Behind the Lyrics II

Hallo 😊
Im vergangenen Monat habe ich meine #Behind_the_Lyrics Serie begonnen, in der ich meine persönliche Interpretation der Liedtexte von Cataract of Dreams „zu Papier“ bringe.
Für den ersten Teil hatte ich mir vier Stücke ausgesucht, die für mich auf verschiedene Arten mit der Entstehungszeit unserer Band verknüpft sind.
Der zweite Teil ist nun überschrieben mit EinBlick auf Beziehung. Er konzentriert sich auf vier Lieder, die Freundschaften und Liebesbeziehungen aus unterschiedlichsten Perspektiven behandeln. Den ersten der Beiträge gibt es nächsten Montag.
Die Beiträge gibt es wieder unter dem #Behind_the_Lyrics:

http://www.kath-east.de/tag/behind-the-lyrics/

Viel Spaß beim Lesen! 😊

P.s: Veröffentlicht werden die Beiträge nacheinander, immer montags um 19:00 Uhr.

Aufnahmen vom Wüste Welle Auftritt

Es hat mal wieder länger gedauert als gedacht ;), aber jetzt ist es soweit: Meine Band Cataract of Dreams teilt mit euch die schönsten Aufnahmen unseres Live Auftritts beim Tübinger Lokalradio “Wüste Welle”.
Ab heute gibt es jeden zweiten Tag einen neuen Song auf YouTube. Darunter auch einige, die noch nicht auf unserem Demoalbum waren. 😉

Zu der YouTube Playlist der Live Aufnahmen

Nochmal als Erinnerung: Die ganzen Links zu unserer Musik gibts auch ganz oben auf dieser Seite unter der Seitenbeschreibung 😉

Emperor of the Sun – Lyrics

LINK zum Lied
LINK zum englischen Text

Ich halte ein Versprechen

Am Beginn jeder Bandgeschichte steht eine, in dem Moment gefühlt sehr prägende, Entscheidung: Die Suche nach dem richtigen Namen. Welche Kriterien muss ein guter Name erfüllen? Wie kommt man an geeignete Vorschläge und wer darf am Ende aussuchen? Als für uns diese Entscheidung anstand bestanden wir noch aus Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang. Wir alle hörten Metal in verschiedenen Variationen und Abstufungen und es war klar, dass wir einen Namen für eine Metalband suchten. Was mich persönlich betrifft, so war und bin ich noch immer ein halbwegs romantisch veranlagter Mensch. Hätte ich die Band im Alleingang benennen dürfen, so wäre vermutlich etwas furchtbar Kitschiges dabei herausgekommen. Insofern war es ganz gut, dass wir ein durchgehend demokratisches Verfahren zur Namensfindung verwendeten.
Im ersten Schritt sammelten wir Vorschläge. Ich weiß nicht mehr, wie lang die Liste war, die wir zusammenbekamen, aber sie war lang. Dann durfte jeder die Namen streichen, mit denen er überhaupt nicht leben konnte. Was übrig blieb waren noch zwei getippte A4 Seiten, die wir anschließend in mehreren Abstimmungsrunden auf drei Vorschläge reduzierten. (Ein Name auf der langen Liste war übrigens auch eine Variation von „River’s End“). Unter diesen dreien wurde dann ein letztes Mal abgestimmt. Wir sind uns nicht mehr sicher, welches der dritte Vorschlag war. Doch am Ende der letzten Abstimmung hatten „Emperor of the Sun“ und „Cataract of Dreams“ die meisten Stimmen. „Emperor of the Sun“ lag vorne. Ich allerdings fühlte mich mit dem Namen nicht richtig wohl. Er schien mir etwas zu viel Macht auszustrahlen oder anders gesagt: Er klang für mich nicht sanft genug. Die anderen Bandmitglieder haben mir dann ein Veto gestattet und so wurde „Cataract of Dreams“ zu unserem Bandnamen. Einem unserer Gitarristen hatte „Emperor of the Sun“ damals besonders gut gefallen. Sozusagen als Entschuldigung dafür, dass ich den Namen abgelehnt hatte, versprach ich ihm, dass ich ein Lied mit „Emperor of the Sun“ als Titel schreiben würde. Darum war in dem Stück ursprünglich ein längeres Gitarrensolo eingeplant zwischen vorletztem und letztem Refrain eingeplant. Ich habe mein Versprechen zwar gehalten. Aber zu spät. Als Emperor of the Sun fertig war, hatte sich unsere Metalbesetzung bereits aufgelöst und der Gitarrist die Band verlassen.

Ein Gedicht zu einem vorgeschriebenen Thema zu schreiben, finde ich extrem schwierig. Ein Lied zu einem existierenden Titel zu schreiben ist leichter, aber immer noch nicht einfach. Mein erster Ansatz war zu überlegen, wer der Herrscher der Sonne überhaupt sein könnte. Letztendlich habe ich beide Gedanken, die ich dazu hatte, verbunden.
In der ersten Strophe geht es um einen wörtlichen Herrscher der Sonne: Einen Gott. Er hat eine Welt erschaffen. Doch als die Zeit vergeht und kein Mensch sich als würdiger Gesellschafter erweist, beginnt der Gott Einsamkeit zu spüren.

Er weiß, dass er für alle Zeit allein bleiben wird.
Nicht ein einziger Engel wurde geboren.

Je mehr Zeit vergeht, desto gleichgültiger wird er. Nicht nur gegenüber seiner Schöpfung, sondern auch gegenüber sich selbst.

Blut fließt durch sein Herz, Gleichgültigkeit zerreißt ihn.

Er weiß: Wenn er die Welt vernachlässigt wird selbst die Sonne, die er als endlos leuchtend erdachte hatte, irgendwann ausgehen und nicht nur das Universum, sondern auch den Herrscher selbst in Dunkelheit zurücklassen.

Er weiß, dass die Dunkelheit kommen wird.
Seine Stille Hoffnung – Sie ist schon fort.

Doch am Ende gibt er trotzdem auf und seine Macht verschwindet mit der verlöschenden Sonne.

Da gab es einst ein junges Licht, einen Gedanken
und den Herrscher der Sonne.
Doch nun ist die Ewigkeit gekommen.

Den Herrscher in der zweiten Strophe muss man etwas länger suchen. Tatsächlich ist Herrscher der Sonne hier eher eine Beschönigung. Der Text erzählt hier von einem Soldaten, doch der glorreiche Teil der Geschichte wird nicht erzählt. In meiner Vorstellung zog er als Teil einer großen Weltmacht in den Krieg. Doch das Lied berichtet nur von seinem Fall in den Abgrund des Krieges, in dem er alles verloren hat.

Er wusste, der Krieg würde seinen Verstand brechen.
Sein Letzter Wille war schon unterschrieben.

Er wusste, er würde für alle Zeiten allein bleiben.
Seine Liebe starb im Feuersturm.

All die Sorgen, die er verursachte…

Doch all die Schrecken liegen bereits in der Vergangenheit. Die Schlacht verläuft nicht, wie es gedacht war und um nicht besiegt zu werden, wird eine Militäraktion geführt, die für diesen Soldaten die letzte werden soll.

Um der Hölle eine weitere Nacht zu entkommen,
wurden Truppen entsendet und ein weiterer Kampf erzwungen.
Blut floss durch seine Hände,
Angst schwächte ihn, er konnte es nicht ertragen.

Im Moment seines Todes taucht eine Erinnerung auf, die er verdrängt hat:

Es ist die letzte verborgene Erinnerung:
Junges Kind liegt tot unter den Bäumen.

Da gab es einst ein junges Licht, ein Leben

Es bleibt offen, ob es sein Kind ist, das tot unter dem Baum liegt und/oder ob er es getötet hat. Und auch das verlöschende Leben, um das im Refrain getrauert wird bleibt etwas im Unklaren. Das „jung“ könnte darauf hindeuten, dass es das des Kindes ist. Doch ebenso gut könnte es sein eigenes sein.

Der letzte Refrain steht in diesem Kontext etwas allein. Der Text entfernt sich immer weiter von einem konkreten Herrscher der Sonne. Am Ende geht es um das Gefühl, das ich mit „Emperor of the Sun“ verbinde: Auf einem Berg stehen und sehen wie die Sonne in nebelertränkten Tälern aufgeht, während ein warmer Wind weht. Anders gesagt: Einfach das Gefühl haben, dass die Welt nur für uns ganz allein wunderschön ist. Im letzten Refrain steht der Gedanke, wie viel länger ein solches Hochgefühl andauern kann, wenn nicht versucht wird, es mit Gewalt zu vergrößern oder für einen allein zu beanspruchen.

Wir wissen, dass die Ewigkeit kommen wird.

River’s End – Lyrics

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Eine schwierige Ballade

Zu River’s End sei zunächst gesagt, dass ich nach Bild einer Stadt eigentlich keinen Liedtext mehr allein geschrieben habe. Unser Schlagzeuger und ich schreiben gemeinsam, sodass jeder Text am Ende wenigstens zwei Leuten gefällt. Diese Art zu schreiben ist unglaublich hilfreich, um andauernde Wiederholungen von Stilen und Bildern zu vermeiden. Außerdem bewahrt sie mich davor, allzu sehr ins kitschige abzudriften. Hier zeigt sich auch eine grundlegende Charakteristik von Gedichten und verwandten Textarten: Obwohl wir gemeinsam schreiben und über verwendete Metaphern diskutieren, sind wir am Ende nicht immer ganz einer Meinung, was das gewählte Bild nun bedeutet. Aber das nur als Randnotiz.
River’s End zu schreiben war deutlich weniger spontan, als dies bei vielen anderen meiner Texte der Fall ist. Mit der Flüchtlingsdebatte überall um uns herum, hatten wir den naheliegenden Gedanken, ein Lied zum Thema Flucht zu schreiben. Es sollte aber kein politisch geprägtes Stück werden. Stattdessen wollten wir die emotionale Perspektive eines Fliehenden einnehmen. Mit der Umsetzung dieser Idee haben wir es uns nicht leicht gemacht. Uns war bewusst, dass wir nicht in der Position sind, die Situation eines Flüchtlings wirklich zu verstehen. Wir versuchten, eine Geschichte über etwas zu schreiben, von dem wir nur Geschichten kannten. Dabei wollten wir unter keinen Umständen respektlos gegenüber denen sein, die diese Realität erleben und erlebt haben, indem wir Geschehnisse in unserem Unwissen über- oder unterdramatisieren.
Im Ergebnis ist River’s End dadurch weniger emotional, als ich es mir am Anfang vorgestellt hatte. Es hat sich von der Komplexität der Erlebnisse ein wenig gelöst und konzentriert sich auf Erfahrungen, die jeder von uns wahrscheinlich schon gemacht hat: Loslassen müssen und hoffen. Und trotz unserer anfänglichen Absicht neutral zu bleiben, enthält es am Ende doch noch eine Aufforderung an uns alle.

Flammen entzünden die Tage.
Sie waren blind für die Funken.

Es sind stellvertretende Flammen für alles, was ein Leben so sehr aufrütteln kann, dass es aus den Fugen gerät. Es sind nicht nur Kriege und Naturkatastrophen, manchmal reicht schon der Verlust einen Arbeitsplatzes. Überraschend und zur falschen Zeit. Es kann überall passieren. Auch hier.
Die Menschen, die die Funken nicht sehen, sind nicht die Betroffenen, sondern diejenigen, die das Feuer gelegt haben. Unwissentlich oder mit geschlossenen Augen.

Dürrer Mann, der uns Traurigkeit und Angst anbot
bringt uns dazu, nach einem neuen Zuhause zu suchen,
forderte alles für seinen Thron.
Da gab es nichts mitzunehmen, zu den Wellen,
außer einem hoffnungsvollen Abschied und meinem Leben.

In der ersten Fassung des Textes hieß es nicht „dünner Mann“ (Thin man), sondern einfach „seltsamer Mann“ beziehungsweise Fremder (Strange man). Diese Textstelle wurde so spät geändert, dass ich mich bis heute auf der Bühne regelmäßig dabei erwische, dass ich „strange“ singe, während ich den Rest des Liedes eigentlich fehlerfrei auswendig kann. Dieser Mann ist das Gefühl, wenn einem plötzlich alles entrissen wird, was man aufgebaut und erarbeitet hat, sodass außer einem Neuanfang nichts übrigbleibt. In diesem Sinne löst sich River’s End von dem Gedanken der Flucht und begleitet jeden, der im Leben viel verloren hat.

Ich werde Briefe und Tränen meiner Kinder und Freunde mitnehmen,
zu dem Ort, an dem der Fluss endet.

Briefe und Tränen oder auch Erinnerungen und das Wissen, vermisst zu werden.

Eines Tages wünscht es sich, zurückzukehren,
zu dem Ort, an dem es alle seine Liebe zurückließ,
in einem Moment aus Hoffnung und Abschied.

Egal wie es dazu kommt: Was kann schlimmer sein, als geliebte Menschen zurücklassen zu müssen? Sie zurückzulassen, weil man sie liebt?

Nun haben wir eine Zukunft zu bauen.
Hätten wir keine übereinstimmenden Narben gefunden…
unsere Welten würden getrennt bleiben.

Es ist kein einfacher Zugang zu einem Menschen. Doch wenn er gelingt, kann er sehr tragfähige Verbindungen bauen: Gemeinsam erlebte oder gegenseitig verstandene schmerzhafte Erlebnisse. So unterschiedlich Kulturen und die einzelnen Menschen darin auch sind: Unsere Antriebe, Ängste und unsere Verletzlichkeit sind einander sehr viel ähnlicher, als wir uns oft eingestehen wollen.
Die Menschheit hat nicht nur in der Natur, sondern auch in der weltweiten Gesellschaft Entwicklungen angestoßen, die wir nicht einfach zurücknehmen können. Ich halte es für möglich, dass wir auch von manchen der uns vertrauten Strukturen und Gewohnheiten Abschied nehmen müssen. In der Hoffnung, dass unser Weg beinahe ein Rundgang ist, der uns wieder zu diesen Strukturen zurückführt. Sobald wir gelernt haben, wie wir sie verbessern können. Je früher wir anfangen darüber nachzudenken und uns bewusst zu ändern, desto schneller und schmerzloser könnte diese „Reise zum Ende des Flusses“ wieder vorbeigehen.
Das ist die Hoffnung, die uns oft weitermachen lässt: Dass wir zum Guten zurückkommen, wenn wir nur weit genug vorwärts gehen. River’s End hingegen endet mit einer der größten Ängste: Irgendwann anzukommen und festzustellen, dass der Weg nicht im Kreis geführt hat und dass ein Neubeginn nur möglich ist, wenn wir unsere Vergangenheit zurücklassen.

Nur Briefe und Tränen von meinen Kindern und Freunden
finden den Ort, an dem der Fluss endet.