Behind the Lyrics II

Hallo 😊
Im vergangenen Monat habe ich meine #Behind_the_Lyrics Serie begonnen, in der ich meine persönliche Interpretation der Liedtexte von Cataract of Dreams „zu Papier“ bringe.
FĂŒr den ersten Teil hatte ich mir vier StĂŒcke ausgesucht, die fĂŒr mich auf verschiedene Arten mit der Entstehungszeit unserer Band verknĂŒpft sind.
Der zweite Teil ist nun ĂŒberschrieben mit EinBlick auf Beziehung. Er konzentriert sich auf vier Lieder, die Freundschaften und Liebesbeziehungen aus unterschiedlichsten Perspektiven behandeln. Den ersten der BeitrĂ€ge gibt es nĂ€chsten Montag.
Die BeitrÀge gibt es wieder unter dem #Behind_the_Lyrics:

http://www.kath-east.de/tag/behind-the-lyrics/

Viel Spaß beim Lesen! 😊

P.s: Veröffentlicht werden die BeitrÀge nacheinander, immer montags um 19:00 Uhr.

Emperor of the Sun – Lyrics

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Ich halte ein Versprechen

Am Beginn jeder Bandgeschichte steht eine, in dem Moment gefĂŒhlt sehr prĂ€gende, Entscheidung: Die Suche nach dem richtigen Namen. Welche Kriterien muss ein guter Name erfĂŒllen? Wie kommt man an geeignete VorschlĂ€ge und wer darf am Ende aussuchen? Als fĂŒr uns diese Entscheidung anstand bestanden wir noch aus Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang. Wir alle hörten Metal in verschiedenen Variationen und Abstufungen und es war klar, dass wir einen Namen fĂŒr eine Metalband suchten. Was mich persönlich betrifft, so war und bin ich noch immer ein halbwegs romantisch veranlagter Mensch. HĂ€tte ich die Band im Alleingang benennen dĂŒrfen, so wĂ€re vermutlich etwas furchtbar Kitschiges dabei herausgekommen. Insofern war es ganz gut, dass wir ein durchgehend demokratisches Verfahren zur Namensfindung verwendeten.
Im ersten Schritt sammelten wir VorschlĂ€ge. Ich weiß nicht mehr, wie lang die Liste war, die wir zusammenbekamen, aber sie war lang. Dann durfte jeder die Namen streichen, mit denen er ĂŒberhaupt nicht leben konnte. Was ĂŒbrig blieb waren noch zwei getippte A4 Seiten, die wir anschließend in mehreren Abstimmungsrunden auf drei VorschlĂ€ge reduzierten. (Ein Name auf der langen Liste war ĂŒbrigens auch eine Variation von „River’s End“). Unter diesen dreien wurde dann ein letztes Mal abgestimmt. Wir sind uns nicht mehr sicher, welches der dritte Vorschlag war. Doch am Ende der letzten Abstimmung hatten „Emperor of the Sun“ und „Cataract of Dreams“ die meisten Stimmen. „Emperor of the Sun“ lag vorne. Ich allerdings fĂŒhlte mich mit dem Namen nicht richtig wohl. Er schien mir etwas zu viel Macht auszustrahlen oder anders gesagt: Er klang fĂŒr mich nicht sanft genug. Die anderen Bandmitglieder haben mir dann ein Veto gestattet und so wurde „Cataract of Dreams“ zu unserem Bandnamen. Einem unserer Gitarristen hatte „Emperor of the Sun“ damals besonders gut gefallen. Sozusagen als Entschuldigung dafĂŒr, dass ich den Namen abgelehnt hatte, versprach ich ihm, dass ich ein Lied mit „Emperor of the Sun“ als Titel schreiben wĂŒrde. Darum war in dem StĂŒck ursprĂŒnglich ein lĂ€ngeres Gitarrensolo eingeplant zwischen vorletztem und letztem Refrain eingeplant. Ich habe mein Versprechen zwar gehalten. Aber zu spĂ€t. Als Emperor of the Sun fertig war, hatte sich unsere Metalbesetzung bereits aufgelöst und der Gitarrist die Band verlassen.

Ein Gedicht zu einem vorgeschriebenen Thema zu schreiben, finde ich extrem schwierig. Ein Lied zu einem existierenden Titel zu schreiben ist leichter, aber immer noch nicht einfach. Mein erster Ansatz war zu ĂŒberlegen, wer der Herrscher der Sonne ĂŒberhaupt sein könnte. Letztendlich habe ich beide Gedanken, die ich dazu hatte, verbunden.
In der ersten Strophe geht es um einen wörtlichen Herrscher der Sonne: Einen Gott. Er hat eine Welt erschaffen. Doch als die Zeit vergeht und kein Mensch sich als wĂŒrdiger Gesellschafter erweist, beginnt der Gott Einsamkeit zu spĂŒren.

Er weiß, dass er fĂŒr alle Zeit allein bleiben wird.
Nicht ein einziger Engel wurde geboren.

Je mehr Zeit vergeht, desto gleichgĂŒltiger wird er. Nicht nur gegenĂŒber seiner Schöpfung, sondern auch gegenĂŒber sich selbst.

Blut fließt durch sein Herz, GleichgĂŒltigkeit zerreißt ihn.

Er weiß: Wenn er die Welt vernachlĂ€ssigt wird selbst die Sonne, die er als endlos leuchtend erdachte hatte, irgendwann ausgehen und nicht nur das Universum, sondern auch den Herrscher selbst in Dunkelheit zurĂŒcklassen.

Er weiß, dass die Dunkelheit kommen wird.
Seine Stille Hoffnung – Sie ist schon fort.

Doch am Ende gibt er trotzdem auf und seine Macht verschwindet mit der verlöschenden Sonne.

Da gab es einst ein junges Licht, einen Gedanken
und den Herrscher der Sonne.
Doch nun ist die Ewigkeit gekommen.

Den Herrscher in der zweiten Strophe muss man etwas lĂ€nger suchen. TatsĂ€chlich ist Herrscher der Sonne hier eher eine Beschönigung. Der Text erzĂ€hlt hier von einem Soldaten, doch der glorreiche Teil der Geschichte wird nicht erzĂ€hlt. In meiner Vorstellung zog er als Teil einer großen Weltmacht in den Krieg. Doch das Lied berichtet nur von seinem Fall in den Abgrund des Krieges, in dem er alles verloren hat.

Er wusste, der Krieg wĂŒrde seinen Verstand brechen.
Sein Letzter Wille war schon unterschrieben.

Er wusste, er wĂŒrde fĂŒr alle Zeiten allein bleiben.
Seine Liebe starb im Feuersturm.

All die Sorgen, die er verursachte


Doch all die Schrecken liegen bereits in der Vergangenheit. Die Schlacht verlĂ€uft nicht, wie es gedacht war und um nicht besiegt zu werden, wird eine MilitĂ€raktion gefĂŒhrt, die fĂŒr diesen Soldaten die letzte werden soll.

Um der Hölle eine weitere Nacht zu entkommen,
wurden Truppen entsendet und ein weiterer Kampf erzwungen.
Blut floss durch seine HĂ€nde,
Angst schwÀchte ihn, er konnte es nicht ertragen.

Im Moment seines Todes taucht eine Erinnerung auf, die er verdrÀngt hat:

Es ist die letzte verborgene Erinnerung:
Junges Kind liegt tot unter den BĂ€umen.

Da gab es einst ein junges Licht, ein Leben

Es bleibt offen, ob es sein Kind ist, das tot unter dem Baum liegt und/oder ob er es getötet hat. Und auch das verlöschende Leben, um das im Refrain getrauert wird bleibt etwas im Unklaren. Das „jung“ könnte darauf hindeuten, dass es das des Kindes ist. Doch ebenso gut könnte es sein eigenes sein.

Der letzte Refrain steht in diesem Kontext etwas allein. Der Text entfernt sich immer weiter von einem konkreten Herrscher der Sonne. Am Ende geht es um das GefĂŒhl, das ich mit „Emperor of the Sun“ verbinde: Auf einem Berg stehen und sehen wie die Sonne in nebelertrĂ€nkten TĂ€lern aufgeht, wĂ€hrend ein warmer Wind weht. Anders gesagt: Einfach das GefĂŒhl haben, dass die Welt nur fĂŒr uns ganz allein wunderschön ist. Im letzten Refrain steht der Gedanke, wie viel lĂ€nger ein solches HochgefĂŒhl andauern kann, wenn nicht versucht wird, es mit Gewalt zu vergrĂ¶ĂŸern oder fĂŒr einen allein zu beanspruchen.

Wir wissen, dass die Ewigkeit kommen wird.

River’s End – Lyrics

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Eine schwierige Ballade

Zu River’s End sei zunĂ€chst gesagt, dass ich nach Bild einer Stadt eigentlich keinen Liedtext mehr allein geschrieben habe. Unser Schlagzeuger und ich schreiben gemeinsam, sodass jeder Text am Ende wenigstens zwei Leuten gefĂ€llt. Diese Art zu schreiben ist unglaublich hilfreich, um andauernde Wiederholungen von Stilen und Bildern zu vermeiden. Außerdem bewahrt sie mich davor, allzu sehr ins kitschige abzudriften. Hier zeigt sich auch eine grundlegende Charakteristik von Gedichten und verwandten Textarten: Obwohl wir gemeinsam schreiben und ĂŒber verwendete Metaphern diskutieren, sind wir am Ende nicht immer ganz einer Meinung, was das gewĂ€hlte Bild nun bedeutet. Aber das nur als Randnotiz.
River’s End zu schreiben war deutlich weniger spontan, als dies bei vielen anderen meiner Texte der Fall ist. Mit der FlĂŒchtlingsdebatte ĂŒberall um uns herum, hatten wir den naheliegenden Gedanken, ein Lied zum Thema Flucht zu schreiben. Es sollte aber kein politisch geprĂ€gtes StĂŒck werden. Stattdessen wollten wir die emotionale Perspektive eines Fliehenden einnehmen. Mit der Umsetzung dieser Idee haben wir es uns nicht leicht gemacht. Uns war bewusst, dass wir nicht in der Position sind, die Situation eines FlĂŒchtlings wirklich zu verstehen. Wir versuchten, eine Geschichte ĂŒber etwas zu schreiben, von dem wir nur Geschichten kannten. Dabei wollten wir unter keinen UmstĂ€nden respektlos gegenĂŒber denen sein, die diese RealitĂ€t erleben und erlebt haben, indem wir Geschehnisse in unserem Unwissen ĂŒber- oder unterdramatisieren.
Im Ergebnis ist River’s End dadurch weniger emotional, als ich es mir am Anfang vorgestellt hatte. Es hat sich von der KomplexitĂ€t der Erlebnisse ein wenig gelöst und konzentriert sich auf Erfahrungen, die jeder von uns wahrscheinlich schon gemacht hat: Loslassen mĂŒssen und hoffen. Und trotz unserer anfĂ€nglichen Absicht neutral zu bleiben, enthĂ€lt es am Ende doch noch eine Aufforderung an uns alle.

Flammen entzĂŒnden die Tage.
Sie waren blind fĂŒr die Funken.

Es sind stellvertretende Flammen fĂŒr alles, was ein Leben so sehr aufrĂŒtteln kann, dass es aus den Fugen gerĂ€t. Es sind nicht nur Kriege und Naturkatastrophen, manchmal reicht schon der Verlust einen Arbeitsplatzes. Überraschend und zur falschen Zeit. Es kann ĂŒberall passieren. Auch hier.
Die Menschen, die die Funken nicht sehen, sind nicht die Betroffenen, sondern diejenigen, die das Feuer gelegt haben. Unwissentlich oder mit geschlossenen Augen.

DĂŒrrer Mann, der uns Traurigkeit und Angst anbot
bringt uns dazu, nach einem neuen Zuhause zu suchen,
forderte alles fĂŒr seinen Thron.
Da gab es nichts mitzunehmen, zu den Wellen,
außer einem hoffnungsvollen Abschied und meinem Leben.

In der ersten Fassung des Textes hieß es nicht „dĂŒnner Mann“ (Thin man), sondern einfach „seltsamer Mann“ beziehungsweise Fremder (Strange man). Diese Textstelle wurde so spĂ€t geĂ€ndert, dass ich mich bis heute auf der BĂŒhne regelmĂ€ĂŸig dabei erwische, dass ich „strange“ singe, wĂ€hrend ich den Rest des Liedes eigentlich fehlerfrei auswendig kann. Dieser Mann ist das GefĂŒhl, wenn einem plötzlich alles entrissen wird, was man aufgebaut und erarbeitet hat, sodass außer einem Neuanfang nichts ĂŒbrigbleibt. In diesem Sinne löst sich River’s End von dem Gedanken der Flucht und begleitet jeden, der im Leben viel verloren hat.

Ich werde Briefe und TrÀnen meiner Kinder und Freunde mitnehmen,
zu dem Ort, an dem der Fluss endet.

Briefe und TrÀnen oder auch Erinnerungen und das Wissen, vermisst zu werden.

Eines Tages wĂŒnscht es sich, zurĂŒckzukehren,
zu dem Ort, an dem es alle seine Liebe zurĂŒckließ,
in einem Moment aus Hoffnung und Abschied.

Egal wie es dazu kommt: Was kann schlimmer sein, als geliebte Menschen zurĂŒcklassen zu mĂŒssen? Sie zurĂŒckzulassen, weil man sie liebt?

Nun haben wir eine Zukunft zu bauen.
HĂ€tten wir keine ĂŒbereinstimmenden Narben gefunden

unsere Welten wĂŒrden getrennt bleiben.

Es ist kein einfacher Zugang zu einem Menschen. Doch wenn er gelingt, kann er sehr tragfĂ€hige Verbindungen bauen: Gemeinsam erlebte oder gegenseitig verstandene schmerzhafte Erlebnisse. So unterschiedlich Kulturen und die einzelnen Menschen darin auch sind: Unsere Antriebe, Ängste und unsere Verletzlichkeit sind einander sehr viel Ă€hnlicher, als wir uns oft eingestehen wollen.
Die Menschheit hat nicht nur in der Natur, sondern auch in der weltweiten Gesellschaft Entwicklungen angestoßen, die wir nicht einfach zurĂŒcknehmen können. Ich halte es fĂŒr möglich, dass wir auch von manchen der uns vertrauten Strukturen und Gewohnheiten Abschied nehmen mĂŒssen. In der Hoffnung, dass unser Weg beinahe ein Rundgang ist, der uns wieder zu diesen Strukturen zurĂŒckfĂŒhrt. Sobald wir gelernt haben, wie wir sie verbessern können. Je frĂŒher wir anfangen darĂŒber nachzudenken und uns bewusst zu Ă€ndern, desto schneller und schmerzloser könnte diese „Reise zum Ende des Flusses“ wieder vorbeigehen.
Das ist die Hoffnung, die uns oft weitermachen lĂ€sst: Dass wir zum Guten zurĂŒckkommen, wenn wir nur weit genug vorwĂ€rts gehen. River’s End hingegen endet mit einer der grĂ¶ĂŸten Ängste: Irgendwann anzukommen und festzustellen, dass der Weg nicht im Kreis gefĂŒhrt hat und dass ein Neubeginn nur möglich ist, wenn wir unsere Vergangenheit zurĂŒcklassen.

Nur Briefe und TrÀnen von meinen Kindern und Freunden
finden den Ort, an dem der Fluss endet.

Song of Sorrow – Lyrics

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Erinnerung an Metal

Bei beinahe jedem Auftritt erzĂ€hle ich die Geschichte von den AnfĂ€ngen von CatoD als Metalband. Die meisten von euch wissen inzwischen, wie unsere Band anfing: Schlagzeug, zwei Gitarren, ein Bass, Gesang und der Traum, irgendwann eine Metalband zu haben. Im Nachhinein bezweifle ich, dass wir uns jemals auf eine Sorte Metal hĂ€tten einigen können. Schon meine Vorliebe fĂŒr Nightwish und Verwandte, hĂ€tte sich auf Dauer nur schwer mit folgender scherzhaften Aussage eines meiner Kollegen in Einklang bringen lassen: „Mit einem Keyboard spiel ich aber nicht in der Band!“ Ihr alle wisst, dass es mit der Metal Band dann auch nicht lang gehalten hat.
Wieso erzĂ€hle ich das jedes Mal bevor wir Song of Sorrow spielen? DafĂŒr gibt es zwei GrĂŒnde:
1) Ich bin nicht besonders gut darin, mir Ansagen auszudenken. Lustige Texte passen nicht zur Musik und ohnehin könnte ich auf der BĂŒhne niemals ĂŒberzeugend Witze erzĂ€hlen. Spontan irgendwas zu reden, das sich anfĂŒhlt, als wĂŒrde es lohnen gehört zu werden, ist aber auch nicht mein Fall.
2) Song of Sorrow fĂ€llt selbst in unserer Musik ziemlich auf und ich glaube, ich habe aus irgendwelchen GrĂŒnden das GefĂŒhl, mich dafĂŒr rechtfertigen zu mĂŒssen. Übertrieben gesprochen habe ich AlbtrĂ€ume davon, dass wir Song of Sorrow spielen und wĂ€hrenddessen das Publikum den Saal verlĂ€sst. Denn obwohl Song of Sorrow aus unseren Metalband-Zeiten stammt, ist auch vielen Metalfans die Kombination aus hohem Beinahe-Sprechgesang und harten Riffs auf dem Keyboard etwas zu abwegig. Wieso spielen wir das StĂŒck trotzdem?

Song of Sorrow wurde zwar in der alten CatoD Besetzung begonnen, dort aber nie vollstĂ€ndig zu Ende geschrieben. Dann waren wir plötzlich nur noch zu dritt (Keyboard, Schlagzeug, Gesang). Wir begannen, uns aneinander und an das gemeinsame Liederschreiben heranzutasten. Was schien da naheliegender, als erstmal das umzuschreiben (Bild einer Stadt) und fertig zu schreiben (Song of Sorrow), was es schon gab? Und es hat Spaß gemacht. Song of Sorrow zu singen macht mir Spaß. Trotzdem gebe ich gern zu, dass es sich von einem Mann und mit gutturalem Gesang sicher deutlich beeindruckender anhören wĂŒrde. Sollte unser Programm jemals zu lang fĂŒr unsere Auftritte werden, so wird Song of Sorrow wohl als eines der ersten StĂŒcke auf die Ersatzbank rutschen mĂŒssen. Ein Grund mehr, es bis dahin jedes Mal zu genießen. 😀

Kommen wir zum Text.
Er beginnt mit Dunkelheit und Licht (natĂŒrlich nicht ganz so viel Licht wie Dunkelheit) und Drama. Wirklich interessant wird es in der dritten Zeile:

Jetzt wĂŒnsche ich mir, eine Antwort darauf zu finden, weshalb wir alle sterben mĂŒssen.

Gemeint ist hier gar nicht so sehr das Sterben im körperlichen Sinne. Es bezieht sich eher auf das vergessen werden nach dem Tod. Also auf das Verschwinden jeder Erinnerung an das Leben, das man gefĂŒhrt hat.
In der vierten Zeile verwirrt wohl vor allem die Wahl der Pflanze. Wieso Ringelblumen?

Unsere Ringelblumen verwelken noch wÀhrend wir am Leben sind.

Was mir auch erst bei der Recherche fĂŒr das Lied klar wurde: Ringelblumen (engl. Marigold – Mariengold) haben eine Vielzahl symbolischer Bedeutungen und sind unter anderem auch Friedhofsblumen.

Alles was wir immer hören wollen ist, wie schön wir sind,
wĂ€hrend die Grazie der Welt in stummen Ängsten verloren geht.

Auch sehr blumig ausgedrĂŒckt, aber die Botschaft ist klar: Anstatt uns darum zu kĂŒmmern, dass wir in unserem gesellschaftlichen Umfeld gut dastehen, sollten wir uns etwas mehr darum kĂŒmmern, was diese Gesellschaft eigentlich belastet. Und dabei besonders achtgeben auf das, was uns nicht sofort ins Auge springt.

Nun sind wir an die Erwartung gebunden, dass ein Erbe gemacht ist, um zu ĂŒberdauern
und weinen uns selbst in den Schlaf, wÀhrend wir TrÀume in der Ferne verstecken.

Oder anders ausgedrĂŒckt: Wir sollten unsere TrĂ€ume leben, solange wir sie haben, anstatt Besitz anzuhĂ€ufen, der uns irgendwann nichts nĂŒtzen wird. Ja, das klingt ein wenig nach einem
Bibelgleichnis. Und ein bisschen nach Bild einer Stadt. 😉

Wir schlafen ein

und im Spiegel meiner TrÀume sehe ich, dass Geschichten immer enden.
In mir selbst verloren hoffe ich, dass ich heute in deinen Augen sehe,
dass du kommst, um mein Leben zu verschonen.
Komm und bewahre mein Leben tief in deinen leeren Augen.

Am Ende mĂŒssen wir ja doch alle sterben. Und ich hoffe, dass du dich an mich erinnern wirst.
Ein guter Freund von mir hat vor Jahren in der SchĂŒlerzeitung unserer Schule ein Gedicht veröffentlicht, an das er sich wahrscheinlich schon fast selbst nicht mehr erinnert. Darin, wenn ich mich richtig erinnere, lautete eine Zeile etwa: „Ich warte auf Interesse an mir“. Das trifft fĂŒr mich die Metapher der leeren Augen sehr gut und erklĂ€rt auch den nĂ€chsten Satz:

Was wir niemals verstehen werden: Höflichkeit wird immer lĂŒgen.
Die Worte eines Fremden ĂŒberdauern nur so lange, wie die Wahrheit sie an Herzen bindet.

Oder etwa, als lyrisches Ich gesprochen: Es ist nett, dass ihr höflich und nett zu mir seid. Doch ich warte auf jemand, der echtes Interesse an mir hat.

Nun kennst du des RĂ€tsels Ende, weshalb wir alle sterben mĂŒssen.

Aber:

Du wirst kommen und mein Leben bewahren. Noch einen weiteren Tag.

Bild einer Stadt – Lyrics

Zwei kleine Anmerkungen vorweg: 1) Der deutsche Liedtext ist auf der zweiten Seite
2) Falls ihr den Beitrag ĂŒber die #Behind_the_Lyrics Seite aufruft und euch die Schrift zu klein ist: Wenn ihr auf den Titel des Beitrags klickt wird die Schrift grĂ¶ĂŸer. 😉

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Ein Text fĂŒr einen Traum

Bild einer Stadt ist nicht nur das erste StĂŒck der Reihe. Es fĂ€llt auch aus einem anderen Grund auf. 15 Lieder hat Cataract of Dreams bisher geschrieben. Bild einer Stadt ist aber noch immer das einzige, das einen deutschen Text hat. Woran liegt das?

Es ist kein Geheimnis, dass ich keine gut ausgebildete SĂ€ngerin bin. Ich spiele Trompete seit ich acht oder neun bin. Mit vierzehn schrieb ich meine ersten Gedichte. Doch ich habe nie Gitarre oder Klavier gelernt und gesungen habe ich, wenn ĂŒberhaupt, im Schulchor.
Gegen Ende der Mittelstufe entdeckte ich dann, dass singen fĂŒr mich doch mehr ist, als nur ein Hobby. Im Abiturjahr lernte ich den Schlagzeuger kennen, der heute noch mit mir auf der BĂŒhne steht. Und als ich nach einem Auslandsjahr nach Deutschland zurĂŒckkam, stand fĂŒr uns beide fest, dass wir eine Band brauchen.

Kein Instrument zu beherrschen, das mehr als einen Ton gleichzeitig spielen kann, ist fĂŒr meinen Zugang zur Musik Segen und Fluch zugleich. Ein Segen, weil ich nie in Versuchung kam, mich beim Melodienschreiben auf bekannte Akkordmuster zu verlassen. Ein Fluch, weil es mir den Zugang zum Songwriting allgemein erschwerte. Daher besuchte ich schon vor der BandgrĂŒndung ein sogenanntes Songwriting-Seminar. Dauer: Ein Wochenende. Ich erhoffte mir kreative Ideen, wie man ohne den typischen Singer-Songwriter-Ansatz ein Lied schreiben könnte. TatsĂ€chlich fragte ich extra nach, ob es nötig wĂ€re, Gitarre spielen zu können. – Angeblich war es nicht nötig. Hochmotiviert und einigermaßen naiv kam ich dort an. Doch schon in der ersten Theoriestunde war klar, dass mich das nicht weiterbringen wĂŒrde. Wir lernten die Standard-Theorie der Akkorde fĂŒrs Liederschreiben. Danach zogen sich alle anderen mit ihren Gitarren oder ans Klavier zurĂŒck und schrieben StĂŒcke. Ich fĂŒhlte mich
 irgendwie ĂŒberflĂŒssig.
Zu sagen ich wÀre enttÀuscht gewesen, trifft es nicht ganz. Bodenlos frustriert wÀre eine bessere Beschreibung. Aber ich wollte unbedingt auch ein Lied schreiben. Also tat ich das einzige, von dem ich wusste, dass ich es halbwegs konnte: Ich schrieb ein Gedicht. Auf Deutsch, denn so war ich es gewohnt. Allerdings hatte dieses Gedicht Strophen und man konnte es auf einen Vier-Vierteltakt sprechen.

In Bild einer Stadt finden sich daher einige Thematiken wieder, die ich damals fĂŒr mich mit Frustration verknĂŒpft waren und mir in dieser Stimmung also automatisch in den Sinn kamen. Sie sind kurz und prĂ€gnant, wenig elegant ausgefĂŒhrt. Die Metapher mit den Schildern in der Stadt hatte ich schon vor dem Seminar geschrieben. Sie war motiviert von meiner Lebenssituation nach dem Abitur: Alle TĂŒren standen offen. Aber niemand konnte mir sagen, was mich am Ende glĂŒcklich machen wĂŒrde.
In der Schule fiel ich dadurch auf, dass ich schon recht frĂŒh wusste, was ich spĂ€ter studieren möchte. Zu Beginn der elften Klasse sagte ich meinem Physiklehrer, er dĂŒrfe mir den Spaß an diesem Fach nicht verderben, weil ich spĂ€ter Physik studieren wĂŒrde. Und genau das hab ich auch getan. Allerdings hatte ich auch das GefĂŒhl, dass die glatten Übergange, von der Schule ins Studium und dann in den Beruf, kreativere WerdegĂ€nge etwas auf der Strecke lassen. Damit meinte ich damals gar nicht unbedingt kĂŒnstlerische Berufe, sondern eher das Ausleben von kleinen TrĂ€umen und Hobbys.

Weil unser Blick immer vorwÀrts strebt
und jeder Traum einfach untergeht.

Viel schlimmer aber fand ich die Einstellung mancher Erwachsenen zum Thema GlĂŒck. Oder wenigstens meinen damaligen Eindruck ihrer Einstellung: NĂ€mlich alle schönen Dinge im Leben aufzuschieben. Im Beruf ist keine Zeit, Karriere ist wichtiger. Aber wenn die Arbeit mal vorbei ist, hat man endlich Zeit fĂŒr all das, was man sein ganzes Leben schon tun wollte
 Vorausgesetzt, dass man so lange lebt.

Weil unser GlĂŒck in der Zukunft liegt.
Weil fĂŒr uns „Jetzt“ keinen Sinn ergibt.

In der zweiten Strophe kommt dann noch die allgemeine Kritik daran, dass KreativitÀt nur anerkannt wird, wenn sie einem produktiven Zweck dient.

Weil Fantasie strukturiert sein muss
und jeder lebt – völlig unbewusst.

Der letzte Abschnitt der zweiten Strophe liest sich nicht besonders elegant. Mit der Formulierung „weil nette Worte so selten sind“, war ich nie wirklich zufrieden. Sie klingt etwas naiv. Damals fiel mir, ehrlich gesagt, einfach keine bessere Variante ein. Der Satz drĂŒckt aber zwei Meinungen aus, die ich bis heute im Wesentlichen genauso vertrete:

Weil niemand sich noch selbst erkennt
und nette Worte so selten sind.

Manchmal haben Menschen eine geradezu absurde Angst, sich einander zu öffnen. Als mĂŒssten wir uns fĂŒr unsere Persönlichkeit schĂ€men und sie deshalb hinter Konventionen verstecken. Wir alle wissen auch wie schön es sein kann, ĂŒberraschend etwas nettes gesagt zu bekommen. Es mag komisch sein, wenn es von einem Fremden kommt, aber wir freuen uns darĂŒber. Trotzdem lassen wir andauernd gute Gelegenheiten verstreichen, um einander ehrliche Komplimente zu machen oder unseren Beistand auszudrĂŒcken. Warum eigentlich?

Bild einer Stadt wurde auf dem Seminar dann doch noch vertont. Mit der Hilfe einer jungen Frau, der ich, glaube ich, vor allem leidgetan habe. Unsere erste Besetzung von Cataract of Dreams spielte dann eine leicht geĂ€nderte Version mit Gitarren. Danach wurde das StĂŒck noch zweimal umgeschrieben. Einmal fĂŒr die Besetzung nur mit Gesang und Klavier und dann noch einmal fĂŒr Klavier und Trompete. So hat mein erster richtiger Liedtext die ganze Entstehungsgeschichte von CatoD begleitet. WĂŒrde man fĂŒr den Achtzehnten Geburtstag dieser Band ein Bilderalbum anfertigen wollen, so wĂ€ren die Liveaufnahmen dieses StĂŒckes ĂŒber die Jahre ein guter Anfang.

Behind the Lyrics

Hallo an Alle 😊

Als SÀngerin von CatoD wurde ich privat schon mehrfach aufgefordert, in meinen Ansagen auch etwas zum Hintergrund unserer Liedtexte zu sagen. Allerdings finde ich, dass sich solche Textinterpretationen oft nur schwer in drei SÀtzen unterbringen lassen. Von langen Ansagen wird erwartet, dass sie unterhaltsam sind. Wer abends weggeht, um Musik zu hören, hat verstÀndlicherweise keine Lust, sich drei Minuten Vortrag zu Songtexten anzuhören.
Trotzdem will ich euch die Hintergrundgedanken zu unseren Texten natĂŒrlich nicht vorenthalten.

“Behind the Lyrics” soll eine Reihe von BlogbeitrĂ€gen werden – einen fĂŒr jedes Lied, das wir bisher geschrieben haben. Darin werde ich meine persönliche Übersetzung des Liedtextes liefern. Ich werde euch erzĂ€hlen, wie der Text entstanden ist und was wir uns dabei gedacht haben.
Die Posts werde ich unter #Behind_the_Lyrics veröffentlichen:

http://www.kath-east.de/tag/behind-the-lyrics/

Ich schreibe diesen Post nicht umsonst auf meinem privaten Blog. Was ich euch vorstellen möchte, ist meine persönliche Interpretation. Zwar bin ich von beinahe allen unserer Texte der Hauptautor, trotzdem entspricht meine Meinung in den Texten, als auch meine Meinung ĂŒber die Texte nicht unbedingt der Meinung der anderen Bandmitglieder. Falls ihr also Fragen oder Diskussionspunkte bezĂŒglich der Interpretationen habt: Schreibt mir gern. Aber schreibt mir als Privatperson. 😉
FĂŒr den ersten Abschnitt habe ich die vier StĂŒcke ausgewĂ€hlt, die am dichtesten mit der Anfangszeit von CatoD verknĂŒpft sind. Einen neuen Beitrag gibt es jeden Montagabend nach unserer Bandprobe.
Viel Spaß beim Lesen!

Sommersturm (26.07.2018)

Die Luft zittert, weich und zÀrtlich, wie ein Windhauch im Sommer.
Deine Augen sind geschlossen und die Welt steht still. Lauscht deinem Herzschlag. Lausche du ihrem Zittern.
Hier liegt eine Ruhe in jedem Stein, eine in jedem Atemzug und auf einmal, von irgendwoher beginnst auch du zu zittern. Eine Vorfreude, tief in deiner Seele, wie ein Verliebtsein, nur unerforschter, wie das Gegenteil unfassbarer Wut.
Was immer dich erfĂŒllt, es braucht dich jetzt. Wind erhebt sich in deinen Haaren und fĂ€hrt durch dein Gesicht. Ein Herzschlag, flatternd wie ein Vogel, will plötzlich stark und unantastbar sein. Jede Geste, jedes Wort und Ton, verwandelt nun ein Zittern in einen Sommersturm und alles dreht sich nur um dich.
Es ist ein Orkan, der die WĂ€nde davonreißt und von dort wo du stehst lĂ€sst du Berge wachsen. Dann, im nĂ€chsten Moment, spĂŒrst du Gras an den FĂŒĂŸen. Du bist wie ein Engel. Deine Schultern schmerzen am FlĂŒgelansatz und deine Schwingen breiten sich aus, bis hinaus in den Sonnenaufgang.
In diesem einen Moment lÀsst sich alles Àndern. Um dich herum zittert die Welt.
Hörst du es flĂŒstern? Da weht ein Wind durch deine Federn.
Sei der Schmetterling, dessen FlĂŒgelschlag den Sommersturm entfacht.

Vorlesung C (22.03.2018)

Hallo an alle 🙂
Es gibt neue, von mir gelesene Gedichte auf YouTube:

Vorlesung C – Termin 2

Nachdem die zweite Lyrikabend-Veranstaltung in den PhysikgebÀuden der UniversitÀt eigentlich schon im Januar stattfand, hat es eine Weile gedauert, bis ich dazu kam die Aufnahmen hochzuladen.
Der dritte Termin ist schon im April, diesmal voraussichtlich zum Thema “FrĂŒhlingsgefĂŒhle”.

(18.03.2018)

Und ich breite meine FlĂŒgel aus…
Wohin soll ich fliegen? Das Wasser
unter mir ist tief und schwarz. Es
brodelt in dunklen Tönen. Der Himmel
ĂŒber mir, bedeckt von gejagten Wolken,
zeigt mir den Weg zu mir. Dort ist
das Licht.

Mein Herz schlÀgt verzweifelt nach oben,
nach unten drĂŒckt mich meine Angst.
Wenn meine FlĂŒgel stark sind kann ich
es schaffen, wenn sie schwach sind werde
ich fallen.

Das Wasser ist so kalt und so hell strahlt
die Sonne ĂŒber mir. Rauer Nordwind
ich flehe dich an, erlöse mich!

geschrieben von Lisa Hersacher

I carry your heart with me (24.01.2018)

i carry your heart with me(i carry it in
my heart)i am never without it(anywhere
i go you go,my dear;and whatever is done
by only me is your doing,my darling)
                                                      i fear
no fate(for you are my fate,my sweet)i want
no world(for beautiful you are my world,my true)
and it’s you are whatever a moon has always meant
and whatever a sun will always sing is you
here is the deepest secret nobody knows
(here is the root of the root and the bud of the bud
and the sky of the sky of a tree called life;which grows
higher than soul can hope or mind can hide)
and this is the wonder that’s keeping the stars apart
i carry your heart(i carry it in my heart)

 

(E. E. Cummings.)