Segelgedanken I

Es ist der erste Tag des diesjährigen Segelurlaubs. Heute ist außerdem ein Tag, der mit wichtigen Kindheitsklischees bricht: Weder der Himmel noch das Wasser ist blau. Am Horizont türmen sich dunkel-stahlgraue Wolken und das Meer ist Trollgrün mit weißen Schaumkronen. Am Anfang scheint über uns noch die Sonne. Durch das Licht ziehen kleine weiße Vögel mit schwarzem Kopf, die aussehen wie kleine Möwen aber eigentlich keine sind. Wenig später beginnt es zu regnen, die Wellen werden ein klein wenig höher. Meine tierischen Instinkte denken wahrscheinlich, ich befinde mich in Lebensgefahr. Das würde diese angenehme Leere erklären, die sich in meinem Kopf ausbreitet. Während über und unter mir Wasser ist, denke ich nicht an das, was ich diesen Sommer noch zu erledigen habe. Gefühle jeder Art werden am Rande des Bewusstseins bis weit unter die Schmerzgrenze verdrängt. Übrig bleiben der Regen, der Wind und meine Faszination für diese unwirklichen Farben, für die Vögel, die sich an dem Wetter nicht zu stören scheinen… Es ist eine Flucht. Aber für den Augenblick tut sie gut und damit hat sie ihren Zweck wohl erfüllt.

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