Das Wesen des Unklaren

Jedes Mal wenn ich dieses Gedicht lese vergesse ich, wer es geschrieben hat. Da ist so vieles was mir bekannt vorkommt. Das unstete Herumwandern, ohne dass man wirklich wahrgenommen wird. Das Festhalten an der Kunst und der Wunsch irgendjemanden zu erreichen, vielleicht auch jemanden, den sonst nichts mehr erreicht. Und dann am Schluss die bittere Enttäuschung.
Was passiert wenn man zuerst Stalins Namen über dem Gedicht liest? Meine Erwartungen wurden enttäuscht. Ich erwartete, und denke es geht mir nicht alleine so, dass ich ein Gedicht lesen werde, gegen das ich eine Form von Abneigung empfinde. Vielleicht erwartete ich auch inhaltlich anderes. Etwas nicht so… zerbrechliches. Doch genau so fühlt es sich an. Sehr zerbrechlich und einsam und doch irgendwie selbstsicher. Als wüsste das lyrische Ich tief in seinem Herzen doch, das es Recht hat mit dem, was den Menschen bringen möchte. Es meint es ja auch ehrlich nur gut. Ich finde keine bösen Absichten in diesem Gedicht.

Was verändert das Wissen über den Autor in uns, wenn wir einen Text lesen?
Was das Lesen einer Interpretationshilfe? Einer Interpretation eines Anderen?
Weder das eine noch das andere habe ich bei Stalins Gedicht gelesen und habe es auch nicht vor. Die Schönheit und der Wert von Texten liegt in dem, was man selbst, als Person, aus ihnen mitnehmen kann. Und darin liegt zugleich die größte Gefahr für die Autoren: Sehr missverstanden zu werden.
Ich selbst habe viele Gedichte, zu denen ich gerne bei jeder Gelegenheit ein paar Sätze sagen würde. Ich vermeide es dennoch so gut ich kann. Davon das ich sage, was ich mit meinen Texten aussagen möchte, kommt die Botschaft ja nicht besser an, denn wir lesen und nehmen ohnehin nur das an, was wir selber wollen.

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