Der Glücksdrache und das Ampelmännchen

Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Für Bettina

Es war der späte Mittag des 24sten Dezember, der Tag vor Heiligabend, und der kleine Glücksdrache wanderte unruhig durch die Straßen der Stadt. Alles war laut und aufgeregt. Noch hatten nicht alle Stände des Weihnachtsmarktes abgebaut, auf den Holzdächern des Crêpe Verkäufers und des Glühweinausschanks lag Schnee und die Schuppen des kleinen Drachen hinterließen ein feines Linienmuster in dem angefrorenen Eismatsch. Suchend sah er sich um. Einmal im Jahr kam er hierher, um jemandem ein Geschenk zu machen. Viele Jahre lang hatte er im nahen Wald Weihnachten gefeiert, doch seit der Pegasus zu Neujahr immer zu seinen Kumpels nach Venedig flog, machte es keinen Spaß mehr. Beim Leute Beschenken hingegen konnte man, wenn man die Beschenkten gut auswählte und ein wenig Glück hatte – und das hatte der kleine Glücksdrache normalerweise – eingeladen werden. Dabei lernte man spannende Personen kennen und bisher hatte sich immer ein sehr netter Abend daraus ergeben. Doch dieses Jahr hatte er bisher keinen geeigneten Kandidaten gefunden. Er zuckte ratlos mit den Flügeln. Die Leute, die hier herumhuschten und die letzten Einkäufe erledigten, waren viel zu gestresst und beschäftigt, um ihn zu bemerken. Sie würden am Ende gar nicht wahrnehmen, dass er sie beschenkte und dann müsste er das Fest am Abend alleine verbringen. Mehr…

Verständnisschwierigkeiten

Ab heute ist mein erster vertonter Text auf Youtube zu hören. Er wurde geschrieben, nachdem ich einen Poetryslam mit teils sehr schönen und beeindruckenden Texten gehört hatte.
Auf der sprachlichen Ebene sind die “Alltägliche[n] Spiele und mangelnde[n] Verständnisschwierigkeiten” ein Gruß an eine faszinierende Eigenheit der deutschen Sprache. Inhaltlich ist der Text der fiktive Brief eines/r Jugendlichen an seine Eltern. Er erzählt implizit von der Enttäuschung der Eltern über schlechte Leistungen in der Schule. In der erwähnten Szene, endet diese Enttäuschung sogar in einer Ohrfeige. Das Kind indessen fühlt sich missverstanden und allein gelassen mit seinen ‘wirklichen’ Problemen. Infolge davon entsteht der Wunsch, sich von den Eltern abzugrenzen (bzw. von dem spezifischen Elternteil, der hier mit Du angesprochen wird).