Bittersüß

Bitterkeit im Herzen…
und die Nacht steht still.
atmet eisige Luft
und träumt.

Bitterkeit des Herzens…
und in den Straßen
knirschen die Blätter der Bäume
unter eisigem Schnee.

Tränen der Bitterkeit…
und über meinem Fenster
lauert das Eis.
kriecht über die Scheibe
wie ein halbflüssiges Tier.
aufgeweicht in Tränen.

Bitteres Blut…
tropft mein Handgelenk hinunter…
und da stehen grüne Bäume
vor einem schwarz-fleckigen Nachthimmel.

Farbe ohne Licht…
Hoffnung ohne Zukunft…

Bitterkeit…
zirkuliert
mit süßem Blut
in meinem Körper.
Kreisendes Gift…
kreist auf ewig.
hält mich am leben.
aus Grausamkeit.

Das Wesen des Unklaren

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Ohne Titel (1895)

Durch dieses Land streifte er
Wie ein Geist von Tür zu Tür;
Seine Hände umklammerten eine Laute
Und ließen süß sie klingen;

In seinen verträumten Melodien
Konntest du wie einen Sonnenstrahl
Die Wahrheit selber spüren
Und auch himmlische Liebe.

Die Stimme ließ manches Herz schlagen,
Das zu Stein geworden war;
Sie erleuchtete manchen Geist
In entlegenster Dunkelheit.

Doch statt Verherrlichung,
Wo immer die Harfe gespielt wurde,
Bot der Pöbel dem Geächteten
Ein mit Gift gefülltes Gefäß…

Und sprach zu ihm: >>Trink, o Verfluchter,
Dies ist deine Bestimmung!
Wir wollen deine Wahrheit nicht,
Noch deine himmlischen Melodien!<<

Quelle: Niemals eine Atempause – Handbuch der politischen Poesie im 20. Jahrhundert; von Joachim Sartorius; Autor des Gedichts: Josef Stalin (1878-1953).