Segelgedanken II

Mein Tag beginnt unfreiwillig und unnötigerweise um fünf Uhr morgens. Weil ich vorher sowieso nicht mehr schlafen kann, mache ich also einen kleinen Spaziergang. Es ist kein Sonnenaufgang zu sehen, aber zwischen den Wolken hat der Himmel schon blaue Flecken. Ich denke daran, dass so ein morgendliches Foto für den Tagebucheintrag heute nicht schlecht wäre, sehe aber nichts, was ich gern fotographieren würde. Nichtmal Vögel sind unterwegs, nur irgendwo außer Sicht schreien ein paar Möwen. Auch nicht die passende Geräuschkulisse für einen romantischen Morgen, also lege ich mich wieder hin.

Meine Fotomotive finde ich, als wir gegen Mittag durch ein kleines Dorf laufen, das etwa so viele Einwohner hat, wie unser Nachbarsdorf zuhause. Es ist nur etwas hübscher. Nachdem kürzlich eine Bekannte die Frage aufstellte, weshalb Menschen überhaupt in Urlaub fahren, treibt mich der Gedanke häufiger um. Wieso eigentlich Urlaub? Ich hatte mich für halbwegs entspannt gehalten. Aber wenn ich darauf achte bemerke ich, dass mein Atem nicht ganz frei geht und ich dauernd die Kiefermuskeln anspanne. In Wahrheit bin ich also (noch?) nicht entspannter, als wenn ich zuhause auf dem Sofa liege und einen Film sehe, eher weniger. Trotzdem muss es ja irgendetwas geben, das mich an diesem Urlaub besonders glücklich macht. Denn sofern keine anderen Werte im Weg stehen, tun glaube ich die meisten Menschen ersteinmal das, was sie glücklich macht. Und welche anderen Werte könnten meine Entscheidung für Urlaub schon beeinflusst haben?