Uhr wird es eines davon geben. In alphabetischer Reihenfolge, wie sie auch im Buch stehen.
Diese Veröffentlichung wird dauern, fast zwei Jahre. Denn wenn ich mich richtig entsinne enthielt Mein schwarzes Herz zwischen 80 und 90 Gedichte und ein Jahr hat schließlich (nur?) 52 Wochen. Ich bin gespannt, was sich in dieser Zeit noch alles ändern wird. Starten wir also mit allerbesten Vorsätzen in den #Mein_schwarzes_Herz .

Neue Gedichte veröffentlicht

Meine schönste Melodie

Wie das manchmal so ist, hat es eine Weile länger gedauert, als ursprünglich gedacht. Aber jetzt ist es soweit: Meine zweite Gedichtsammlung ist, versehen mit über 70 Illustrationen von Feuerwicht, bei BoD erschienen. (Und selbstverständlich auch über Amazon erhältlich). Bis sie auch als e-Book bestellbar ist, kann es noch ein oder zwei Wochen dauern. Aber wer sich schon einmal die Taschenbuch Ausgabe ansehen möchte, ist herzlich eingeladen, dies hier zu tun. 😉

Sommersturm (26.07.2018)

Die Luft zittert, weich und zärtlich, wie ein Windhauch im Sommer.
Deine Augen sind geschlossen und die Welt steht still. Lauscht deinem Herzschlag. Lausche du ihrem Zittern.
Hier liegt eine Ruhe in jedem Stein, eine in jedem Atemzug und auf einmal, von irgendwoher beginnst auch du zu zittern. Eine Vorfreude, tief in deiner Seele, wie ein Verliebtsein, nur unerforschter, wie das Gegenteil unfassbarer Wut.
Was immer dich erfüllt, es braucht dich jetzt. Wind erhebt sich in deinen Haaren und fährt durch dein Gesicht. Ein Herzschlag, flatternd wie ein Vogel, will plötzlich stark und unantastbar sein. Jede Geste, jedes Wort und Ton, verwandelt nun ein Zittern in einen Sommersturm und alles dreht sich nur um dich.
Es ist ein Orkan, der die Wände davonreißt und von dort wo du stehst lässt du Berge wachsen. Dann, im nächsten Moment, spürst du Gras an den Füßen. Du bist wie ein Engel. Deine Schultern schmerzen am Flügelansatz und deine Schwingen breiten sich aus, bis hinaus in den Sonnenaufgang.
In diesem einen Moment lässt sich alles ändern. Um dich herum zittert die Welt.
Hörst du es flüstern? Da weht ein Wind durch deine Federn.
Sei der Schmetterling, dessen Flügelschlag den Sommersturm entfacht.

Abend der lebenden Dichter (13.07.2018)

RabeAus Zeitgründen kommt dieser Post leider zwei Tage zu spät.
Am Freitag Abend haben wir zum vierten Mal den sogenannten “Abend der lebenden Dichter” an unserer Uni organisiert. Was zu Beginn als Veranstaltung unter Freunden und vor allem für Texte aller Art gedacht war, hat inzwischen beinahe 40 Teilnehmer und umfasst neben Texten auch Musikvorträge und kurze Filmvorführungen.
Das Bild ist eine spontane Kreidezeichnung von Feuerwicht, die an diesem Abend an der Tafel entstand.
Meine Beiträge bestanden diesmal aus dem Gedicht “Atem im Wind”, dass in der Sammlung “Mein schwarzes Herz” veröffentlicht ist und dem Text “Sommersturm”, der in Kürze in der Kategorie Texte zu lesen sein wird.

Vorlesung C (22.03.2018)

Hallo an alle 🙂
Es gibt neue, von mir gelesene Gedichte auf YouTube:

Vorlesung C – Termin 2

Nachdem die zweite Lyrikabend-Veranstaltung in den Physikgebäuden der Universität eigentlich schon im Januar stattfand, hat es eine Weile gedauert, bis ich dazu kam die Aufnahmen hochzuladen.
Der dritte Termin ist schon im April, diesmal voraussichtlich zum Thema “Frühlingsgefühle”.

I carry your heart with me (24.01.2018)

i carry your heart with me(i carry it in
my heart)i am never without it(anywhere
i go you go,my dear;and whatever is done
by only me is your doing,my darling)
                                                      i fear
no fate(for you are my fate,my sweet)i want
no world(for beautiful you are my world,my true)
and it’s you are whatever a moon has always meant
and whatever a sun will always sing is you
here is the deepest secret nobody knows
(here is the root of the root and the bud of the bud
and the sky of the sky of a tree called life;which grows
higher than soul can hope or mind can hide)
and this is the wonder that’s keeping the stars apart
i carry your heart(i carry it in my heart)

 

(E. E. Cummings.)

(17.01.2018)

Emilys Hoffnung

Hoffnung – gefiedertes Wesen,
das in unserer Seele flattert
Es singt den Klang des Lebens ohne Worte
Niemals endendes Klagelied
Zauberworte gegen die Trauer

Ihre Stimme webt in das Rauschen des Sturms
den Ton eines Windspiels
Ihr sanft schüchternes Klopfen am Fenster
überdeckt ihre weltumspannenden Flügel

Weise den Pfad im Schnee
Sei die Brücke über den Ozean
Niemals hat sie danach gefragt
was wir für sie tun werden

(Interpretation von Emily Dickinsons Hope is the thing with Feathers.)