Woche 1 – Montag

Ankunft in Rumänien

(Mo.) Mir fällt nur auf, dass wir in Ungarn angekommen sind, weil es mir jemand sagt. Auf der dunklen Raststätte sieht es aus wie auf jeder Autobahnraststätte überall auf der Welt. Es ist dreckig, noch dreckiger, unfreundlich und kalt.
Einziger wesentlicher Unterschied zu deutschen oder österreichischen Parkplätzen ist der „Straßenkünstler“, der wie auf dem Jahrmarkt drei Dosen und eine Erbse hat und die Busgäste anspricht, um sie wetten zu lassen unter welcher Dose die Erbse ist, nachdem er sie vor aller Augen unter eine Dose gelegt und durchgemischt hat. Ich kann mit beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendjemand damit Geld verdienen kann, aber tatsächlich hat der Mann mehrere hundert Euro Scheine in der Hand, soweit sich das im Stockfinstern beurteilen lässt. Am Anfang ist es relativ faszinierend, diesem Irrsinn zuzusehen, doch als der „Straßenkünstler“ die hintere Bustür versperrt, weil irgendwer ihm das Geld nicht geben will, wird mir das ganze doch zu unheimlich riskant und ich sehe zu, dass ich schnell vorne einsteige und an meinen Platz komme. Mehr…

Doch noch was aktuelles

Ich fahre in den “Urlaub…”

Carani geht ab dem 1. September mit den behinderten Kindern, die dort betreut werden, zu einem Salzbergwerk und macht dort eine Art Kur und Ausflüge.
Ich gehe als Betreuerin mit. Für 12 Tage…
Mir wurde ein Kind, sowie ein Zimmer zugeteilt, für die ich verantwortlich bin…
Ich hab Angst…

Ich bin mir außerdem noch nicht sicher, ob das Vorbereitungsgespräch über die Ausfahrt dazu gedacht war, mich zu beruhigen, oder doch eher dazu, mich zu beUNruhigen… Wenn mir einer der langjährigen Betreuer erzählt, dass es ihnen auf dieser Ausfahrt auch hin und wieder mal zu viel wird, sodass sie sich einen Tag frei nehmen…

JvtS – 27.07.14 (So.)

Woche 1 (Ende Juli – August)

(So.) Der Kulturschock hat sich schon auf dem Busbahnhof in Stuttgart von hinten angeschlichen, folgt uns in den Bus und überfällt uns, sobald wir drinnen sind. Der Bus kommt aus Paris, Endstation ist Bukarest. Er ist voll besetzt. Fast alle Fahrgäste sind draußen, um sich die Füße zu vertreten. Wir haben alle drei keine Ahnung welche Plätze frei sind. Was an sich kein Problem ist. Das Problem ist viel eher, dass in diesem Bus praktisch niemand Deutsch kann.
Am Ende verständigt man sich mit Zeichensprache, der Busfahrer hilft und meine beiden Mitreisenden bekommen sogar Plätze nebeneinander. Die beiden kennen sich schon ein bisschen aus ihrer Gemeinde, damit bin ich das sprichwörtliche dritte Rad am Wagen und obwohl sich die beiden wirklich Mühe geben, dass ich mich nicht als Außenseiterin fühle, bleibt bei drei Menschen eben doch immer irgendwie einer übrig. Für die Busfahrt setzt sich dieses Gefühl erstmal fest. Allerdings fühle mich neben meinem Nebensitzer auch nicht so unwohl, dass ich das Angebot zum Platztauschen angenommen hätte. Mir ist momentan ohnehin nicht nach Unterhaltung. Dass ist die Busfahrt allein verbringe ist damit allein meine Entscheidung und liegt nicht an meinen Kolleginnen. Mehr…

Ein Jahr voll tränenschwerer Sommer (JvtS)

oder: Mein vollständiges, chaotisches, authentisches, persönliches, absolut ehrliches und manchmal melodramatisches Reisetagebuch

Ein Satz, der unglaublich viel über meine Zukunft verrät…
Ich werde ein Jahr in einem Land verbringen, in dem das ganze Jahr über Sommer ist. Es wird viele Erlebnisse geben, die mich belasten, viele Tränen und am Ende werde ich verändert aus dieser Zeit hervorgehen. Zurückkommen wie ein Phönix aus der Asche.
Nichts davon ist passiert.

Vielleicht wird nichts davon passieren.
Am Sonntag den 27.07.2014 steige ich mit zwei gleichaltrigen Abiturientinnen aus Tübingen in einen Fernbus der Firma Eurolines nach Rumänien. Mehr…

Zwei Blogs…

Wilhelmine Wulff / pixelio

Wilhelmine Wulff / pixelio

Wie vielleicht ein paar oder alle von euch wissen, schreibe ich momentan zwei Blogs gleichzeitig. Der eine ist dieser hier und der zweite ist mein offizieller Blog über Rumänien www.fsjintimisoara.jimdo.com

Es ist nicht einfach immer beide Blogs aktuell zu halten und sich gleichzeitig nicht zu doppeln und bisher habe ich das auch noch nicht so wirklich hinbekommen.
Nach einigen hin und her Überlegungen habe ich mich jetzt entschlossen, dass ich die “normalen” Blogeinträge auf www.fsjintimisoara.jimdo.com machen werde und dafür hier mein Reisetagebuch poste.

Wer also alles bekommen will, was ich schreibe, muss nun, es tut mir leid, beide Blogs lesen. Wem es reicht und wer Spaß daran hat einfach hier mein Reistagebuch zu lesen wird auf jeden Fall auch über alles bescheid was mir hier in Rumänien so passiert. Ich wünsche in jedem Fall viel Spaß beim lesen!!!

Aus dem Hospiz

Ich habe jetzt für zwei Wochen im Hospiz gearbeitet und vorerst wird es auch bei diesen zwei Wochen bleiben, zumindest gehe ich im Moment davon aus, dass ich die nächsten zwei Wochen in Carani bin.

Meine Eindrücke aus dem Hospiz… es ist schwer zu beschreiben was ich dabei empfinde mit sterbenden Menschen zu arbeiten. In meiner Zeit dort ist meines Wissens niemand gestorben. Aber in der Hospizkapelle liegt ein Buch mit Namen. Ich habe niemanden gefragt, aber ich nehme an, dass es die Namen der Personen sind, die hier schon vertorben sind. Ich habe dieses Buch durchgeblättert, als ich es fand. Nicht alles, nur mal reingeschaut. Die älteste Person, die ich fand, war 98. Die jüngste Anfang 30.
Ich werde niemals mehr rosa Pudding essen können, denn ich habe an zwei morgenden rosa Pudding an die Patienten gefüttert.
Noch immer habe ich mich nicht an das Wissen gewöhnt, dass dort Menschen mit Hepatitis B unc C liegen. Ansteckende, tödliche Krankheiten. Das Geschirr dieser Patienten wird vom Geschirr der anderen Patienten strikt getrennt gehalten und das Geschirr des Personals ist ohnehin ganz extra. Noch nie war ich so froh, wenn ich ab und zu im Garten arbeiten oder saubere Wäsche bügeln konnte. In den ersten Tagen musste ich den Impuls unterdrücken, mir dauernd die Hände zu desinfizieren.
An meinem letzten Tag im Hospiz hab ich schließlich das Kunststück fertig gebracht vom Essen aufzustehen, einer Betreuerin und einer Ärztin bei einer Untersuchung im Intimbereich und dem zugehörigen Windelwechseln zu unterstützen und mich hinterher hinzusetzen und weiter zu essen.

Momentan bin ich noch zu überfordert um daraus irgendwelche sinnvollen Gedanken zu gewinnen. Aber das kommt vermutlich noch.

Woran ich mich gewöhnen muss

  1. Ich komme vom Dorf, ich finde Städte an sich gewöhnungsbedürftig, auch wenn Timisoara wirklich schöne Parks und wundervolle alte Häuser hat.
  2. Dass man hier überall mit dem Fahrrad hinfährt. Zuhause fahre ich praktisch nie Fahrrad und dementsprechend schlecht kann ich es. Das hat den Vorteil, dass ich das beste Rad unserer WG bekommen habe, mit dem ich gleich bei der ersten Fahrt einen Unfall mit einem Pfosten gebaut hab, bei dem glücklicherweise weder ich noch das Rad zu Schaden kamen.
  3. Man wird nachts öfter mal von Autoalarmanlagen geweckt, die an Lautstärke, Kreativität und Nervigkeit jeden Polizei/Krankenwagen übertreffen, der mir je begegnet ist.
  4. Waschbecken und Badewanne sind natürlich nicht der gewohnte Hygienestandart. Was beabsichtigt und gewollt ist, aber es ist trotzdem gewöhnungsbedürftig.
  5. Man muss zum Frischwasser holen auf den nahen Kinderspielplatz zum Trinkwasserbrunnen laufen und das Wasser anschließend in den dritten Stock tragen.
  6. Vegetarier sein ist hier eine Kuriosität. Es gibt fast keine Mahlzeiten ohne Fleisch, außerdem isst man hier Ketchup zur Pizza.
  7. Partys auf öffentlichen Plätzen scheinen hier prinzipiell nur bis halb elf, höchstens elf zu dauern, muss wohl am Lärmschutz liegen.
  8. Es gibt nur Weißbrot.