Emperor of the Sun – Lyrics

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Ich halte ein Versprechen

Am Beginn jeder Bandgeschichte steht eine, in dem Moment gefühlt sehr prägende, Entscheidung: Die Suche nach dem richtigen Namen. Welche Kriterien muss ein guter Name erfüllen? Wie kommt man an geeignete Vorschläge und wer darf am Ende aussuchen? Als für uns diese Entscheidung anstand bestanden wir noch aus Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang. Wir alle hörten Metal in verschiedenen Variationen und Abstufungen und es war klar, dass wir einen Namen für eine Metalband suchten. Was mich persönlich betrifft, so war und bin ich noch immer ein halbwegs romantisch veranlagter Mensch. Hätte ich die Band im Alleingang benennen dürfen, so wäre vermutlich etwas furchtbar Kitschiges dabei herausgekommen. Insofern war es ganz gut, dass wir ein durchgehend demokratisches Verfahren zur Namensfindung verwendeten.
Im ersten Schritt sammelten wir Vorschläge. Ich weiß nicht mehr, wie lang die Liste war, die wir zusammenbekamen, aber sie war lang. Dann durfte jeder die Namen streichen, mit denen er überhaupt nicht leben konnte. Was übrig blieb waren noch zwei getippte A4 Seiten, die wir anschließend in mehreren Abstimmungsrunden auf drei Vorschläge reduzierten. (Ein Name auf der langen Liste war übrigens auch eine Variation von „River’s End“). Unter diesen dreien wurde dann ein letztes Mal abgestimmt. Wir sind uns nicht mehr sicher, welches der dritte Vorschlag war. Doch am Ende der letzten Abstimmung hatten „Emperor of the Sun“ und „Cataract of Dreams“ die meisten Stimmen. „Emperor of the Sun“ lag vorne. Ich allerdings fühlte mich mit dem Namen nicht richtig wohl. Er schien mir etwas zu viel Macht auszustrahlen oder anders gesagt: Er klang für mich nicht sanft genug. Die anderen Bandmitglieder haben mir dann ein Veto gestattet und so wurde „Cataract of Dreams“ zu unserem Bandnamen. Einem unserer Gitarristen hatte „Emperor of the Sun“ damals besonders gut gefallen. Sozusagen als Entschuldigung dafür, dass ich den Namen abgelehnt hatte, versprach ich ihm, dass ich ein Lied mit „Emperor of the Sun“ als Titel schreiben würde. Darum war in dem Stück ursprünglich ein längeres Gitarrensolo eingeplant zwischen vorletztem und letztem Refrain eingeplant. Ich habe mein Versprechen zwar gehalten. Aber zu spät. Als Emperor of the Sun fertig war, hatte sich unsere Metalbesetzung bereits aufgelöst und der Gitarrist die Band verlassen.

Ein Gedicht zu einem vorgeschriebenen Thema zu schreiben, finde ich extrem schwierig. Ein Lied zu einem existierenden Titel zu schreiben ist leichter, aber immer noch nicht einfach. Mein erster Ansatz war zu überlegen, wer der Herrscher der Sonne überhaupt sein könnte. Letztendlich habe ich beide Gedanken, die ich dazu hatte, verbunden.
In der ersten Strophe geht es um einen wörtlichen Herrscher der Sonne: Einen Gott. Er hat eine Welt erschaffen. Doch als die Zeit vergeht und kein Mensch sich als würdiger Gesellschafter erweist, beginnt der Gott Einsamkeit zu spüren.

Er weiß, dass er für alle Zeit allein bleiben wird.
Nicht ein einziger Engel wurde geboren.

Je mehr Zeit vergeht, desto gleichgültiger wird er. Nicht nur gegenüber seiner Schöpfung, sondern auch gegenüber sich selbst.

Blut fließt durch sein Herz, Gleichgültigkeit zerreißt ihn.

Er weiß: Wenn er die Welt vernachlässigt wird selbst die Sonne, die er als endlos leuchtend erdachte hatte, irgendwann ausgehen und nicht nur das Universum, sondern auch den Herrscher selbst in Dunkelheit zurücklassen.

Er weiß, dass die Dunkelheit kommen wird.
Seine Stille Hoffnung – Sie ist schon fort.

Doch am Ende gibt er trotzdem auf und seine Macht verschwindet mit der verlöschenden Sonne.

Da gab es einst ein junges Licht, einen Gedanken
und den Herrscher der Sonne.
Doch nun ist die Ewigkeit gekommen.

Den Herrscher in der zweiten Strophe muss man etwas länger suchen. Tatsächlich ist Herrscher der Sonne hier eher eine Beschönigung. Der Text erzählt hier von einem Soldaten, doch der glorreiche Teil der Geschichte wird nicht erzählt. In meiner Vorstellung zog er als Teil einer großen Weltmacht in den Krieg. Doch das Lied berichtet nur von seinem Fall in den Abgrund des Krieges, in dem er alles verloren hat.

Er wusste, der Krieg würde seinen Verstand brechen.
Sein Letzter Wille war schon unterschrieben.

Er wusste, er würde für alle Zeiten allein bleiben.
Seine Liebe starb im Feuersturm.

All die Sorgen, die er verursachte…

Doch all die Schrecken liegen bereits in der Vergangenheit. Die Schlacht verläuft nicht, wie es gedacht war und um nicht besiegt zu werden, wird eine Militäraktion geführt, die für diesen Soldaten die letzte werden soll.

Um der Hölle eine weitere Nacht zu entkommen,
wurden Truppen entsendet und ein weiterer Kampf erzwungen.
Blut floss durch seine Hände,
Angst schwächte ihn, er konnte es nicht ertragen.

Im Moment seines Todes taucht eine Erinnerung auf, die er verdrängt hat:

Es ist die letzte verborgene Erinnerung:
Junges Kind liegt tot unter den Bäumen.

Da gab es einst ein junges Licht, ein Leben

Es bleibt offen, ob es sein Kind ist, das tot unter dem Baum liegt und/oder ob er es getötet hat. Und auch das verlöschende Leben, um das im Refrain getrauert wird bleibt etwas im Unklaren. Das „jung“ könnte darauf hindeuten, dass es das des Kindes ist. Doch ebenso gut könnte es sein eigenes sein.

Der letzte Refrain steht in diesem Kontext etwas allein. Der Text entfernt sich immer weiter von einem konkreten Herrscher der Sonne. Am Ende geht es um das Gefühl, das ich mit „Emperor of the Sun“ verbinde: Auf einem Berg stehen und sehen wie die Sonne in nebelertränkten Tälern aufgeht, während ein warmer Wind weht. Anders gesagt: Einfach das Gefühl haben, dass die Welt nur für uns ganz allein wunderschön ist. Im letzten Refrain steht der Gedanke, wie viel länger ein solches Hochgefühl andauern kann, wenn nicht versucht wird, es mit Gewalt zu vergrößern oder für einen allein zu beanspruchen.

Wir wissen, dass die Ewigkeit kommen wird.

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