Ausstellungseröffnung DREIKLANG

Von links nach rechts: Regina Dittmar (Acrylgemälde), Johannes Höfener (Piano, Keyboarder bei CatoD), Kathrina s. East (Gedichte, Gesang, Sängerin bei CatoD), Feuerwicht (Zeichnungen, Schlagzeug, Drummer bei CatoD), Jörg Honecker (Leiter des jamclub Tübingen).

Am Donnerstag war es endlich soweit: Die Ausstellung DREIKLANG wurde in Tübingen eröffnet. Gezeigt werden in der Musikschule jamclub bis zum 20.12.2019 Zeichnungen von Feuerwicht, Acrylmalereien von Regina Dittmar und ein paar Texte von mir. Die musikalische Gestaltung übernahm die kleine Besetzung von Cataract of Dreams.

K.s.E (Ich 🙂 ) und Feuerwicht vor den Drucken seiner Zeichnungen Nachtvogel (Aus der Gedichtsammlung “Meine schönste Melodie” und Quadrichon (Siehe auch Titelbild dieser Homepage 😉 )

Die letzten 5 Lebens – Zeichen

Rasen durch meinen Verstand
blaue Zeichen.
Worte, Buchstaben, Zahlen…

Was ich liebe
Was ich hasse
spielt keine Rolle
wird Alles
Guten Gewissens
zunichte gemacht.
Gleich gemacht.

Rasend schnell
fließen Leben und Gedanken.
Man schließt mir die Augen
bevor ich aufhöre zu atmen
und mein Kopf
rechnet weiter.

Die Missverstandenen Worte
im Todeskampf hervorgehaucht
folgen mir
in meine Gedanken
meine schmerzerfüllten Sekunden
sind die Letzten überhaupt.

Hab ich ein Recht?
als Kind zu leben
bevor ich als Greisin
verzweifeln Muss?
an schwarzen Zahlen…

Segelgedanken X

Der Urlaub endet, wie er begonnen hat: Mit einem stahlgrauen Himmel und trollgrünem Wasser. Das Meer ist unruhig, es regnet immer wieder. Weil ich die ganze Zeit am Steuer stehe, kann ich keine Fotos machen. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, gibt es auch nichts zu sehen. Ich bin konzentriert, aber entspannt. Die Fotos in diesem Beitrag habe ich ausnahmsweise nicht am selben Tag geschossen, an dem ich den Text geschrieben habe. Stattdessen sind es nochmal Bilder von dem Tag, an dem ich meine Wanderung zur Düne unternahm.

Was mich beim Segeln immer wieder beeindruckt: Der ehrlich respektvolle Umgang der Sportler untereinander. Das gilt zumindest bei denen, die aus Leidenschaft und nicht als Statussymbol auf dem Wasser sind. Wann immer Boote aneinander vorbeifahren, grüßen die Menschen. Im Hafen beim Anlegen erlebe ich selbstverständliche Hilfsbereitschaft wie sonst selten. Es gibt nur eine andere Gruppe, von der ich ein solches Verhalten kenne: Leidenschaftliche Bergsteiger. Die beiden verbindet, dass es alte Tätigkeiten sind. In ihnen hat sich das Bewusstsein erhalten, dass man jederzeit selbst in (lebensgefährlichen) Schwierigkeiten stecken könnte. Und während ich mir ansehe wie nett Segler zueinander sind frage ich mich, ob diese Menschen sich an Land genauso verhalten. Ich hoffe es.

Morgen werden wir zurück nach Hause fahren. Dementsprechend ist dies mein letzter Eintrag in das Segeltagebuch. Und außer einer Menge Motivation, wieder in meine Projekte einzusteigen, nehme ich auch neue Inspirationen mit. In Tübingen wartet unterdessen schon neue Arbeit auf mich: Mein Freund Feuerwicht organisiert gerade eine Serie von Ausstellungen, an denen auch meine Gedichte teilhaben werden. Uns steht also eine spannende Zeit bevor.

Büchernetze

Wir spinnen ein Netz
aus geschriebenen Worten
Fangen den Sinn
Fangen uns selbst

Leben in Träumen
aus Erinnerung
Fangen das Leben
Fangen die Träume
in Netzen
aus geschriebenen Worten
sperren sie ein

Gefangenes Denken
Gefangenes Fühlen
in Netzen
aus Worten
Gefangen und doch frei
Flüchtig gebunden
ewig gehalten
in Büchern

Auf der falschen seite der Haustür

Hab mich heute schick gemacht
Wofür?
Weiß ich nicht mehr…

Mir gegenüber
zwei Männer
Einer 20
Einer 40

Beide gleich
voneinander abgerückt

Beide mit Mützen
mit Kapuzen an den Westen
Leichten Windjacken
Einer mit Brille
Einer mit Kopfhörern
Beide mit Handy
Einer mit Bier
Ich mit meinem Salamibrot
Totes Tier
zwischen langkettigen,
verzweigten,
fest verknoteten
Kohlenhydraten…
…interessante Strukturen…
…Nahrungsketten

Hab mich heute schön gemacht
Für wen?
Weiß ich nicht mehr…

Mir gegenüber
zwei Männer

Beide gleich
abwesend

Der Eine gechillt
träumend
Musik hörend
leise singend
besoffen
schräg lächelnd
Füße auf dem Sitz
Schluck aus der Flasche
Stöhnen
Nase hochziehn
Augen zu

Bin heute lange Zug gefahren
Wohin?
Weiß ich nicht mehr…

Mir gegenüber
zwei Männer

Beide gleich
abgeschottet

Der Andere angespannt
arbeitend
aufs Handy tippend
leise fluchend
müde
Stirn in Falten
Hände verkrampft
Tasche an sich gepresst
Stöhnend
Böse Blicke
Augen weg vom Fenster
aufs Display

Noch ein Bissen
totes Tier
zwischen den Zähnen
Schau aus dem Fenster

Der Andere
wie ein Wiesel
nicht Bio
nicht artgerecht gehalten

Der Eine
unbeschreiblich
wie unter Drogen

Hab heute viel gedacht
Woran?
Weiß ich nicht mehr…

Mir gegenüber
zwei Männer
nebeneinander
steigen aus
gleichzeitig

Ich denke nach
welcher glücklicher ist
der Abgestürzte?
der Erfolgreiche?

Noch ein Bissen
ich sollte mich schämen
Denke an die Schule
ziehe die Nase hoch
lächle
und schreibe:
Schau aus dem Fenster
denke nach
und träume

Atme im Leben

Dies ist das Gefühl
dass alles schon gewesen ist
und wir nur noch leben müssen
neu erleben dürfen

Die ganze Nacht daliegen
nicht schlafen
Der quälende Hunger
nach Frühstück
nach Aufstehn
nach Mehr
nach Singen!

Adrenalin in den Adern
Vorfreude zittert in den Fingern
Die Uhr bleibt stehen
und ich warte auf den Morgen
auf Gesang!
auf Musik!

Stehe Mittags auf dem Gang
Da mischen sich Klänge
aus fünf verschiedenen Zimmern
zu fünfzig verschiedenen Liedern
Schaffen unsere eigene Welt

Hier will ich bleiben
Hier bin ich glücklich
Musik in den Adern
Gesang zittert in den Fingern

Weil hier alles vibriert
Weil man hier noch spürt
dass die Welt am Leben ist