Song of Sorrow – Lyrics

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Erinnerung an Metal

Bei beinahe jedem Auftritt erzähle ich die Geschichte von den Anfängen von CatoD als Metalband. Die meisten von euch wissen inzwischen, wie unsere Band anfing: Schlagzeug, zwei Gitarren, ein Bass, Gesang und der Traum, irgendwann eine Metalband zu haben. Im Nachhinein bezweifle ich, dass wir uns jemals auf eine Sorte Metal hätten einigen können. Schon meine Vorliebe für Nightwish und Verwandte, hätte sich auf Dauer nur schwer mit folgender scherzhaften Aussage eines meiner Kollegen in Einklang bringen lassen: „Mit einem Keyboard spiel ich aber nicht in der Band!“ Ihr alle wisst, dass es mit der Metal Band dann auch nicht lang gehalten hat.
Wieso erzähle ich das jedes Mal bevor wir Song of Sorrow spielen? Dafür gibt es zwei Gründe:
1) Ich bin nicht besonders gut darin, mir Ansagen auszudenken. Lustige Texte passen nicht zur Musik und ohnehin könnte ich auf der Bühne niemals überzeugend Witze erzählen. Spontan irgendwas zu reden, das sich anfühlt, als würde es lohnen gehört zu werden, ist aber auch nicht mein Fall.
2) Song of Sorrow fällt selbst in unserer Musik ziemlich auf und ich glaube, ich habe aus irgendwelchen Gründen das Gefühl, mich dafür rechtfertigen zu müssen. Übertrieben gesprochen habe ich Albträume davon, dass wir Song of Sorrow spielen und währenddessen das Publikum den Saal verlässt. Denn obwohl Song of Sorrow aus unseren Metalband-Zeiten stammt, ist auch vielen Metalfans die Kombination aus hohem Beinahe-Sprechgesang und harten Riffs auf dem Keyboard etwas zu abwegig. Wieso spielen wir das Stück trotzdem?

Song of Sorrow wurde zwar in der alten CatoD Besetzung begonnen, dort aber nie vollständig zu Ende geschrieben. Dann waren wir plötzlich nur noch zu dritt (Keyboard, Schlagzeug, Gesang). Wir begannen, uns aneinander und an das gemeinsame Liederschreiben heranzutasten. Was schien da naheliegender, als erstmal das umzuschreiben (Bild einer Stadt) und fertig zu schreiben (Song of Sorrow), was es schon gab? Und es hat Spaß gemacht. Song of Sorrow zu singen macht mir Spaß. Trotzdem gebe ich gern zu, dass es sich von einem Mann und mit gutturalem Gesang sicher deutlich beeindruckender anhören würde. Sollte unser Programm jemals zu lang für unsere Auftritte werden, so wird Song of Sorrow wohl als eines der ersten Stücke auf die Ersatzbank rutschen müssen. Ein Grund mehr, es bis dahin jedes Mal zu genießen. 😀

Kommen wir zum Text.
Er beginnt mit Dunkelheit und Licht (natürlich nicht ganz so viel Licht wie Dunkelheit) und Drama. Wirklich interessant wird es in der dritten Zeile:

Jetzt wünsche ich mir, eine Antwort darauf zu finden, weshalb wir alle sterben müssen.

Gemeint ist hier gar nicht so sehr das Sterben im körperlichen Sinne. Es bezieht sich eher auf das vergessen werden nach dem Tod. Also auf das Verschwinden jeder Erinnerung an das Leben, das man geführt hat.
In der vierten Zeile verwirrt wohl vor allem die Wahl der Pflanze. Wieso Ringelblumen?

Unsere Ringelblumen verwelken noch während wir am Leben sind.

Was mir auch erst bei der Recherche für das Lied klar wurde: Ringelblumen (engl. Marigold – Mariengold) haben eine Vielzahl symbolischer Bedeutungen und sind unter anderem auch Friedhofsblumen.

Alles was wir immer hören wollen ist, wie schön wir sind,
während die Grazie der Welt in stummen Ängsten verloren geht.

Auch sehr blumig ausgedrückt, aber die Botschaft ist klar: Anstatt uns darum zu kümmern, dass wir in unserem gesellschaftlichen Umfeld gut dastehen, sollten wir uns etwas mehr darum kümmern, was diese Gesellschaft eigentlich belastet. Und dabei besonders achtgeben auf das, was uns nicht sofort ins Auge springt.

Nun sind wir an die Erwartung gebunden, dass ein Erbe gemacht ist, um zu überdauern
und weinen uns selbst in den Schlaf, während wir Träume in der Ferne verstecken.

Oder anders ausgedrückt: Wir sollten unsere Träume leben, solange wir sie haben, anstatt Besitz anzuhäufen, der uns irgendwann nichts nützen wird. Ja, das klingt ein wenig nach einem
Bibelgleichnis. Und ein bisschen nach Bild einer Stadt. 😉

Wir schlafen ein…
und im Spiegel meiner Träume sehe ich, dass Geschichten immer enden.
In mir selbst verloren hoffe ich, dass ich heute in deinen Augen sehe,
dass du kommst, um mein Leben zu verschonen.
Komm und bewahre mein Leben tief in deinen leeren Augen.

Am Ende müssen wir ja doch alle sterben. Und ich hoffe, dass du dich an mich erinnern wirst.
Ein guter Freund von mir hat vor Jahren in der Schülerzeitung unserer Schule ein Gedicht veröffentlicht, an das er sich wahrscheinlich schon fast selbst nicht mehr erinnert. Darin, wenn ich mich richtig erinnere, lautete eine Zeile etwa: „Ich warte auf Interesse an mir“. Das trifft für mich die Metapher der leeren Augen sehr gut und erklärt auch den nächsten Satz:

Was wir niemals verstehen werden: Höflichkeit wird immer lügen.
Die Worte eines Fremden überdauern nur so lange, wie die Wahrheit sie an Herzen bindet.

Oder etwa, als lyrisches Ich gesprochen: Es ist nett, dass ihr höflich und nett zu mir seid. Doch ich warte auf jemand, der echtes Interesse an mir hat.

Nun kennst du des Rätsels Ende, weshalb wir alle sterben müssen.

Aber:

Du wirst kommen und mein Leben bewahren. Noch einen weiteren Tag.

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