Segelgedanken VIII

Die Bilder von heute sind wohl (bis auf das Regenwetter) eher auf flache Art und Weise idyllisch. Das passt aber auch garnicht schlecht zu dem Thema, das mich heute den Tag über beschäftigt. Es beginnt, als wir mitten am Tag in einer Stadt anlegen. Beim Durchfahren sah sie nicht nach etwas besonderem aus. Auch haben wir nur wenig Zeit, da wir vor dem Feierabend der Hebebrücken noch ein Stück weiterkommen müssen. Die Stadt jetzt kurz anzuschauen, wird ziemlich sicher stressig. Trotzdem halten wir an. Und zwar weil in einem Reiseführer steht, dass es sich um ein wirklich nettes Städchen handelt. Mir kommt das ein wenig vor, als würden wir Briefmarken oder Klebebildchen sammeln. Nur das wir Städtchen sammeln, bei denen wir dann vor unseren Freunden sagen können: “Da war ich auch schonmal, ein wirklich nettes Städtchen”.
Dabei finde ich es wirklich beeindruckend, dass Menschen scheinbar Erinnerungen an gute Restaurants oder besonders schöne Orte mit dem Namen der zugehörigen Stadt verbinden können. Für mich ist ein Urlaub, wie eigentlich das ganze Leben, eine Ansammlung schöner Einzelbilder. Dazwischen liegen mehr oder weniger lange Strecken nicht so sehenswerter Episoden. Aus diesem Urlaub werde ich unter anderem das Gefühl mitnehmen, durch enge Gässchen zu wandern. Rechts und links stehen alte, sehr gemütlich wirkende Häuser aus rotem Stein mit wunderschönen Gärten vor der Haustür. Es ist traumhaft keine Frage. Doch ob ich dieses Gefühl aus drei oder fünf verschiedenen Dörfern mitnehme, spielt für mich keine Rolle. Und wie diese spezielle Stadt dann heißt, die im Reiseführer als nett beschrieben wird, ist mir eigentlich egal.

(Das Bild unten ist übrigens während dem Fahren entstanden. Solange andere innerhalb einer Stunde die Stadt besichtigt und Kaffee getrunken haben, saß ich entspannt mit einem Buch auf unserem Schiff).

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