Segelgedanken II

Mein Tag beginnt unfreiwillig und unnötigerweise um fünf Uhr morgens. Weil ich vorher sowieso nicht mehr schlafen kann, mache ich also einen kleinen Spaziergang. Es ist kein Sonnenaufgang zu sehen, aber zwischen den Wolken hat der Himmel schon blaue Flecken. Ich denke daran, dass so ein morgendliches Foto für den Tagebucheintrag heute nicht schlecht wäre, sehe aber nichts, was ich gern fotographieren würde. Nichtmal Vögel sind unterwegs, nur irgendwo außer Sicht schreien ein paar Möwen. Auch nicht die passende Geräuschkulisse für einen romantischen Morgen, also lege ich mich wieder hin.

Meine Fotomotive finde ich, als wir gegen Mittag durch ein kleines Dorf laufen, das etwa so viele Einwohner hat, wie unser Nachbarsdorf zuhause. Es ist nur etwas hübscher. Nachdem kürzlich eine Bekannte die Frage aufstellte, weshalb Menschen überhaupt in Urlaub fahren, treibt mich der Gedanke häufiger um. Wieso eigentlich Urlaub? Ich hatte mich für halbwegs entspannt gehalten. Aber wenn ich darauf achte bemerke ich, dass mein Atem nicht ganz frei geht und ich dauernd die Kiefermuskeln anspanne. In Wahrheit bin ich also (noch?) nicht entspannter, als wenn ich zuhause auf dem Sofa liege und einen Film sehe, eher weniger. Trotzdem muss es ja irgendetwas geben, das mich an diesem Urlaub besonders glücklich macht. Denn sofern keine anderen Werte im Weg stehen, tun glaube ich die meisten Menschen ersteinmal das, was sie glücklich macht. Und welche anderen Werte könnten meine Entscheidung für Urlaub schon beeinflusst haben?

Behind the Lyrics

Hallo an Alle 😊

Als Sängerin von CatoD wurde ich privat schon mehrfach aufgefordert, in meinen Ansagen auch etwas zum Hintergrund unserer Liedtexte zu sagen. Allerdings finde ich, dass sich solche Textinterpretationen oft nur schwer in drei Sätzen unterbringen lassen. Von langen Ansagen wird erwartet, dass sie unterhaltsam sind. Wer abends weggeht, um Musik zu hören, hat verständlicherweise keine Lust, sich drei Minuten Vortrag zu Songtexten anzuhören.
Trotzdem will ich euch die Hintergrundgedanken zu unseren Texten natürlich nicht vorenthalten.

“Behind the Lyrics” soll eine Reihe von Blogbeiträgen werden – einen für jedes Lied, das wir bisher geschrieben haben. Darin werde ich meine persönliche Übersetzung des Liedtextes liefern. Ich werde euch erzählen, wie der Text entstanden ist und was wir uns dabei gedacht haben.
Die Posts werde ich unter #Behind_the_Lyrics veröffentlichen:

http://www.kath-east.de/tag/behind-the-lyrics/

Ich schreibe diesen Post nicht umsonst auf meinem privaten Blog. Was ich euch vorstellen möchte, ist meine persönliche Interpretation. Zwar bin ich von beinahe allen unserer Texte der Hauptautor, trotzdem entspricht meine Meinung in den Texten, als auch meine Meinung über die Texte nicht unbedingt der Meinung der anderen Bandmitglieder. Falls ihr also Fragen oder Diskussionspunkte bezüglich der Interpretationen habt: Schreibt mir gern. Aber schreibt mir als Privatperson. 😉
Für den ersten Abschnitt habe ich die vier Stücke ausgewählt, die am dichtesten mit der Anfangszeit von CatoD verknüpft sind. Einen neuen Beitrag gibt es jeden Montagabend nach unserer Bandprobe.
Viel Spaß beim Lesen!

Sommersturm (26.07.2018)

Die Luft zittert, weich und zärtlich, wie ein Windhauch im Sommer.
Deine Augen sind geschlossen und die Welt steht still. Lauscht deinem Herzschlag. Lausche du ihrem Zittern.
Hier liegt eine Ruhe in jedem Stein, eine in jedem Atemzug und auf einmal, von irgendwoher beginnst auch du zu zittern. Eine Vorfreude, tief in deiner Seele, wie ein Verliebtsein, nur unerforschter, wie das Gegenteil unfassbarer Wut.
Was immer dich erfüllt, es braucht dich jetzt. Wind erhebt sich in deinen Haaren und fährt durch dein Gesicht. Ein Herzschlag, flatternd wie ein Vogel, will plötzlich stark und unantastbar sein. Jede Geste, jedes Wort und Ton, verwandelt nun ein Zittern in einen Sommersturm und alles dreht sich nur um dich.
Es ist ein Orkan, der die Wände davonreißt und von dort wo du stehst lässt du Berge wachsen. Dann, im nächsten Moment, spürst du Gras an den Füßen. Du bist wie ein Engel. Deine Schultern schmerzen am Flügelansatz und deine Schwingen breiten sich aus, bis hinaus in den Sonnenaufgang.
In diesem einen Moment lässt sich alles ändern. Um dich herum zittert die Welt.
Hörst du es flüstern? Da weht ein Wind durch deine Federn.
Sei der Schmetterling, dessen Flügelschlag den Sommersturm entfacht.

(17.01.2018)

Emilys Hoffnung

Hoffnung – gefiedertes Wesen,
das in unserer Seele flattert
Es singt den Klang des Lebens ohne Worte
Niemals endendes Klagelied
Zauberworte gegen die Trauer

Ihre Stimme webt in das Rauschen des Sturms
den Ton eines Windspiels
Ihr sanft schüchternes Klopfen am Fenster
überdeckt ihre weltumspannenden Flügel

Weise den Pfad im Schnee
Sei die Brücke über den Ozean
Niemals hat sie danach gefragt
was wir für sie tun werden

(Interpretation von Emily Dickinsons Hope is the thing with Feathers.)

 

Vorlesung C

Hallo an alle,

Vorlesung Cvor Kurzem hatte eine Kollegin von mir die Idee, im privaten Rahmen eine Art offene Bühne zu veranstalten. Der Abend war so schön, dass ein zweiter Termin in Planung ist.
Da es für die Reihe noch keinen offiziellen Namen gibt, habe ich sie Vorlesung C getauft. Den Abend haben wir aufgenommen und die Mitschnitte meiner Beiträge werden in den nächsten Tagen unter folgendem Link auf Youtube veröffentlicht:

Vorlesung C

Viel Freude beim Anhören!
Wer Interesse hat, findet den Kanal der Initiatorin der Veranstaltung hier:

https://www.youtube.com/channel/UCS7TQ5E-6X2kFEpgjw9pClA/videos

Haus der Schmerzen – Berlin

Die Seelen der Menschen weinen
In der Trauer brechen Fassaden
In unseren Schmerzen sind wir allein
In mir ertränkt sich ein Gedanke
eine Leere erfüllt den Verstand
hinein sinkt das Leid Ohne Worte
saugt mich aus, es reicht nicht.
Tausende trauern um ihre Vergangenheit
Beten das aufhört, was geschehen ist
Wie viele tausend Jahre
die neue Generationen weinen
um dem gleich zukommen. Es reicht nicht.
Selbst wenn die Erinnerung schwindet
werden die Gräber bleiben.
Selbst wenn der Stein zerfällt,
die Betonmale brechen. Es reicht nicht.

Die Seelen der Menschen weinen.
Sie dürfen nicht aufhören.

Anmerkung: Geschrieben in der Holocaust Gedenkstätte.

Fragen?

Ich bin nicht gerne politisch, vor allem in der Öffentlichkeit nicht. Es ist schwer, neben all den alltäglichen Fragen, Thematiken, Problemen und neben dem Leben generell einen Überblick zu behalten. Insbesondere einen Überblick, der so groß ist, dass er differenzierte und begründete Meinungen zu teilweise unglaublich komplexen Thematiken erlaubt. Man möchte weder Ungerechtfertigtes sagen, noch zu Ungerechtfertigtem schweigen.

Vor einigen Tagen tauchte unter den Neuigkeiten auf meiner Facebookseite der Link zu einem Artikel von Zeit Online auf: Zur Wahl steht: Die Demokratie.
Der Artikel streift einige Themen unter dem Oberbegriff der momentanen politischen Lage. Darunter wird vor allem auch an die Geschichte der Demokratie erinnert und daran, wie Demokratie in ihren historischen Anfängen ausgesehen hat und was wir aus den damals grundlegenden Ideen heute lernen können. Und noch einen Schritt weiter: Was wir an unserer Demokratie ändern könnten, um die Politik wieder mehr für die Menschen zu gestalten.
Auch hier wieder ein Thema, über das ich keinen Überblick habe. Aber seit ich diesen Artikel gelesen habe, und ich würde wirklich allen empfehlen, ihn ebenfalls zu lesen, lässt mich einer der dort erwähnten Gedanken nicht mehr los: Was wäre, wenn man Politiker nicht wählen, sondern losen könnte? Und wenn es jeden treffen könnte? Was würde sich ändern, wenn niemand mehr für seinen Wahlkampf arbeiten würde, weil es keinen mehr gäbe? Wenn man nicht politisch eine gesellschaftliche Gruppe bevorzugen könnte, weil jede Gruppe die Politik ist?
Ich habe das gelesen.
Ich fand es interessant.
Ich dachte ich hätte es wieder vergessen oder verdrängt.
Ich habe darüber gelächelt, dass man es versuchen könnte. Jetzt und heute.
Ich habe gerade eben in den Nachrichten gesehen, dass offenbar heftig darüber gestritten wird, ob die Abgeordneten in BW nun zu Recht zwischen staatlicher und privater Altersvorsorge wechseln dürfen oder nicht. Obwohl ich versuche, sehr vorsichtig bei solchen Dingen zu sein, konnte ich doch nicht verhindert, dass in meinem Kopf eine Kette von Gedanken begann. Die Nachrichten schienen zu vermitteln, dass diese Regelung eine bessere Altersvorsorge für Abgeordnete bedeutet und ich meine mich an eine Schlagzeile über zunehmende Altersarmut erinnern zu können. Und dann sagen mir die Nachrichten wieder, dass zwei Fraktionen nicht für die Änderungen gestimmt haben: FDP und AfD. Da habe ich aufgehört mit diesen uninformierten Gedanken und mich stattdessen doch wieder gefragt:
Was wäre, wenn wir diese Diskussionen nicht führen müssten?
Wäre irgendjemand von uns tatsächlich ein besserer Langzeitpolitiker?
Gibt es Menschen, die so wenig auf sich selbst bedacht sind, dass sie der Herausforderung der Politiker-Seins auf Dauer gewachsen sind?
Was wäre, wenn es jeden treffen könnte?
Und wäre es möglich, dass wir die Demokratie grundlegend ändern? Jetzt?

Geständnis – An nie bedachte Schönheit

Und ich kann und kann
es nicht begreifen
Wie das Leben so schön ist
dass es manchmal fast wehtut

Wenn ich Menschen verliere
und meine innere Ruhe
und manchmal meinen Stolz
ist es noch immer perfekt

Wenn man genau hinsieht
Selbst wenn es nur noch
ein „weißt du noch?“ ist
Auf das niemand mehr antwortet

Und ich kann und kann
mich nicht verstehen
wie so viele Menschen
mich mitreißen können
so sehr,
dass es manchmal fast wehtut

Auch wenn wir niemals sprechen
und ich es nie sagen darf
und manche nicht verstehen
So fühle ich…
was kein Wort wiederkennt

Und ich kann und kann
beinahe wirklich glauben:
Das Leben fühlt
– vielleicht –
genau das wohl für mich
und ich
fühle es für dich