Arbeit für die Gedanken

…und Übungen im Nicht-Denken

Mit dem letzten Paket aus Deutschland kam unter anderem ein Buch über Quantenphysik mit, das ich gerade regelrecht verschlinge, weil es die einfachste Möglichkeit ist meinen Kopf zu beschäftigen, der sich gerade einigermaßen unterfordert fühlt, zumindest was Mathe und Physik betrifft, denn das wird gerade einfach nicht gebraucht und was Philosophie betrifft, weil ich dafür gerade einfach keine Zeit habe.
Auf der anderen Seite, und hier beginnt die Ironie, hat am Mittwoch das Karatetraining an der hiesigen Universität begonnen und ich genieße es, dass ich mal einfach an nichts denken und mich nur konzentrieren kann. Vielleicht ist es auch die angenehme Stille, nicht in dem Sinne, das es leise ist, sondern in dem, dass man niemandem zuhören muss (auch die Trainer sprechen nicht viel), dem man nicht zuhören will (es geht nur um Anweisungen zum Sport), die mir gefehlt hat.

Das Leben ist hart…

…aber davon, dass man das weiß, wird es auch nicht besser

Oder: Aber alles wird gut

Das sind so die Lebensmottos die in unserer WG unterwegs sind.
Es ergeben sich ja, wenn man eine Weile an interessanten Orten unterwegs ist, immer mal wieder interessante Zitate, die manchmal einer Erklärung bedürfen und manchmal eher nicht. Eine kleine Sammlung davon:

Politiker? Eigentlich kann man niemanden wählen, sie sind alle korrupt und jeder wirtschaftet in die eigene Tasche. (Arbeitskollegin auf die Frage, ob bei den nächsten Wahlen jemand gutes dabei ist)

 

Wir hätten die Dinge korrigieren müssen, die im Kommunismus schlecht waren, aber manche Dinge waren auch sehr gut organisiert und die Politiker haben alles kaputt gemacht. Jetzt sind wir nicht bei Null sondern im Minus. (Arbeitskollegin)

 

Es ist schade, dass die heutige Jugend nicht mehr so ein Leben haben kann, wie wir eines hatten. (Mein Besuchsdienst beim Wandern)

 

Hier sieht es aus, als sei ein Kind mit seiner Stadt aus Lego nicht zufrieden gewesen und habe statt zu korrigieren einfach alles eingerissen, damit es nochmal neu bauen kann. (Mein Eindruck der Innenstadt)

 

Wenn wir halt im Winter feststellen, dass wir gerne warmes Wasser hätten und es funktioniert nicht, können wir halt so viel Geld haben wie wir wollen, es nützt uns gar nichts. (WG-Kollegin als das Warmwasser ausfiel)

 

Timisoara war die erste europäische Stadt mit einer elektrischen Straßenbahn. (Mein Besuchsdienst auf die Bebachtung hin, dass die Straßenbahnen alle alt und aus Deutschland sind)

“Das Leben ist hart” stammt übrigens auch von einer WG-Kollegin und meint im Zusammenhang mit “Alles wird gut” nicht, dass alles sofort gut wird, sondern dass alles irgendwann in der Zukunft einmal gut wird… aber das mit Sicherheit.

Woche 1 – Donnerstag

(Do.) Donnerstagabend klingelt es mal wieder in meinem Kopf „Übererlebt”. Dieses Wort hat unsere rumänische, deutschsprechende Betreuerin A.G.  von der Caritas ausversehen für meinen Zustand gefunden und er trifft es ziemlich genau. In meinem Kopf tanzen Bilder: Mehr…

Tjaja

Hallo an alle 🙂

Ich weiß, dass ich mich geradezu unverschämt lange nicht mehr gemeldet habe und die Leserstatistik sagt mir, dass ihr das auch so empfindet.
Eigentlich war geplant, dass ich bei meinem Minicomeback zumindest ein selbstgemaltes Bild habe, das ich hochladen kann, aber das ist aus Zeitgründen noch nicht fertig geworden.

Mein Kopf ist vollgestopft mit Erlebnissen und Dingen. Das Tagebuch besteht seit Wochen nur noch aus Notizen, weil ich keine Zeit mehr habe in Ruhe zu reflektieren und es ausführlich zu schreiben. Auch mein Plan diesen Blog mit interessanten Gedanken zu füllen indem ich das Tagebuch poste wird scheitern, denn von Gedanken kann keine Rede sein. Gedanken sind ein Luxusgut für Menschen, die in vertrauten Umgebungen Zeit oder in fremden noch mehr Zeit haben. Ich erzähle jeden Abend von Geschehnissen, Sätzen, die andere Gesprochen haben oder schlichten Tatsachen, die an sich schon schrecklich sind, auch ohne meine Gedanken dazu. Aber die Fakten waren eigentlich für den anderen Blog gedacht.

GeschehenSeit ich in Rumänien bin schreibe ich kaum noch Gedichte oder Geschichten.
Seit ich in Rumänien bin kann ich mir immer weniger vorstellen irgendwann mal eine geregelte Arbeit zu haben.
Seit ich in Rumänien bin habe ich keine Lust mehr nach diesem Jahr mein Leben immer mehr mit festen Terminen zu füllen.
Seit ich in Rumänien bin bin ich froh um jede Sekunde, die ich Zeit habe wirklich zu denken und nicht nur zu verarbeiten.

(Foto: F.M.)