Evening Leaves – Lyrics

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Was wir immer bei uns tragen

Evening Leaves hat mit der Veröffentlichung unseres Albums Oneira noch einmal seinen Titel geändert. Evening Leaves war mein erster Vorschlag gewesen, da mir die Doppelbedeutung aus Abendblätter / Abendlaub und Der Abend geht so gut gefiel. Allerdings befürchteten wir, dass die Interpretation des Titels als Abendblätter (was für uns die schönere Bedeutung ist) zu abwegig sein könnte. Daher hieß das Stück eine ganze Weile Evening’s Leaves, bevor sich bei der Alben Veröffentlichung meine Meinung zu dem Thema wieder durchsetzte. 😉

Der Hintergrundgedanke für das Stück wurde (wie so oft) von Axel und mir gemeinsam entwickelt. Wobei es (wäre auch nicht das erste Mal) nicht unwahrscheinlich ist, dass unsere nachträglichen Interpretationen des Textes ein wenig auseinandergehen würden. Grob gesagt geht es darum, wie kleine Ereignisse und Zufälle in unserem Leben immer wieder auftauchen. Vielleicht ein wenig im Sinne des Satzes „Man sieht sich immer zweimal im Leben“. Aber für mich schwingt auch mit, wie solche Kleinigkeiten für unseren weiteren Weg bedeutend werden können, wenn wir es zulassen.

Das Lied hat nicht nur drei Strophen, es behandelt auch drei Themen, sowie drei Formen von Beziehung: Partnerschaft, Freundschaft und Familie.

Eines Tages lief ich tief in Gedanken versunken durch einen leeren Park […]
Als ein Mann die Straße herunterkam und mir zulächelte.
Ich weiß, dass ich seine Augen nie vergessen werde,
denn sie schienen in mich verliebt zu sein.

Heute weckte ich ihn auf, in unserem ersten eigenen Zuhause […]
Ich wusste, dass ich ihn schon einmal gesehen hatte:
Da gab es diesen Jungen, der immer mit mir lachte.

In der ersten Strophe ist das Thema nicht nur eine, sondern gleich zwei Begegnungen zwischen zwei Menschen. Sie treffen sich eines Tages irgendwo, beide allein auf einem Spaziergang. Sie sehen sich flüchtig im Vorbeigehen an und sind fasziniert. Spannend an dieser Strophe ist eigentlich das, was sie nicht erzählt. Denn im zweiten Teil erinnert sich das lyrische Ich nicht nur daran, dass sie diesen Mann aus ihrer Kindheit kennt. Die beiden sind jetzt offensichtlich ein Paar. Was ist also passiert, was haben die beiden getan, um aus dieser flüchtigen Faszination ein andauerndes Glück zu erschaffen?

Mich begleitet diese Frage oft durch meinen Alltag. Wer viel mit dem Zug oder zu Fuß in Städten unterwegs ist, der hat vielleicht schon erlebt, wie sich Blicke flüchtig begegnen und wieder auseinandertreiben. Meistens denke ich mir nichts weiter dabei. Doch in vielleicht einem von zwanzig Fällen bilde ich mir ein, in den Augen meines Gegenübers eine Neugier zu sehen, die meiner eignen ähnlich ist. Dann frage ich mich, was wir dadurch verpassen, dass wir einfach aneinander vorbeigehen. Und ob es uns beide verändert hätte, entgegen aller Konventionen stehen zu bleiben und herauszufinden, wohin diese Neugier führt.

Eines Tages saß ich allein in einem leeren Park
und der Wein, den ich trank, war rot, wie meine selbstsüchtigen Gedanken.
[…] Heute weiß ich: Was mich dort gerettet hat
war diese Erinnerung, die ich sehr schätze:

Eines Nachts saßen wir tief in Gedanken versunken an einem Lagerfeuer […]
Als du mir versprachst, dass du da sein wirst, was immer passiert.

In der ersten Strophe war es die Begegnung, hier sind es „nur Worte“. Es war ein Abend unter Freunden, wobei offenbleibt, wie gut sie sich wirklich kannten. Vielleicht war es auch eine Jugendausfahrt oder ein Festival. Ein Abend mit lauter Fremden, die sich durch irgendetwas verbunden fühlen. Es geht garnicht so sehr darum zu fragen, wie oft wir uns bereit fühlen, einem Menschen ein so weitreichendes Versprechen zu machen: Immer da zu sein. Die Frage ist eher, ob wir einem Freund oder Bekannten, den wir gernhaben, das auch sagen. Es mag in diesem Moment bedeutungslos erscheinen. Doch nicht immer lässt sich der Wert eines Satzes schon in der Sekunde abschätzen, in dem er gesagt wird. Und allzu oft erfahren wir nie, welche Bedeutung Gesagtes für unser Gegenüber hat. Da dies leider nicht nur für positive Aussagen gilt, ist es vielleicht umso wichtiger, mit unseren zuneigenden Gefühlen mutiger umzugehen.

[…] Zurück zuhause bemerkte ich, dass ich meinen goldenen Ring verloren hatte.
Ich weinte, denn es war ein Geschenk für mich
von einem Familienmitglied, das ich liebte.

Heute pflanzte ich Samen in meine Blumenbeete […]
Als ich plötzlich meinen Ring in meinen Händen fand.
Ich frage mich, ob die Elster ihn zurückbrachte,
die über mir in den Bäumen sitzt.

Schon beim Schreiben dieser Strophe war klar, dass nicht ganz eindeutig wird, dass es sich bei dem goldenen Ring nicht um den Ehering aus der ersten Strophe handelt. Da es mich nicht unbedingt stört, wenn das Schmuckstück mit dem Liedbeginn verbunden wird, habe ich den Text trotzdem so gelassen. Für mich ist der Ring allerdings tatsächlich das Erbstück eines Blutsverwandten. Hier geht es um die Erinnerungen an Menschen, die wir uns nicht aussuchen konnten, die aber trotzdem einen wesentlichen Teil unseres Lebens geprägt haben. Unsere Familie nimmt eine Sonderstellung in unseren sozialen Beziehungen ein: Während die meisten anderen Menschen sich Mühe geben müssen, unser Vertrauen zu gewinnen, gibt es in Familien ein prinzipielles Grundvertrauen. Selbst wenn dies irgendwann zerstört wird sorgt es dafür, dass wir die Erlebnisse mit diesen Menschen und deren Einfluss auf unser Leben und unseren Charakter niemals ablegen können. Egal wie oft wir denken, wir hätten sie verloren: Wir werden sie immer wieder entdecken. Im Guten wie im Schlechten.

7 Jahre später

Die Gedichte aus Mein schwarzes Herz

Es ist inzwischen, ich kann es selbst kaum glauben, 7 Jahre her. 2012 (mit 16) schrieb ich das letzte der Gedichte, die in meinem ersten Sammelband unter dem Titel Mein schwarzes Herz veröffentlicht wurden. Das Buch erschien 2016 und schon damals waren es Gedichte aus meiner Vergangenheit. Doch gerade auch das Alter dieser Texte ist es, weshalb ich sie manchmal noch immer gern zur Hand nehme, um ein wenig über mich selbst zu lernen und zu beobachten, was sich seitdem verändert hat und was nicht.
Anlässlich der Veröffentlichung meines zweiten Gedichtbands habe ich mich entschieden, die Gedichte von damals nun nacheinander hier auf dem Blog zu veröffentlichen. Jeden Freitag Abend um 19:00 Uhr wird es eines davon geben. In alphabetischer Reihenfolge, wie sie auch im Buch stehen.
Diese Veröffentlichung wird dauern, fast zwei Jahre. Denn wenn ich mich richtig entsinne enthielt Mein schwarzes Herz zwischen 80 und 90 Gedichte und ein Jahr hat schließlich (nur?) 52 Wochen. Ich bin gespannt, was sich in dieser Zeit noch alles ändern wird. Starten wir also mit allerbesten Vorsätzen in den #Mein_schwarzes_Herz .