Drei Stufen der Freundschaft

Du siehst sie an
Viele Menschen
Treibst mit ihnen
Gespieltes, höfliches Lächeln
Ein Name, flüsternd wie Wind
Dein Name, dein Gesicht
Sie glauben dich zu kennen
Verachtung, für ihre Dummheit

Du siehst sie an
Wenige Menschen
Lebst mit ihnen
Ein ehrlich, erfreutes Lächeln
Gespräche, lachend und froh
Viele Daten, unzählige Fakten
Sie kennen sie alle
Freundschaft, weil sie es versucht haben

Du siehst ihn an
Den einen Menschen
Träumst mit ihm
Offene, ehrliche Tränen
Erinnerungen aus Trauer und Sehnsucht
Erfahrung, Schmerz, Angst, Liebe
Er versteht dich ganz
Vertrauen, weil er dich wirklich kennt

Der Phönix und die Rose

Da fallen sie,
die Wasserfälle
aus Zeit.
Stürzen
von den Wolken.

Stürzen
in einen Fluss,
voll schwarzer Steine.

Hier kann man
noch Gold finden.
Doch niemand,
hat es je versucht.

Auf dem Meer
treibt
ein Segelschiff.
Geschmückt
mit Phönixfedern.

Gehst du an Deck
trittst du
auf Rosenblüten
und unter
rote Flügel.

Fliegst still
übers Meer,
bis du selbst
die Fahrt
beendest.

Wenn Träume
mit dem Wind
verwehen.
Dann hoffe
Dann erinnre dich
an Carina Vela
den Schiffskiel und das Segel
den Phönix und die Rose.

Dann erinnre dich
und wisse:
Ich bin da
wenn du mich rufst.

Brief einer Erinnerung

Verzeih mir.
Denn ich habe im Schmerz
Dinge gesagt,
die du nicht verdient hast.

Und nun
bin ich erneut egoistisch
und schreibe dir
obwohl du nie wieder
von mir lesen wolltest.

Doch jede Nacht
in diesen Jahren
wenn ich an dich dachte…
Ich dachte an alles,
Wunderschöne,
das du für mich getan hast.
Und ich lebe bis heute…
…nur deshalb
…in Dankbarkeit dafür

Niemals
werd ich dich vergessen können.

Dir niemals
sagen zu können,
dass ich dir immer
dankbar bin…
Das war nicht zu ertragen.
So viele Jahre,
werde ich noch leben
und das auch wegen dir.
So viele Lügen,
so viel Hass
morden in der Welt.

Darum glaube ich heute,
dass Worte der Liebe
aus ganzem Herzen
gesprochen werden müssen.
Damit sie vielleicht
helfen und heilen
während Schweigen
nur vergisst.

Ich weiß,
um die Gefahr.

Evening Leaves – Lyrics

LINK zum Lied
LINK zum englischen Text

Was wir immer bei uns tragen

Evening Leaves hat mit der Veröffentlichung unseres Albums Oneira noch einmal seinen Titel geändert. Evening Leaves war mein erster Vorschlag gewesen, da mir die Doppelbedeutung aus Abendblätter / Abendlaub und Der Abend geht so gut gefiel. Allerdings befürchteten wir, dass die Interpretation des Titels als Abendblätter (was für uns die schönere Bedeutung ist) zu abwegig sein könnte. Daher hieß das Stück eine ganze Weile Evening’s Leaves, bevor sich bei der Alben Veröffentlichung meine Meinung zu dem Thema wieder durchsetzte. 😉

Der Hintergrundgedanke für das Stück wurde (wie so oft) von Axel und mir gemeinsam entwickelt. Wobei es (wäre auch nicht das erste Mal) nicht unwahrscheinlich ist, dass unsere nachträglichen Interpretationen des Textes ein wenig auseinandergehen würden. Grob gesagt geht es darum, wie kleine Ereignisse und Zufälle in unserem Leben immer wieder auftauchen. Vielleicht ein wenig im Sinne des Satzes „Man sieht sich immer zweimal im Leben“. Aber für mich schwingt auch mit, wie solche Kleinigkeiten für unseren weiteren Weg bedeutend werden können, wenn wir es zulassen.

Das Lied hat nicht nur drei Strophen, es behandelt auch drei Themen, sowie drei Formen von Beziehung: Partnerschaft, Freundschaft und Familie.

Eines Tages lief ich tief in Gedanken versunken durch einen leeren Park […]
Als ein Mann die Straße herunterkam und mir zulächelte.
Ich weiß, dass ich seine Augen nie vergessen werde,
denn sie schienen in mich verliebt zu sein.

Heute weckte ich ihn auf, in unserem ersten eigenen Zuhause […]
Ich wusste, dass ich ihn schon einmal gesehen hatte:
Da gab es diesen Jungen, der immer mit mir lachte.

In der ersten Strophe ist das Thema nicht nur eine, sondern gleich zwei Begegnungen zwischen zwei Menschen. Sie treffen sich eines Tages irgendwo, beide allein auf einem Spaziergang. Sie sehen sich flüchtig im Vorbeigehen an und sind fasziniert. Spannend an dieser Strophe ist eigentlich das, was sie nicht erzählt. Denn im zweiten Teil erinnert sich das lyrische Ich nicht nur daran, dass sie diesen Mann aus ihrer Kindheit kennt. Die beiden sind jetzt offensichtlich ein Paar. Was ist also passiert, was haben die beiden getan, um aus dieser flüchtigen Faszination ein andauerndes Glück zu erschaffen?

Mich begleitet diese Frage oft durch meinen Alltag. Wer viel mit dem Zug oder zu Fuß in Städten unterwegs ist, der hat vielleicht schon erlebt, wie sich Blicke flüchtig begegnen und wieder auseinandertreiben. Meistens denke ich mir nichts weiter dabei. Doch in vielleicht einem von zwanzig Fällen bilde ich mir ein, in den Augen meines Gegenübers eine Neugier zu sehen, die meiner eignen ähnlich ist. Dann frage ich mich, was wir dadurch verpassen, dass wir einfach aneinander vorbeigehen. Und ob es uns beide verändert hätte, entgegen aller Konventionen stehen zu bleiben und herauszufinden, wohin diese Neugier führt.

Eines Tages saß ich allein in einem leeren Park
und der Wein, den ich trank, war rot, wie meine selbstsüchtigen Gedanken.
[…] Heute weiß ich: Was mich dort gerettet hat
war diese Erinnerung, die ich sehr schätze:

Eines Nachts saßen wir tief in Gedanken versunken an einem Lagerfeuer […]
Als du mir versprachst, dass du da sein wirst, was immer passiert.

In der ersten Strophe war es die Begegnung, hier sind es „nur Worte“. Es war ein Abend unter Freunden, wobei offenbleibt, wie gut sie sich wirklich kannten. Vielleicht war es auch eine Jugendausfahrt oder ein Festival. Ein Abend mit lauter Fremden, die sich durch irgendetwas verbunden fühlen. Es geht garnicht so sehr darum zu fragen, wie oft wir uns bereit fühlen, einem Menschen ein so weitreichendes Versprechen zu machen: Immer da zu sein. Die Frage ist eher, ob wir einem Freund oder Bekannten, den wir gernhaben, das auch sagen. Es mag in diesem Moment bedeutungslos erscheinen. Doch nicht immer lässt sich der Wert eines Satzes schon in der Sekunde abschätzen, in dem er gesagt wird. Und allzu oft erfahren wir nie, welche Bedeutung Gesagtes für unser Gegenüber hat. Da dies leider nicht nur für positive Aussagen gilt, ist es vielleicht umso wichtiger, mit unseren zuneigenden Gefühlen mutiger umzugehen.

[…] Zurück zuhause bemerkte ich, dass ich meinen goldenen Ring verloren hatte.
Ich weinte, denn es war ein Geschenk für mich
von einem Familienmitglied, das ich liebte.

Heute pflanzte ich Samen in meine Blumenbeete […]
Als ich plötzlich meinen Ring in meinen Händen fand.
Ich frage mich, ob die Elster ihn zurückbrachte,
die über mir in den Bäumen sitzt.

Schon beim Schreiben dieser Strophe war klar, dass nicht ganz eindeutig wird, dass es sich bei dem goldenen Ring nicht um den Ehering aus der ersten Strophe handelt. Da es mich nicht unbedingt stört, wenn das Schmuckstück mit dem Liedbeginn verbunden wird, habe ich den Text trotzdem so gelassen. Für mich ist der Ring allerdings tatsächlich das Erbstück eines Blutsverwandten. Hier geht es um die Erinnerungen an Menschen, die wir uns nicht aussuchen konnten, die aber trotzdem einen wesentlichen Teil unseres Lebens geprägt haben. Unsere Familie nimmt eine Sonderstellung in unseren sozialen Beziehungen ein: Während die meisten anderen Menschen sich Mühe geben müssen, unser Vertrauen zu gewinnen, gibt es in Familien ein prinzipielles Grundvertrauen. Selbst wenn dies irgendwann zerstört wird sorgt es dafür, dass wir die Erlebnisse mit diesen Menschen und deren Einfluss auf unser Leben und unseren Charakter niemals ablegen können. Egal wie oft wir denken, wir hätten sie verloren: Wir werden sie immer wieder entdecken. Im Guten wie im Schlechten.